Interview mit Michael Schade
Internationale Barocktage Stift Melk „Maria bewegt ...“
- Kammersänger Michael Schade ist seit 2014 künstlerischer Leiter der Internationalen Barocktage im Stift Melk. Seine Eltern stammen aus Gelsenkirchen (D.), 1977 zog die Familie aus beruflichen Gründen nach Toronto (Kanada). Schade galt als ein führender Mozart-Tenor, sein Repertoire hat er inzwischen in dramatische Regionen bis hin zu Wagners Meistersinger erweitert. Der Kammersänger lebt in Wien, ist verheiratet und Vater von drei Kindern.
- Foto: Daniela Matejschek
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Vom 6. bis 9. Juni finden im Benediktinerstift Melk die Internationalen Barocktage unter dem Motto „Maria bewegt ...“ statt. Im Gespräch mit „Kirche bunt“ erläutert der künstlerische Leiter, Kammersänger Michael Schade, warum heuer die Gottesmutter Maria im Mittelpunkt der Barocktage steht und welche musikalischen Highlights auf das Publikum warten: So wird das Magnificat von Carl Philipp Emanuel Bach zu hören sein und die Uraufführung des „Melker Marienlieds“, das extra für die Barocktage neu vertont wurde.
Die Barocktage im Stift Melk stehen heuer unter dem Motto „Maria bewegt“. Haben Sie persönlich eine besondere Beziehung zur Gottesmutter?
Michael Schade: Die Gottesmutter, Mutter Maria, hat mich schon sehr früh fasziniert. Ich bin ja in Toronto aufgewachsen und war dort Chorknabe und als wir in die Pubertät kamen und Mädchen ein Thema wurden, sagte unser Monsignore: „Betrachtet doch die Gottesmutter. So eine schöne Frau. Ihr werdet jetzt Mädchen kennenlernen und da tauchen Fragen auf, denn mit der Liebe sind auch oft Leiden und Herzschmerzen verbunden. Vergesst dann nicht auf die Gottesmutter und dass sie für euch da ist.“ Diesen Rat fand ich so berührend und das habe ich noch immer im Ohr.
Maria ist außerdem eine der bekanntesten Frauen in der Geschichte. Als junge Frau wurde sie ungeplant Mutter, sie musste ihr Heimatland verlassen und den Tod ihres Sohnes miterleben. Sehen wir für einen Moment von ihrer religiösen Bedeutung ab, so lesen sich manche ihrer Lebensstationen wie tragische Wirklichkeiten, die kaum aktueller sein könnten.
Was war dann die Initialzündung für das heurige Motto?
Schade: Eigentlich ist es erstaunlich, dass wir die Gottesmutter nicht schon längst ins Zentrum der Barocktage gestellt haben. Es gab tatsächlich von dem großen Dirigenten Pablo Heras-Casado den Wunsch, dass wir nicht nur das Magnificat von Johann Sebastian Bach zur Aufführung bringen, sondern auch das Magnificat seines Sohnes Carl Philipp Emanuel Bach. Wir stellen diese beiden Werke einander sozusagen musikalisch gegenüber. Dieser Wunsch war wie eine Initialzündung, womit dann klar war, dass wir jetzt endlich Maria in den Mittelpunkt des ganzen Festivals stellen können. In der Musikgeschichte ist ja das Repertoire über Maria ein besonders reiches – mit der Muttergottes sind die schönsten Melodien und Messen verbunden.
Mit den beiden Magnificats erwartet die Besucher heuer also eine Überraschung?
Schade: Auf jeden Fall! Das Magnificat von Johann Sebastian Bach ist wirklich ein grandioses Werk und es berührt immer wieder, selbst wenn man es schon tausendmal gehört hat. Und auch das Magnificat von Carl Philipp Emanuel Bach ist eine Kostbarkeit, und jetzt erklingen beide Werke mit einem der größten Dirigenten unserer Zeit, mit einem herausragenden Chor und wunderbaren Solistinnen und Solisten.
Wie kam es zur Entscheidung, das Melker Marienlied aufzuführen?
Schade: Das Melker Marienlied gibt es in der Stiftsbibliothek als Handschrift aus dem 12. Jahrhundert. Somit lag es auf der Hand, dass wir damit etwas machen mussten und wir haben den Komponisten Johannes Schachtner, der von seinem Hintergrund her Kirchenmusiker ist und eine große Ehrfurcht vor dieser Musik hat, gebeten, dieses Stück neu zu kreieren. Das Melker Marienlied ist in ein Programm rund um die Familie Bach eingebettet. Es ist ja eine weitverzweigte Familie, die wir nicht so wirklich kennen, wenn ich da an Johann Sebastian Bachs erste Frau Maria Barbara Bach denke, an Johann Michael Bach oder eben auch an Carl Phillipp Emanuel Bach.
