Pilgerorte der Welt: Lourdes
Wo sich Himmel und Erde berühren
- Der Wallfahrtsort bei den Pyrenäen zählt zu den größten christlichen Pilgerstätten. Viele kranke Menschen vertrauen sich dort der Gottesmutter an.
- Foto: Manuel Sattelberger
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Im französischen Wallfahrtsort ist der heiligen Bernadette die „Unbefleckte Empfängnis“ begegnet. Lourdes ist heute ein Ort, an dem kranke Menschen Trost und Mitmenschlichkeit erfahren.
Wenn ich an meine Lourdes-Reisen denke, fällt mir zuallererst der Rosenkranz ein.
Wie selbstverständlich, oft in schlichter und manchmal in feierlicher Form, in allen Sprachen der Welt, er dort gebetet wird. Der Rosenkranz ist in Lourdes so selbstverständlich wie unser Ein- und Ausatmen: Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus!
Man „inhaliert“ geistlich an der Hand Mariens, nach dem Vorbild der heiligen Bernadette, im Gebet die heilsame Liebe Gottes!
Ja, und obwohl sich im „heiligen Bezirk“ scheinbar alles um die heilige Maria und die heilige Bernadette dreht, bleibt Jesus als Heiland und Erlöser die Mitte in den vielen heiligen Messen, Andachten, der Spendung der Sakramente, in den täglichen Prozessionen mit dem Allerheiligsten und Lichterumzügen. In Lourdes wird Maria als Fürsprecherin und „Heil der Kranken“ verehrt und erfahren.
Die wenigsten Pilger fahren „gesünder“ wieder heim, aber viele mit Sicherheit ein Stück geheilter, im Sinne, dass sie sich mit ihrem Schicksal versöhnen, neue Kraft schöpfen konnten.
Dem armen, kleinen Mädchen namens Bernadette erscheint am 11. Februar 1858 am damaligen Müllplatz der Stadt „eine schöne Dame“, die sich ihr schlussendlich als die „Unbefleckte Empfängnis“ zu erkennen gibt.
Lange hat man der im Jahr 1844 in Lourdes geborenen Analphabetin Bernadette Soubirous nicht geglaubt!
Was wäre, wenn sie nichts gesagt, uns von ihren geistlichen Erfahrungen und wundersamen Erlebnissen nichts erzählt hätte?
„
Wir treffen uns bei der gekrönten Madonna! Ich freue mich auf ein Wiedersehen bei IHR, denn Maria hat den getragen, der alles trägt: Jesus!“
„Wollen Sie mir die Ehre erweisen, hierher zu kommen?“, diesen Wunsch Mariens erfüllt die 14 Jahre alte Bernadette 18 mal. Die Grotte von Lourdes ist kein Museum! Hier darf man sich zuhause fühlen. Bernadette sagte einmal: „Die Grotte war mein Himmel!“
Vor diesem Felsen, der von den vielen zärtlichen Berührungen ganz glatt geworden ist, sind die Menschen eingeladen, Maria zu betrachten, die unser Leben erleuchtet und uns dabei helfen will, die Schwierigkeiten unseres Lebens zu überwinden oder das nach einer schweren Prüfung verlorene Vertrauen wiederzufinden.
Ich habe erlebt, dass ich in Lourdes, diesem viertgrößten Wallfahrtsort der Welt, nach Guadalupe (Mexiko), Rom und Aparecida (Brasilien) als Mensch erwartet werde, als Gläubiger, als Verletzter und Verwundeter, als Priester. In Lourdes durfte ich wieder neu lernen, meinen Blick auf Maria zu richten, die uns als Mutter immer zu Jesus, dem Licht der Welt, führt.
Ermöglicht hat mir diese Erfahrung mein langjähriger Chef und priesterliches Vorbild, Pfarrer i. R. Monsignore Johann Zarl, als er mir zur Priesterweihe eine Lourdes-Wallfahrt mit dem Marianischen Lourdeskomitee schenkte.
Vorrang für Kranke
Was mir von der ersten Stunde an in Lourdes aufgefallen ist: Der Kranke, der Gebrechliche und Alte, der Behinderte steht an erster Stelle, hat immer und überall, besonders an der Erscheinungsgrotte, Vorrang und Vorfahrt!
In unserem Alltagsleben ist das anders, der Kranke wird oft übersehen. Und viele Krankheiten sieht man nicht gleich!
Wenn man die tausenden Kranken in Lourdes sieht, die vielen kranken Kinder, kommen einem unweigerlich die Tränen, mir persönlich auf alle Fälle. Lourdes ist ein Ort, wo Krankheit nicht „versteckt“ wird, sondern wahrgenommen wird. Und daher ist diese Stadt der Muttergottes so „wunder-voll“.
