Taufe des Herrn
Ostern in der Weihnachtszeit
- Joachim Patinir: Taufe Jesu Christ. Zu sehen im Kunsthistorischem Museum Wien.
- Foto: KHM / Wikimedia Commons
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Es gibt wenige Ereignisse im Leben Jesu, über deren historische Korrektheit sich auch die kritischsten Bibelforscher so sicher sind wie die Taufe Jesu. Diese Korrektheit führen sie neben dem Fakt, dass in allen vier Evangelien von der Begegnheit erzählt wird, vor allem darauf zurück, dass jede Art von „Geschichtsfälschung“ alleine schon deswegen unwahrscheinlich ist, da die Taufe Jesu durch Johannes nicht ins „Programm“ passt: Der sündenfreie, Gott-Mensch Jesus Christus nimmt an einer Buß-Taufe im Jordan teil? Das und die Tatsache, dass sich in der Taufe durch den Wüstenpropheten Johannes auch eine Unterordnung unter ihn vollzieht, erscheint irgendwie paradox. Aus dieser Paradoxie zeigt sich für kritische Exegeten: An der Geschichte muss was dran sein, denn wenn sie nicht zweifelsfrei wahr wäre, hätte man sie nicht erfunden und auf diese Art ein Paradoxon in die Evangelien eingefügt.
Dieses Paradoxon fügt sich aber ein in die gesamte Heilsgeschichte, die mit dem größten Paradoxon der Welt aufwarten kann: Gott stirbt. Nimmt man also die Taufe am Hordan in seinem größeren heilsgeschichtlichen Kontext, zeigt sich , welchen Sinngehalt die Taufe Jesu im Jordan trägt.
Die Stelle, an der die Taufe Jesu stattgefunden haben soll, liegt circa 380 Meter unter dem Meeresspiegel und gehört so zu den tiefsten Punkten an Land. Das tote Meer, in das der Jordan mündet, ist mit 430 Metern unter dem Meeresspiegel der tiefste Punkt der Erde an Land. Der Messias, der an Weihanchten aus der Höhe des Himmels in die Niederungen menschlichen Lebens herabgestiegen ist, lässt sich am Beginn seines Heilswirkens in die Tiefe des Wassers drücken. Hier vollzieht sich bereits symbolhaft, was drei Jahre später beim Tod Jesu passiert. Der Kirchenvater Cyrill von Jerusalem sagt das so: „Das Hinabsteigen Jesu in dieses flüssige Grab [des Jordan], in dieses Inferno, das ihn ganz umschließt, ist so Vorvollzug des Abstiegs in die Unterwelt.“
Jesus greift den Ruf des
Johannes zur Umkehr
auf und trägt ihn weiter.
Dass es sich dann auch noch um die johanneische Bußtaufe handelt, verdeutlicht diesen Zusammenhang nochmal ganz klar: Was Johannes in der Taufe bezwecken wollte, war eine einmalige und radikale Abkehr des Täuflings vom Bösen und Hinwendung zu Gott. Seine Taufe überschreitet somit ganz deutlich die Bußpraktiken des Volkes Israel, die immer nur auf Zeitlichkeit angelegt waren. Johannes verkündet das Kommen des Messias, für den der Mensch eben radikal und umfassend vorbereitet sein muss – und zwar jeder für sich. Es reicht nicht aus, dass der Hohepriester im Tempel zu Jerusalem das Bußritual für das ganze Volk vollzieht, es reicht nicht aus, einfach Teil des erwählten Volkes zu sein, jeder einzelne Mensch ist aufgefordert, umzukehren: „Bringt Früchte hervor, die eure Umkehr zeigen, und fangt nicht an, bei euch zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater! Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken. Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.“ (Lk 3, 8-9).
Von der Krippe nach Jerusalem
Jesus greift den Ruf des Johannes zur Umkehr auf und trägt ihn weiter. Aber eben nicht, indem er selbst ein Täufer wird und Bekehrung predigt; er tut noch mehr. Er steigt selbst hinab in die Tiefen des Jordan, er macht sich selbst zum Subjekt der Umkehr, er geht selbst den Weg nach Golgotha, er stirbt selbst für das Heil jedes einzelnen.
In der Taufe Jesu wird deutlich, dass es beides braucht: Die persönliche und radikale Umkehr, das Leben nach dem Willen Gottes, aber eben auch seine Hilfe und Gnade: Die wurde uns in seinem Tod und seiner Auferstehung eröffnet und in der sakramentalen Taufe der Kirche wird sie jedem zuteil. So kurz nach Weihnachten eröffnet sich so die Perspektive von der Krippe über den Jordan nach Jerusalem: Zum Tod und zur Auferstehung. All das gehört zusammen.
Autor:Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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