Gesundheit
Wechseljahre: Mitten im Wandel
- hochgeladen von Patricia Harant-Schagerl
Hitzewallungen, Herzklopfen, Schlafstörungen: Die Wechseljahre sind von den verschiedensten Beschwerden geprägt. Wann Frauen in die Wechseljahre kommen und wie sie diese Zeit erleben, ist individuell verschieden.
Doch was genau versteht man darunter eigentlich? „Die Wechseljahre sind ein natürlicher Lebensabschnitt jeder Frau, in der die Fruchtbarkeit abnimmt“, erklärt Dr. Eveline Diridl. „Die Eierstöcke produzieren nach und nach weniger Hormone, vor allem Östrogen und Progesteron, und irgendwann bleibt dann die Menstruation aus. Dieser Prozess passiert nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich meist über Jahre.“ Die Gynäkologin betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Prim. Dr. Peter Diridl eine Ordination für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Amstetten.
Auch wenn die Wechseljahre typischerweise zwischen 45 und 55 Jahren beginnen, können erste hormonelle Veränderungen bereits Ende 30 auftreten. Viele Frauen bemerken unregelmäßige oder verkürzte Zyk-
len, schlechteren Schlaf oder depressive Verstimmungen. Diese Phase nennt man Perimenopause. Die letzte Regelblutung tritt dann durchschnittlich im Alter von 51 Jahren auf. Dieser Zeitpunkt wird als Menopause bezeichnet.
Es gibt eine Bandbreite an möglichen Beschwerden: „Manche Frauen spüren kaum Veränderungen, andere erleben die Umstellung intensiver. Die häufigsten Beschwerden sind Hitzewallungen, oft begleitet von Herzklopfen oder -stolpern. Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Gereiztheit und Konzentrationsprobleme treten ebenfalls häufig auf. Der sinkende Östrogenspiegel kann die Schleimhäute austrocknen und unter anderem zu trockenen Augen oder Beschwerden im Intimbereich führen. Bei manchen Frauen schmerzen auch die Gelenke“, sagt Dr. Diridl.
Auch auf die Psyche können sich die Wechseljahre auswirken.
Auch auf die Psyche können sich die Wechseljahre auswirken. Das ist etwas, worüber laut Diridl oft zu wenig gesprochen wird: „Viele Frauen erleben depressive Verstimmungen, innere Unruhe und plötzlich auftretende Ängste. Nicht selten sagen Frauen zu mir, dass sie sich selbst nicht mehr kennen. Sie funktionieren nach außen weiter und stehen mitten im Leben. Umso wichtiger ist es, offen über Beschwerden zu sprechen und Unterstützung anzunehmen.“
Um die Beschwerden der Wechseljahre zu lindern, gibt es heutzutage viele Möglichkeiten. Pflanzliche Präparate, eine Nährstofftherapie oder psychologische Begleitung zum Beispiel. Wenn die Beschwerden stärker werden, kann eine Hormonersatztherapie hilfreich sein: „Für viele Frauen können bioidente Hormone eine sehr gute Therapieoption sein. Diese werden aus Soja oder der Yamswurzel gewonnen. Sie sind identisch mit den Hormonen, die der menschliche Körper selbst produziert, und werden von vielen Frauen gut vertragen.“ Beschwerden im Intimbereich oder bei Harnverlust können mithilfe einer vaginalen Lasertherapie gelindert werden.
Vielfältige Linderung möglich
Eine große Rolle spielt auch der Lebensstil. Sport beispielsweise hilft nicht nur gegen Gewichtszunahme, sondern verbessert auch die Stimmung und den Schlaf und schützt Herz und Knochen. Ebenso wichtig: eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und bewusste Ruhepausen.
Für Eveline Diridl sind die Wechseljahre eine Herzensangelegenheit, für die sie sich einen anderen Umgang wünscht: „Ich wünsche mir vor allem mehr Offenheit und weniger Tabus. Die Wechseljahre betreffen eine Million Frauen. Und trotzdem sprechen viele Frauen nur sehr vorsichtig oder gar nicht darüber. Ich wünsche mir, dass Frauen wissen: Sie müssen da nicht allein durch. Information, ärztliche Begleitung und gegenseitige Unterstützung können sehr viel bewirken. Die Wechseljahre sollten als ein neuer Lebensabschnitt gesehen werden, den Frauen selbstbewusst, gesund und mit Lebensfreude gestalten können.“
Daniela Rittmannsberger-Kampel
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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