Im Marianischen Lourdeskomitee habe ich Krankenschwestern, Pflegehelferinnen, Ärzte, Krankenträger und Helferinnen kennengelernt, die kommen, um den Kranken diese Erfahrungen der gelebten Mitmenschlichkeit zu vermitteln, sie fahren mit den und für die Kranken nach Lourdes, um ihnen ihre Nähe und Zuneigung zu zeigen, kurzum das „Wunder der gelebten Nächstenliebe“.
Erfahrung als „Krankenpriester“
Wenn man selbst nicht krank ist oder war, kann man nicht erahnen, was es bedeutet, krank und schwach zu sein, auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen zu sein. Man kennt die Ängste, Sorgen und Nöte nicht! Ich erinnere mich noch an einen Ausbildungskurs im Priesterseminar, in dem uns Regens Richard Tatzreiter über das Kranksein und alles damit Verbundene hat nachdenken lassen.
Auch über die Familien, die oft „miterkranken“!
Die Sorge um die Kranken war Jesus ein Herzensanliegen und bei der Priesterweihe habe ich versprochen, den Armen und Kranken beizustehen. So war es mir eine besondere Ehre, als ich im Mai dieses Jahres als „Krankenpriester“ mit dem Lourdeskomitee mitfahren durfte!
Diese Woche war mit Sicherheit kein „Urlaub“, sondern ein umfassendes Dasein für die kranken Pilgerinnen und Pilger und ihre Angehörigen. Die heilsamen Sakramente der Versöhnung und Beichte, sowie die Krankensalbung standen am Tagesprogramm.
„Trinken Sie aus der Quelle!“, so hörte es Bernadette bei der 9. Erscheinung am 25. Februar 1858. Dort, wo es nur ein wenig schlammiges Wasser gab, gräbt die Heilige und bringt eine Quelle zutage, aus der bis heute getrunken und in der gebadet wird. Viele Heilungen werden mit dieser Quelle in Verbindung gebracht. Gott heilt durch die Fürsprache der Jungfrau und Gottesmutter Maria und das Gebet der Christen. Bernadette hat gesagt: „Dieses Wasser hätte keine Wirkung ohne den Glauben!“
„Gehen Sie zu den Priestern und sagen Sie ihnen, man möge in Prozession kommen.“ – Die heilige Bernadette hat diesen Wunsch der Gottesmutter erfüllt und seitdem kommen die Menschen hierher nach Lourdes, zur Quelle des Lebens, um Jesus Christus durch seine Mutter zu erfahren!
Der im Jahr 2013 verstorbene Lourdes-Pilger Pfarrer Msgr. Alois Sallinger, selbst über 90 Mal in Lourdes, prägte bei seinen Wallfahrten den Satz: „Wir treffen uns bei der gekrönten Madonna!
Ich freue mich auf ein Wiedersehen bei IHR, denn Maria hat den getragen, der alles trägt: Jesus!“
Gebet am Wallfahrtsort
Heilige Maria, Mutter Gottes, du hast der Welt das wahre Licht geschenkt,
Jesus, deinen Sohn — Gottes Sohn.
Du hast dich ganz dem Ruf Gottes
überantwortet und bist so zum Quell der Güte geworden, die aus ihm strömt.
Zeige uns Jesus. Führe uns zu ihm.
Lehre uns ihn kennen und ihn lieben,
damit auch wir selbst wahrhaft
Liebende und Quelle lebendigen Wassers werden können inmitten
einer dürstenden Welt.
Papst Benedikt XVI.
Marianisches Lourdeskomitee
Das Marianische Lourdeskomitee ist ein kirchliches Institut der Erzdiözese Wien, das seit über einem Jahrhundert große, organisierte Wallfahrten in den Gnadenort Lourdes veranstaltet. Ein Merkmal ist die Mitnahme und intensive Betreuung von kranken Pilgern. Diese werden von ehrenamtlichen Ärzten, Pflegepersonal sowie Krankenträgern begleitet und im Hospiz untergebracht.
Autor Manuel Sattelberger
Kaplan Manuel Sattelberger, geboren 1981 in Scheibbs, 1999-2003 Ausbildung zum Dipl. Pastoralassistenten und Religionslehrer, 19 Jahre Seelsorger in St. Valentin und im Enns-Donau-Winkel, Priesterweihe 29. Juni 2022, Jugendseelsorger in der Region Waldviertel und Kaplan in Zwettl-Stadt, Großglobnitz und Friedersbach. www.manuel-sattelberger.at. Foto: zVg
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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