Sr. Johanna Datzreiter erinnert sich an Ebola-Epidemie
„Mit der Hilfe Gottes haben wir überlebt“

Sr. Johanna Datzreiter mit Father Charles Ghono. Der Priester wurde von der Ordensfrau als Bub in Nigeria im katholischen Glauben unterrichtet. „Ohne sie wäre ich nie Priester geworden“, sagt er.
  • Sr. Johanna Datzreiter mit Father Charles Ghono. Der Priester wurde von der Ordensfrau als Bub in Nigeria im katholischen Glauben unterrichtet. „Ohne sie wäre ich nie Priester geworden“, sagt er.
  • Foto: Missio Österreich
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Die aus Frankenfels stammende Ordensschwester Johanna Datzreiter war über vier Jahrzehnte als Missionarin in Liberia in Westafrika tätig, wo sie auch die Ebola-Epidemie erlebte (siehe auch unsere Fortsetzung-Serie auf Seite 16). In einem Telefonat erinnert sich Sr. Johanna an diese Zeit.

Während der Ebola Epidemie in Liberia sind 11.000 Menschen gestorben. Wir hatten keine Möglichkeiten zum Helfen, keine Krankenbetten, nur Zelte. Die meisten sind schon am Weg zum Zelt gestorben. Bei Ebola hat man Blut in der Nase und stirbt innerhalb von zwei Tagen. In Liberia wurde alles entfernt, was zur Gefahr werden könnte. Auch das Weihwasser. Es war schwieriger, den Afrikanern zu erklären, dass sie auf Distanz gehen sollen, weil es nicht zu ihrer Kultur passt. Afrikaner lassen ihre Familien nicht in Stich. Niemand hat gedacht, dass es so schlimm wird. Aber mit der Hilfe Gottes haben wir es überlebt. Es war ein Wunder!

Manchmal waren wir so verzweifelt. Die jungen Leute wollten hinausgehen, es gab kein Internet, keine Abwechslung für sie. Es gab zwar TV, aber oft keinen Strom. Es gab keine soziale Infrastruktur, die uns in dieser Zeit helfen konnte. Nur mit der Hilfe Gottes haben wir überlebt. Wochenlang haben wir nur Reis mit Trockengemüse von der WHO gegessen und Sardinen aus Büchsen, und Pfeffer aus dem Garten. Aber manche haben nicht einmal den Pfeffer gegessen, weil sie dachten, der Virus sitzt auch am Pfeffer.

Es fanden keine öffentlichen Gottesdienste statt, aber wir haben uns am Abend zum Gebet in der Kirche versammelt. Wir haben immer Abstand gehalten und haben uns nicht die Hand gegeben, es gab auch keine Mundkommunion. Wir haben für das Ende der Epidemie gebetet. In Monrovia hatte man auch große Einschränkungen und die Messfeier vom Erzbischof wurde übers TV übertragen. Der Afrikaner findet im gemeinsamen Gebet eine solche Kraft. Der Bischof von Banga hat gesagt: „Der Herr hat das Gebet der Kinder erhört.“ Keiner, der zum Gebet am Abend gekommen ist, ist gestorben! Gott hatte Erbarmen mit den Afrikanern.

Ich bete jetzt für alle Infizierten in Österreich und Europa, besonders auch für meine Afrikaner in Liberia, dass ihnen zumindest jetzt der Corona Virus erspart bleibt. Wer kann sich sonst noch um sie noch kümmern? Das katholische Krankenhaus in Monrovia ist die einzige Zuflucht. Aber die Situation in Liberia ist ganz anders als in Europa. Sie sind viel ärmer.

Jetzt erfahren die Menschen hier in Europa vielleicht auch, was sie vermissen, wenn sie nicht mehr gemeinsam die heilige Messe feiern können. Ich bete, dass durch das Coronavirus die Leute wieder zur Besinnung kommen. Es ist ein Zeichen Gottes, dass wir endlich umdenken müssen. Die Engländer meinten, sie sind auf einer einsamen Insel, aber wenn dort wirklich die Pandemie ausbricht, dann wäre es schlimm.

Ich bete fest für die Missio und bitte P. Karl auch für Afrika zu beten. Der Kontinent hat schon genug gelitten. Dort sind die Ärmsten, die sich nicht wehren können. Wenn dort die Pandemie ausbricht, wäre es schrecklich. Das gemeinsame Gebet gibt eine solche Kraft. Das ist mir damals in Liberia bewusst geworden. Die Verbindung im Gebet mit den Menschen in Europa hat uns geholfen. Wir sind alle abhängig von der Gegenwart der Macht Gottes in uns, der Macht des Gebets. Dann bekommt man auch den Mut und lässt sich nicht unterkriegen. Wir können jetzt Weltmission auf geistige Art betreiben.

Ich fand es sehr gut, dass P. Karl in einer Ansprache nach der Amazonas-Synode gesagt hat, wir müssen jetzt vor allem schauen, wie unsere persönliche Beziehung zu Christus ist. Wir müssen da anfangen. Die Änderungen müssen von innen kommen, sonst ist alles nur Schein. Vielleicht möchte uns der liebe Gott darauf aufmerksam machen, dass wir vom Schein weg müssen, hin zu einem tieferen Leben aus dem Glauben. Wir müssen mit Mut weitergehen. Gott ist immer da. Wir werden nicht alle sterben. Wir brauchen uns keine Sorgen machen.

Fürbitte von Sr. Johanna:
Für alle, die mit dem Corona Virus bereits angesteckt sind, speziell auch für alle unsere Freunde in den Missionsländern in Afrika, dass sie die Kraft finden im Eucharistischen Herrn und den Glauben und die Hoffnung in dieser schweren Zeit nicht verlieren.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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