Zu hören sein wird auch die musikalische Darstellung des Lebens der Jungfrau Maria. Was erwartet die Zuhörerinnen und Zuhörer da?
Schade: Bei den sogenannten Rosenkranz-Sonaten wird das Leben von Maria sozusagen in kleinen Bildern beschrieben. Es braucht eine große Hingabe, um das Leben von Maria musikalisch zu verkörpern. Das bringt die junge Barock-Violinistin Han Sol Lee Eo mit. Sie ist die vorjährige Preisträgerin des Johann Heinrich Schmelzer Wettbewerbs und hat uns als Solistin sehr berührt. Sie wird das Publikum auf eine musikalische Reise durch das Leben der Jungfrau Maria mitnehmen, dabei verkörpert die Violine deren Stimme und sie wird ein vielschichtiges Bild Marias als Symbol des Glaubens und als Mensch zeichnen.
Es gibt bei den Barocktagen auch ein Programm für Kinder. Ist das nicht zu ambitioniert, Kinder mit Barockmusik anzusprechen?
Schade: Nein, im Gegenteil. Der Grund, warum die Barockmusik für die Menschen von heute so zugänglich ist, ist, dass sie eigentlich die Wiege für Blues, Rock’n’Roll und all das ist. Die Barockmusik enthält auch sehr viele rhythmische Anteile. Man kann bei Konzerten oft beobachten, wie Erwachsene mit den Beinen mitwippen und manchmal sagen Zuhörer:innen, dass sie am liebsten hätten mittanzen wollen. Bei den Kinderkonzerten müssen die Kinder nicht stillsitzen – im Gegenteil: Sie sollen mitmachen, sich bewegen, sollen Inspirationen haben – wir nehmen sie mit auf eine Reise durch die „Wunderwelten“.
Viele Werke der Barockmusik und insgesamt der Musik haben ihre Grundlage in der Bibel. Wie wichtig ist es, dass man sich in diesen Fällen nicht nur mit der Musik, sondern auch mit der Bibel auseinandersetzt?
Schade: Gerade bei der Musik von Bach ist zu hundert Prozent der persönliche Glaube zu spüren! Und es ist zu spüren, dass alles, was da geschrieben wurde, zur Ehre Gottes geschrieben wurde. Schon wenn man schaut, welche geheimen Botschaften Bach in sein Werk gelegt hat, wann er z. B. Jesus zitiert und wann Gott! Wenn man das alles mitbekommt, dann nimmt es einem den Atem, weil man erkennt, wie groß der Glaube ist und wie groß die Hingabe zum Werk. Die Musik spricht allerdings auch für sich selbst, man kann sie losgelöst von ihrer Entstehung genießen.
Ich sage immer, dass die Menschen, die nach Melk kommen, Melk oft als bessere Menschen verlassen. Der Grund dafür ist, dass dieses lebendige Stift wirkt. Die Benediktiner wollen, dass man sich an diesem Ort wohlfühlt, dass man berührt wird und zurückkommen will. Das wollen wir auch durch die Musik widerspiegeln. Und ob man ein gläubiger Christ ist oder ein Agnostiker – ich glaube, dass alle berührt werden und nach innen gehen und somit habe ich auch die Hoffnung, dass die Menschen dadurch näher zum Glauben kommen. Aber es ist für jeden etwas dabei. Die Muttergottes ist eine wahnsinnig starke Frau und ein Vorbild. Und ja, ich bin überzeugt, dass gerade diese Marienwerke auch mehr zum Glauben führen.
Interview: Sonja Planitzer
Gewinnspiel:
„Marienblumen“ – Mitglieder des Concentus Musicus Wien, Stefan Gottfried und Anita Monserrat bringen Werke von Heinrich Ignaz Franz von Biber, Giovanni Batista Ferradini oder Johann Caspar Ferdinand Fischer. Für das Konzert am Pfingstmontag, 9. Juni, um 11 Uhr verlosen wir 2 x 2 Karten. Einsendungen mit dem Kennwort „Marienblumen“ sowie Namen und vollständiger Adresse bitte bis 26. Mai an gewinnspiel@kirchebunt.at.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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