Palmsonntag und Heilige Woche
Jesus - der ganz andere Messias
- Scipione Compagno (1624-1664): „Einzug Jesu in Jerusalem“.
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Am Palmsonntag gedenken wir des Einzugs Jesu in Jerusalem. Die Erwartungen eines aus der Fremdherrschaft rettenden Messias wurden enttäuscht, zumindest aber auf eine ganz andere Art und Weise erfüllt, wie sich es viele erwartet hatten.
Ich bin nicht der Messias!“ – „Ich sage, du bist es, Herr! Und ich muss es wissen, denn ich bin schon einigen gefolgt!“ Im legendären Film „Leben des Brian“ steht der titelgebende Held vor einer großen Volksmenge, die ihn als Messias preist. Doch Brian ist nicht der, für den sie ihn halten, ganz im Gegenteil; seine Mutter sagt sogar von ihm: „Er ist nicht der Messias, er ist nichts weiter als ein unartiger Bengel!“
Was von Monty Python parodiert und als Wankelmütigkeit des Volkes dargestellt wird, beschreibt eine Realität im Israel zur Zeit Jesu: Das Volk wartete sehnlich auf einen Messias – und es gab viele, die von sich sagten, dieser Messias zu sein.
Das Wort Messias verbinden wir heute vor allem mit Jesus Christus und dann in einem weiter gefassten Sinn mit einem Heilsbringer, also einem, der in einer scheinbar ausweglosen Situation die rettende Erlösung bringt. Die Erwartung eines solchen Messias zieht sich durch verschiedenste Religionen. So erscheint beispielsweise im Hinduismus der Gott Vischnu als eine Erscheinungsform „Kalki“, der mit einem brennenden Schwert in der Hand und auf einem weißen Pferd die Gerechten retten und die Bösen vernichten wird.
Politische Konnotation
Das Wort Messias hat besonders heute eine politische Konnotation. Vielversprechende Jungpolitiker werden, nicht zuletzt in Österreich, gerne messiasähnlich gefeiert: Endlich ist da einer, der richtig aufräumt!
Die Verbindung von der Erwartung eines endzeitlichen und eines politischen Messias findet sich im Judentum. Dessen Königtum, das seinen Höhe- und immerwährenden Referenzpunkt in König David gefunden hat, ist von Beginn an theologisch aufgeladen. Der König ist der „Gesalbte Gottes“ – dafür steht wörtlich auch „Messias“. Dabei ist Salbung vor allem in einem übertragenen Sinn zu verstehen: Sie zeigt die göttliche Legitimierung des Erwählten an. Der König handelt also im Auftrag Gottes: Er wahrt die innere Ordnung des Volkes, stellt Wohlfahrt und Gerechtigkeit sicher und bewahrt das Volk vor Feinden.
„In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen.“
Jer 23,6
Nach der Eroberung Jerusalems durch die Neubabylonier und dem Zusammenbruch des israelitischen Reiches im Jahr 587/586 v. Chr. veränderten sich die Messiasvorstellungen. Das Bild des rettenden Erlösers, der Israel aus dem Exil und der Fremdherrschaft befreit, wird in die Zukunft verlagert und apokalyptisch aufgeladen. So schreibt der Prophet Jeremia: „Siehe, Tage kommen – Spruch des HERRN –, da werde ich für David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln und Recht und Gerechtigkeit üben im Land. In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen“ (Jer 23,5-6).
Israel konnte unter dem Perserkönig Kyros II. aus dem Exil nach Jerusalem zurückkehren, den Tempel wiederaufbauen und erhielt sogar eine begrenzte lokale Autonomie im Gefüge des Perserreiches. Der Prophet Jesaja bezeichnet Kyros daraufhin sogar als Messias (Jes 45,1), obwohl dieser gar nicht jüdischen Glaubens ist.
In den Jahrhunderten ab dem 4. Jh. v. Chr., in der sehr wechselhaften Geschichte Israels, vervielfältigen sich die Messias-Vorstellungen. „Messias“ wird zum Platzhalter der unterschiedlichsten Erwartungen und Hoffnungen – endzeitlicher Prophet, kosmischer Richter, davidischer König, engelsgleicher Rechtsprecher und Reiniger des Volkes von hellenistischer Vermischung.
Zur Zeit der römischen Fremdherrschaft ab der Eroberung Jerusalems durch Pompeius, 63 vor Christus, ist somit ein sehr buntes Bild an Messiasvorstellungen gegeben; besonders dominant ist aber die Vorstellung, ein kommender Messias werde Israel von der römischen Besatzung befreien. Teile des alten jüdischen Reiches wurden unter direkte Verwaltung von römischen Provinzbeamten gestellt, andere Teile von den Römern verpflichteten jüdischen Marionettenherrschern regiert. Die Volkszählung des Quirinius verstärkte in dem ohnehin instabilen und unter Steuerlasten leidenden Israel die Antipathie gegen Rom und Aufstandsbewegungen wie die des Judas des Galliläers schossen aus dem Boden.
