Weltseniorentag am 1. Oktober
Altern mit Freude
- Es gibt einen einzigen Jungbrunnen, sagt Elisabeth Lukas, und der heißt Bewegung: geistige, psychische und körperliche Bewegung.
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Meine Familie behandelt mich nicht so, wie ich es gerne hätte; der Körper streikt hie und da; die finanziellen und andere Ressourcen schrumpfen; der Aktionsradius verengt sich – Altwerden ist nichts für Feiglinge, sagt man. In ihrem Buch „Trotzdem Ja zum Altsein sagen“ erzählen Elisabeth Lukas, Schülerin Vikor Frankls, und Elisabeth Gur, Validations-Expertin, von Menschen, die ihr Altwerden mit Lebensfreude gestalten.
Allen voran nennen sie den Psychiater Vikor Frankl, den Begründer der Logotherapie, der trotz seiner traumatischen Erfahrungen während seiner KZ-Haft nach der Befreiung einen Sinn in seinem Leben suchte und fand: „Mir ist nach all den Folterungen ein zweites Leben geschenkt worden. Fortan will ich mich dieses zweiten Lebens würdig erweisen ...“
Mich des Lebens würdig erweisen
Um sich auch der Lebensphase Alter würdig zu erweisen, sollte man sich bewusst machen, dass es immer und in jeder Situation Wahlmöglichkeiten gibt und dass es darum geht, gegenwärtig vorhandene Optionen auszuschöpfen. Auch wenn man an seinem Schicksal nichts mehr ändern kann, kann man immer noch die innere Einstellung zu diesem unabänderlichen Schicksal ändern, hat Frankl gelehrt: Vorbild-Sein, würdevolles So-Sein, liebevolles Da-Sein – selbst im Angesicht des Todes könne man noch etwas Sinnvolles tun. „Der Aufbruch zu einem guten Ziel ist niemandem verwehrt, gleichgültig, wie alt er sein mag, und gleichgültig, wie kurz die vor ihm liegende Wegstrecke noch sein mag“, ist die pensionierte Logotherapeutin Elisabeth Lukas überzeugt.
Elisabeth Gur erzählt von einer pensionierten Lehrerin, die unter Einsamkeit und Depressionen litt. Als sie begann, einem türkischen Buben beim Lernen zu helfen, erlebte sie wieder Sinn in ihrem Leben und knüpfte neue Kontakte. Der Bub, liebevoll umsorgt, strengte sich an und erreichte nach mehreren Monaten das Klassenniveau. „Bald war die Frau reichlich beschäftigt – und mit ihrem Dasein zufrieden“, so Gur.
„Jeder von uns ist wichtig und unersetzlich an seinem Platz“, betont Elisabeth Lukas. Man brauche nicht zu wissen, wann und wo die eigenen Taten Früchte tragen werden, sondern man könne vertrauen, dass kein sinnvolles Engagement vergebens sei. „Wir brauchen keine Rückmeldung, kein Lob und keinen Dank dafür. Es genügt, das Seine getan zu haben“, so Lukas.
Ehrenamtlich in Pflegeheimen tätig, beobachtet Elisabeth Gur eine Reihe von Sinn-Möglichkeiten, die auf behinderte Patientinnen und Patienten warten: ein nettes, ehrliches Danke dem Pflegepersonal sagen; jemandem Darniederliegenden die Hand halten und ein paar aufmunternde Worte schenken; sich neugierig auf etwas Neues einlassen; nicht wehmütig über vergangenes Schönes trauern, sondern froh sein, es erlebt zu haben.
Umso mehr Möglichkeiten hat, wer sich noch bewegen kann. Elisabeth Lukas begann im Rentenalter mit dem Klavierunterricht und übt seitdem fleißig. Der berühmte Philosoph Immanuel Kant verfasste noch im Alter von 73 Jahren seine berühmte „Metaphysik der Sitten“. Guiseppe Verdi komponierte mit über 80 Jahren unvergängliche Opern. „Es gibt einen einzigen Jungbrunnen“, sagt Elisabeth Lukas, „und sein Name ist Bewegung!“ Geistige, psychische und körperliche Bewegung sei das Rezept jener, die entschieden „trotzdem Ja zu ihrem Altsein sagen“.
Segen für ältere Menschen
Diese Pfarren veranstalten spezielle Segensfeiern, um das Alter zu würdigen sowie Frauen und Männern Gottes Hilfe, Trost und Ermunterung für ihr Älterwerden zuzusprechen.
Ybbs: 1. 10., 8.30 Uhr, Pfarrkirche
Neuhofen/Ybbs: 1. 10., 14.30 Uhr, Filialkirche St. Veit
Markersdorf: 5. 10., 9.15 Uhr, Pfarrkirche
Langau: 12. 10., 13.30 Uhr, Pfarrkirche
Autor:Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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