Inszenierungen in Pfarren Kilb und Krems-St.Paul
Jeeeeedermann!

Der "Teufel" spielte in Kilb genüsslich seine Rolle. | Foto: Wolfgang Zarl
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  • Der "Teufel" spielte in Kilb genüsslich seine Rolle.
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Der Ruf Jeeeeeedermann! gehört zu den bekanntesten Worten der Theatergeschichte. Das weltberühmte Schauspiel von Hugo von Hofmannsthal wurde heuer in zwei Pfarren aufwändig aufgeführt: In Krems-St. Paul und im Pfarrhofgarten von Kilb, wo beim „Kirche bunt“-Besuch mehrere Priester zusahen, darunter Dechant P. Alois Köberl. In Kilb erhielt es eine ganz eigene Note: Dort wurde die Geschichte im Mostviertler Dialekt erzählt – und verband christliche Inhalte mit regionaler Identität.

Rund 100 Frauen, Männer und Jugendliche wirkten an der Kilber Produktion mit. Die Dialektfassung geht auf Reinhard Schwarz zurück und wurde von Bernhard und Sylvia Teufl überarbeitet. Sie übernahmen auch die Regie.

Nichts an Aktualität verloren

Im Mittelpunkt steht die uralte Frage nach dem Sinn des Lebens. Der wohlhabende Jedermann glaubt, Sicherheit und Glück gefunden zu haben. Doch als ihn der Tod unerwartet aufsucht, erkennt er, dass Besitz, Einfluss und Ansehen nicht tragen. Auch das unbarmherzige Vorgehen gegen Schuldner nagen schlussendlich an seinem Gewissen – zuvor hat er alle weisen Ratschläge der Mutter ignoriert. Begleiten können ihn schließlich der Glaube und die guten Taten seines Lebens. Er muss Rechenschaft ablegen, ruft Gott zu Hilfe und erkennt: Das Geld wird der Todgeweihte nicht in das Jenseits mitnehmen können.
Es zählen andere Werte.
Gerade diese christliche Kernbotschaft macht das Stück auch heute noch aktuell. Die Titelrolle übernahm Christian Kalteis, Kerstin Bürgmayr spielte die Buhlschaft.

Vom Jesus- zum Teufelsdarsteller

Teuflisch gut und genüsslich spielte Philipp Hayirli. Bei den Kilber Passionsspielen stellte er noch Jesus Christus dar, nun verkörperte er den Teufel. Der Wechsel zwischen diesen Rollen war schauspielerisch besonders reizvoll, sagt er. Das Publikum würdigte seine Darstellung mit viel Applaus – am Ende stellten sich er und der Tod für zahlreiche Selfies zur Verfügung.

Eine besondere Verbindung zwischen Bühne und Kirche schaffte Pfarrer P. Christian Gimbel: Er gab Gott seine Stimme und wirkte außerdem als Mitglied der Tischgesellschaft mit. Er hoffte, dass das Stück die Menschen „innerlich bereichert“.

Theater für die eigene Kirche

Der Reinerlös der Aufführungen fließt in die Sanierung des Kirchturmdaches der Pfarrkirche Kilb. Das Dach ist seit Jahren renovierungsbedürftig, die Arbeiten stellen die Pfarre vor eine große finanzielle Herausforderung. So verbindet der „Kilber Jedermann“ Kultur, Glaubensverkündigung und konkrete Solidarität. Wer eine der vier Vorstellungen – mit jeweils über 400 Zuschauern stets ausverkauft – besuchte, trug zum Erhalt der Kirche bei.

Der Erfolg des Kilber Jedermann zeigt, wie lebendig christliche Tradition sein kann. Die vertraute Sprache des Mostviertels eröffnete einen neuen Zugang zu einem Klassiker, dessen Botschaft nichts an Kraft verloren hat: Was den Menschen letztlich trägt, sind nicht Reichtum und Macht, sondern der Glaube, die Liebe zu den Mitmenschen und die Hoffnung auf Gott.

Krems: Jedermann regte zum
Nachdenken an

Das Theater vor den Mauern in Krems- St. Paul hatte mit sieben sommerlichen Vorstellungen das Ziel, Kunst und Kultur zu fördern, christliche Werte zu vermitteln und einkommensschwache Menschen in Krems zu unterstützen.
Regisseur und Diakon Mario Flitsch sagte: „Wenn Theater zum tiefgreifenden Dialog mit meinem Ich führt, dann hat das Spiel die Realität meines Lebens berührt!“
Mit der Wahl dieses Stücks setzte der Theaterverein bewusst auf ein Werk, das weit über reine Unterhaltung hinausgeht und zum Nachdenken anregt.

W. Zarl

Der "Teufel" spielte in Kilb genüsslich seine Rolle. | Foto: Wolfgang Zarl
Jedermann-Aufführung in der Pfarrkirche Krems-St. Paul | Foto: Sebastian Kreipl
Der Jedermann und sein Tross feiern. | Foto: Wolfgang Zarl
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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