Barnabas und Paulus
Der Sieg der Liebe

Jacob Jordaens (1593–1678): „Die heiligen Paulus und Barnabas in Lystra“. Zu sehen in der Eremitage in St. Petersburg.  | Foto: Hermitage Museum / Wikimedia Commons
  • Jacob Jordaens (1593–1678): „Die heiligen Paulus und Barnabas in Lystra“. Zu sehen in der Eremitage in St. Petersburg.
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Das Christentum veränderte die Welt: Frühchristliche Missionare wie Paulus und Barnabas (Gedenktag 11. Juni) trugen die Flamme des Christentums in die Welt hinaus.

In Lystra, einer Stadt in der heutigen Türkei, wurden die Apostel Paulus und Barnabas für Zeus und Hermes gehalten. „Diese Männer sind Götter in Menschengestalt“ (Apg 14,11) sollen die Bürger gerufen haben, als Paulus einen Lahmen heilte. Das Volk geriet in eine solche Ekstase, dass die Priester des örtlichen Zeustempels Ochsen und Blumenkränze herbeischafften, um den Aposteln Opfer darzubringen. Barnabas und Paulus bestürzte das so sehr, dass sie sich die Kleider zerrissen und dem Volk zuriefen: „Wir sind nur Menschen wie ihr! Wir sind gekommen, um euch die Botschaft zu bringen, dass ihr euch von solch wertlosen Göttern zu dem lebendigen Gott bekehren sollt, der Himmel und Erde, das Meer und alles, was darin lebt, erschaffen hat.“ (Apg 14,15)

Die Episode in Lystra ist ein beliebtes Motiv der Malerei gewesen. Das mag vor allem daran gelegen haben, dass in dieser Erzählung etwas sehr Relevantes deutlich wird: Die Macht der alten Götterkulte ist gebrochen – mit dem Christentum ist etwas Neues in die Welt gekommen; etwas Mächtiges, das aber nicht in Göttergestalt, sondern in Menschengestalt, durch Menschen handelt. Auf dem Gemälde von Jacob Jordaens zum Beispiel ist in der Mitte ein Mann zu sehen, der den zu opfernden Ochsen führt. Er trägt einen Lorbeerkranz, ein antikes Symbol des Sieges: Einen Lorbeerkranz trugen die antiken Feldherren, Julius Caesar wird mit einem solchen dargestellt. Der Mann mit dem „Laureus“ geht von den Priestern der alten Götter weg, hin zu den zwei Aposteln. Wir sehen sein Gesicht nicht, wir sehen nur, wie er sich den zwei Männern zuwendet, die gerade ein Wunder vollbracht haben. Das Gemälde sagt dem Betrachter: Die alten Kulte sind überwunden, das Christentum hat gesiegt!

Die Macht der alten Götterkulte ist gebrochen – mit dem Christentum ist etwas Neues in die Welt gekommen.

Das darf kein Anlass zu Triumphalismus sein, denn der Sieg des Christlichen ist immer ein Sieg, der erst in Schwachheit errungen wird. Christus musste sterben, um auferstehen zu können, die Apostel Paulus und Barnabas zeigten Gottes Macht in der Heilung eines Kranken. Der Sieg des Christentums, der in Jordaens Bild dargestellt wird, ist ein Sieg der liebenden Zuwendung Gottes zu den Schwächsten. Eine solche Liebe überbietet jeden Opferkult, jeden Versuch, Götter durch Opfer gütig zu stimmen.

Bewirkt wurde das Wunder von zweien, die wir zwar Apostel nennen, die aber im engsten Sinn des Wortes gar keine waren: Sie gehörten nicht zum Zwölferkreis, den Jesus selbst berufen hatte. Barnabas und Paulus waren aber dennoch absolut zentrale Gestalten in der Geschichte des Urchristentums. Paulus sowieso, seine Briefe gehören zum unveräußerlichen Bestand der Heiligen Schrift und des Glaubens. Barnabas, der Paulus dem Zwölferkreis vorgestellt haben soll, ist ihm gegenüber weniger bekannt. Viele Historiker messen ihm aber eine ähnlich hohe Bedeutung in der frühchristlichen Missionierung zu. Nicht immer waren die zwei aber ein Herz und eine Seele. Laut Apostelgeschichte gerieten sie über die Frage, ob sie den Vetter des Barnabas, Johannes Markus, auf Missionsreise mitnehmen sollten, in einen scharfen Konflikt, den sie offenbar zu heilen nicht im Stande waren.

Universeller Auftrag

Diese zwei Pioniere frühchristlicher Heidenmission stehen nicht nur in den Wundern, die sie im Namen Jesu vollbracht haben, für den Sieg des Christentums. Ihr ganzes Leben schreibt sich ein in die Geschichte der Transformation, die die Welt und die Menschen durch das Christentum erfahren haben. Paulus wandte sich radikal von seinem Leben als Christenverfolger ab, Barnabas verkaufte sein gesamtes Hab und Gut, um die Urgemeinde unterstützen zu können.

Dass der Aposteltitel sich nicht nur auf die direkt von Christus berufenen Zwölf beschränkt, sondern darüber hinaus ausgedehnt wird, unter anderem auf die in der Nachfolge und Tradition der Apostel handelnden Paulus und Barnabas, zeigt auch, dass der Auftrag Christi, zu taufen, Sünden zu vergeben, zu heilen usw. nicht auf einen kleinen, elitären Kreis beschränkt ist, sondern der ganzen Kirche zukommt. Diesen Auftrag nimmt sie bis heute wahr, in den Bischöfen und Priestern, in den Orden und Laien, die in unterschiedlicher Weise und mit unterschiedlichen Aufgaben betraut die Werke der Apostel fortführen.

Der gemeinsame Nenner der unterschiedlichen Arten, in denen die Kirche handelt und wirkt, ist Christus – selbst wenn die verschiedenen Stände der Kirche manchmal uneins sein mögen. Das wussten Paulus und Barnabas, die trotz ihres Konflikts dem Auftrag treu blieben, sich zum Werkzeug in Gottes Kirche zu machen, sich einzureihen in den Siegeszug Christi, der ein Siegeszug der Liebe ist.

Autor:

Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt

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