Lateranbasilika
„Mutter und Haupt aller Kirchen“

Fassade der Lateranbasilika von Alessandro Galilei (1691 - 1737).
  • Fassade der Lateranbasilika von Alessandro Galilei (1691 - 1737).
  • Foto: Giulio Di Gregorio - stock.adobe.com
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Am 9. November feiert die Kirche mit einem Hochfest den Weihetag der Lateranbasilika in Rom. Weshalb diese Ehre für ein Gotteshaus, das obendrein den Ehrentitel „Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises“ trägt?

Die Anfänge der ranghöchsten Basilika Roms und der katholischen Kirche liegen im Dunkel der Geschichte. Nach einer Überlieferung bestand auf dem Grundstück an der Aure­lianischen Stadtmauer Roms bereits ein christliches Gebetshaus. Es soll Fausta, der Schwester des Kaisers Maxentius und Frau des Kaisers Konstantin, gehört haben und von ihr im Jahr 313 dem Bischof von Rom, Miltiades, für ein Bischofskonzil übergeben worden sein.

Die offizielle Version beruht auf der Rivalität der beiden Kaiser: Nachdem Konstantin am 28. Oktober 312 seinen Schwager Maxentius in der Schlacht an der Milvischen Brücke besiegt hatte, ließ er alles auslöschen, was an den missliebigen Vorgänger erinnerte. Dazu gehörten auch dessen Kasernen auf eben jenem Grundstück, und der den Christen gewogene neue Kaiser ließ dort zum Dank und „als Zeichen seiner Wertschätzung für seinen himmlischen Beschützer“ eine monumentale Basilika und ein dazugehöriges Baptisterium bauen, die sich zudem in unmittelbarer Nähe zu einer kaiserlichen Palastanlage mit dem Wohnsitz von Helena, der Mutter Konstantins, befanden.

Als einzige der drei von Kaiser Konstantin errichteten Basiliken befand sich die Lateranbasilika innerhalb der damaligen Stadtmauer Roms und diente somit als Kathedralkirche. Die Basiliken über den Gräbern der Apostel lagen ja außerhalb der antiken Stadt: die Petersbasilika jenseits des Tiber und – wie im Beinamen bis heute geblieben – Sankt Paul ‚vor den Mauern‘.

Der Name Lateran kommt übrigens von früheren Eigentümern der Liegenschaft. Der Senator Plautius Lateranus soll sich im Jahr 65 an einer Verschwörung gegen Kaiser Nero beteiligt haben, weshalb die Güter der Familie vom Staat konfisziert wurden.

Papst Silvester I. (314 - 335) weihte die Lateranbasilika ein. Sie war ursprünglich eine Erlöserkirche, erst später kamen Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist als Patrone hinzu – vereint im heutigen italienischen Namen „San Giovanni in Laterano“. Sie – und nicht etwa der Petersdom – ist bis heute die Bischofskirche des Papstes und trägt als solche den Ehrentitel „Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises“ (Omnium urbis et orbis ecclesiarum mater et caput), weswegen sie die ranghöchste Patriarchalbasilika ist.

Schon im fünften Jahrhundert wurde die Basilika während der Germaneneinfälle geplündert. Nach einem schweren Erdbeben im Jahr 896 und zwei Bränden im 14. Jahrhundert wurde sie stets wieder instandgesetzt. Traurige Berühmtheit erlangte die sogenannte Leichensynode im Jahr 897, als Papst Stephan VI. seinen Vorgänger Formosus exhumieren und posthum für seine Vergehen verurteilen ließ.

Von 1123 bis 1517 fanden im Lateran die fünf Laterankonzile statt. Doch schon ab 1309 sank die realkirchliche Bedeutung des Laterans, als die Päpste ins Exil nach Avignon gingen und danach im Vatikan residierten. Nur die Papstkrönung fand bis ins 19. Jahrhundert im Lateran statt. Nachdem sich die Päpste seit dem Untergang des Kirchenstaates 1870 fast sechs Jahrzehnte lang als Gefangene im Vatikan“ betrachtet hatten, klärten die Lateranverträge vom 11. Februar 1929 die „Römische Frage“ mit der völkerrechtlichen Souveränität des Vatikanstaates.

Die eigentliche Lateranbasilika wurde baulich mehrfach verändert, dennoch ist sie reich an kunsthistorischen Besonderheiten und birgt zahlreiche Papstgrabmäler. Auffällig ist das gotische „Ziborium“ über dem zentralen Vierungsaltar. Zum theologischen Konzept gehören auch die Figuren der Apostel ohne Judas, aber mit Paulus. Der Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert mit den teilweise gedrehten und reich verzierten, grazil wirkenden Doppelsäulen ist ein Paradebeispiel des sogenannten Kosmatenstils. Er gilt als einer der schönsten Kreuzgänge Roms.

Zu den ältesten erhaltenen Bauten im Lateran gehört die nördlich der Basilika gelegene Taufkirche. Dieses um 315 von Konstantin errichtete Baptisterium ist vermutlich das älteste seiner Art überhaupt. Vom einstigen Papstpalast ist nur die Kapelle, die „Sancta Sanctorum“ mit der „Scala Santa“, der Heiligen Treppe, erhalten – letztere ein Muss für alle Rompilger.

Autor:

Leopold Schlager aus Niederösterreich | Kirche bunt

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