Gesundheit
Psychische Erkrankungen: So kann man sie früh erkennen
- Drei Betroffene im Dialog mit Dr. Christian Korbel, Ärztlicher Direktor am Landesklinikum Mauer.
- Foto: Landesklinikum Mauer/Karin Golicza
- hochgeladen von Patricia Harant-Schagerl
Laut einer Prognose der Weltgesundheitsorganisation WHO werden psychische Erkrankungen bis zum Jahr 2030 die Liste der Krankheiten mit der größten Krankheitslast – also mit den größten Auswirkungen auf die Gesellschaft – in den Industrieländern anführen. Die wirtschaftlichen Folgen werden z. B. jene von Krebs oder Diabetes übertreffen. Mit dieser Feststellung eröffnete Dr. Christian Korbel, Primar am Landesklinikum Mauer, die Veranstaltung „Mentale Gesundheit als Herausforderung für die Gesellschaft“ am 7. Oktober im Festsaal des Landesklinikums.
Besonders in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen führen Angststörungen und Depressionen schon jetzt die Liste an, aber in allen Alterskategorien zählen psychische Erkrankungen zu den Top-Ursachen der Krankheitslast. 730.000 Menschen sind in Österreich von Depression betroffen.
Früherkennung: Die Symptome sind leichter.
Wie wichtig die Früherkennung psychischer Erkrankungen ist, betonte die Leiterin der Abteilung für Sozialpsychiatrie an der Universität Wien, Prof. Nilufar Mossaheb. So würden vom ersten Auftreten psychotischer Symptome bis zur adäquaten Therapie im globalen Schnitt 43 Wochen vergehen. Könne man diesen Zeitraum verkürzen, dann seien die Symtome der Psychose leichter, die kognitiven Fähigkeiten, das soziale Funktionieren und der allgemeine Krankheitsverlauf erwiesenermaßen besser. Die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Remission sei zudem höher. Eine Psychose ist eine Erkrankung des Gehirns, die mit einer Veränderungen der Realitätswahrnehmung, der Sinneswahrnehmung, des Denkens und des Fühlens einhergeht.
Manche Beschwerden können nur durch gezieltes Fragen erfasst werden.
Das Entstehen einer psychischen Erkrankung lässt sich meist nicht an einem einzelnen Symptom erkennen, sondern an einem Muster von Verhaltensänderungen wie Niedergeschlagenheit, Rückzug, Leistungsabfall, Unruhe, Konzentrationsproblemen oder Schlafstörungen über Wochen bzw. Monate hinweg. So hat selbstverständlich nicht jede Schlafstörung eine psychische Erkrankung zur Folge.
Mögliche Beschwerden, die typisch für die Entwicklung einer Psychose sind – wie z. B. bizzare Denkinhalte, den eigenen Namen rufen hören, Schatten sehen, Muster am Asphalt, veränderte Geräusch-Wahrnehmung –, können häufig nur durch gezieltes Fragen erfasst werden. Deswegen sei es äußerst wichtig, dass alle im Gesundheitssystem Tätigen sowie auch pädagogisches Personal auf diese Thematik hin geschult seien, die standardisierten Symptome (Clinical High Risk-Kriterien) kennen und aktiv Fragen stellen, so die Fachärztin für Psychiatrie. Viele Betroffene könnten die Veränderungen in ihrem Denken und ihrer Wahrnehmung nur schwer artikulieren, wenn nicht danach gefragt werde.
Es gebe verschiedene Methoden, mit denen man früh eingreifen könne, so Mossaheb. Psychotherapie habe erwiesenermaßen in vielen Fällen den Ausbruch einer Psychose verhindern können. Bei einer frühen Intervention komme es außerdem zu einer besseren, vertrauensvolleren Anbindung an eine psychiatrische Einrichtung, die stationären Aufenthalte seien in der Folge weniger und kürzer. Eine Früherkennungsambulanz gibt es am Wiener AKH sowohl in der Abteilung für Sozialpsychiatrie als auch jener für Kinder- und Jugendpsychiatrie. PH
Interessante Vorträge rund um die mentale Gesundheit finden Sie als Videos in der Mediathek des Landesklinikums Mauer: www.mauer.lknoe.at. Über „Klima und Psyche“ sprachen z. B. Metereologe Markus Wadsak und Primar Christian Korbel.
Autor:Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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