In der israelitischen Bevölkerung wird der Ruf nach einem Messias immer stärker – doch die Vorstellungen blieben uneinheitlich. Gemeinsam war ihnen die Empfindung, Israel müsse durch einen kommenden Messias aus der Knechtschaft befreit und in Recht und Ordnung überführt werden. Und viele fühlten sich berufen: Der bereits genannte Judas der Galliläer, Simon von Peräa, Athrogenes und andere wurden von ihren Anhängern als Messiasse gefeiert.
Auch Johannes der Täufer galt seinen Jüngern als Kandidat auf den Messiastitel, der verwies aber auf einen anderen: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war“ (Joh 1,29b-30). Johannes spricht von Jesus: Der sei der Messias, griechisch „Christus“, der von Gott gesandt wurde, um die Sünde der Welt hinwegzunehmen.
Die Ankündigung des Messias durch einen, der sich selbst als großer Prophet hervorgetan hat, fällt im Volk auf fruchtbaren Boden. Reichlich Nahrung erhält die Messiasdeutung Jesu durch die machtvollen Taten, die er vollbringt: Heilungen, die Austreibung von Dämonen, ja sogar die Auferweckung von Toten scheinen zu beweisen: Hier handelt es sich um den von Gott Gesalbten!
„Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.“
Joh 18,36
Damit verbanden sich natürlich auch die politischen Erwartungen, die sich im Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag entluden: „Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! Als er in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt“ (Mt 21,9-10). Auf einem Esel, dem Reittier eines Friedenskönigs, sitzend, zieht Jesus in einem Triumphzug in die königliche Stadt ein. Jesus zeigt sich als der Messias – und es ist schwer, das Ganze nicht als politische Tat zu betrachten.
Doch dann kommt die Enttäuschung: Jesus wird gefangengenommen und Pontius Pilatus, dem römischen Statthalter, vorgeführt. „Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er antwortete ihm: Du sagst es“ (Mk 15,2). Ein doppelter Affront! Die römischen Machthaber konnten einen weiteren Aufständischen nicht dulden, die jüdischen Eliten sahen ihre eigene Macht gefährdet. Doch Jesus präzisiert: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36).
Das traurige Ende der mit Jesus verknüpften Messiaserwartung findet auf Golgotha statt, wo Jesus stirbt, verlassen von seinen Jüngern, wie ein Verbrecher.
Wäre das das Ende der Geschichte, würde sich Jesus von Nazaret einreihen in die Folge missglückter politischer Messias-Kandidaten frühjüdischer Zeit. Aber wie wir wissen: Am dritten Tag nach seinem Tod sprengt der Messias die Ketten des Todes, zerschmettert den Stein vor seinem Grab. Er ist nicht gekommen, um das Königtum Israel wieder aufzurichten – sein Königtum ist eben nicht von dieser Welt. Er kommt, um die Sünde der Welt hinwegzunehmen, sagt uns Johannes. Das kann kein weltlicher König, das kann nur Gott selbst, indem er stellvertretend für alle die Strafe für die Sünde – den irdischen Tod – auf sich genommen hat, um somit auch alle in die Auferstehung mit hineinzunehmen. „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1. Kor 15,55), fragt Paulus: Durch Christus wurde er vernichtet, durch den Messias wurde die Fremdherrschaft des Todes beendet und das Königtum Gottes errichtet.
Die Heilige Woche
Palmsonntag: Feier des Einzugs Christi in Jerusalem
Am Palmsonntag gedenkt die Kirche mit Palmprozession und einem feierlichen Hochamt des Einzugs Jesu in Jerusalem. In der Messe wird die Passion gelesen.
Montag bis Mittwoch: Stille Tage
In den Messfeiern und dem Stundengebet wird in den Texten ein besonderer Fokus auf das Leiden Christi gelegt. Bereits am Mittwoch zelebriert in vielen Diözesen der Bischof mit den Priestern der Diözese die Chrisammesse, in der die Heiligen Öle (Katechumenen-, Krankenöl und Chrisam) geweiht werden.
Gründonnerstag: Die Feier vom Letzten Abendmahl
Am Gründonnerstag erinnert die Kirche an das Pessachmahl, das Christus im Kreis seiner Jünger gefeiert hat. Da dieser Tag die Einsetzung der Eucharistie darstellt, wird die Kommunion unter beiderlei Gestalten gespendet. Es wird außerdem vielerorts die Fußwaschung an Gläubigen vorgenommen.
Karfreitag: Die Feier vom Leiden und Sterben Jesu
Der Karfreitag ist der Tag, an dem Jesus am Kreuz gestorben ist. Die Liturgie hat einen ganz eigenen Charakter: Es wird keine Eucharistie gefeiert, die Passion wird gelesen und das Kreuz verehrt. In den „Großen Fürbitten“ wird auf besondere Weise für die Anliegen der Kirche gebetet.
Karsamstag: Tag der Grabesruhe
Er ist ein stiller Tag: Lediglich das Stundengebet wird gebetet, nach Möglichkeit mit der Gemeinde.
Ostersonntag: Auferstehung
Mit der Feier der Osternacht, egal ob am Abend oder in der Früh, beginnt die Osterzeit. Lichtfeier mit Osterfeuer, Wortgottesdienst, Wasserweihe mit Tauferneuerung, Eucharistiefeier – alles ist von einer besonderen Feierlichkeit geprägt. Am Sonntag selbst wird ein feierliches Hochamt gefeiert.
Autor:Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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