Tag des Judentums
Heilige Schrift von Juden und Christen

Texte aus dem Alten Testament einmal in Form von Schriftrollen, wie sie auch heute noch für die Tora-Lesung verwendet werden, und einmal in Buchform.
  • Texte aus dem Alten Testament einmal in Form von Schriftrollen, wie sie auch heute noch für die Tora-Lesung verwendet werden, und einmal in Buchform.
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Juden und Christen teilen eine gemeinsame Glaubensgrundlage: die Heilige Schrift des Alten Bundes. Zum „Tag des Judentums“ am 17. Jänner ein Blick in die Hebräische Bibel, die sich in Details von der christlichen Bibel unterscheidet.

Wenn Jesus in seinen Auseinandersetzungen mit Schriftgelehrten auf die Probe gestellt wird, stellt er gern die Gegenfrage, was die „Schrift“ sagt oder was bei „Mose und den Propheten“ geschrieben steht. Jesus bezieht sich damit auf die Heilige Schrift des Judentums, die in wesentlichen Teilen mit dem Alten oder Ersten Testament der Christen identisch ist.

Als Offenbarung Gottes spielt die Bibel eine wichtige Rolle
im jüdischen Gottesdienst.

Die Festlegung des Kanons der Hebräischen Bibel war jedoch zur Zeit Jesu noch nicht abgeschlossen. Erst um das Jahr 100 n. Chr. einigten sich Vertreter des Judentums auf der Synode von Jawne über den Umfang ihrer heiligen Schriften. Die Bücher des Mose und die Propheten standen längst außer Streit, nun kamen die fünf „Festrollen“ (Hoheslied, Rut, Klagelieder, Prediger, Ester) fest hinzu, außerdem Daniel, Esra, Nehemia und die beiden Chronikbücher. Keine Aufnahme fanden Schriften, die damals nur in griechischer Sprache in der sogenannten Septuaginta bekannt waren, insbesondere Jesus Sirach, die Makkabäerbücher und einige der „Weisheitsbücher“.
Der lateinische christliche Kanon des Alten Testaments wurde überhaupt erst gegen Ende des 4. Jahrhunderts abgeschlossen und zählt 45 Schriften. Der orthodoxe Kanon unterscheidet sich nochmals vor allem durch Zählungsunterschiede (z. B. drei Makkabäerbücher). Außerdem gilt hier der „Brief des Jeremia“, sonst Teil des Prophetenbuches Baruch, als eigenes Buch. Während die katholische Tradition an der lateinischen Vulgata festgemacht werden kann, richteten sich die Reformatoren nach der hebräischen und griechischen Überlieferung. Da manche Bücher (Samuel, Könige, Makkabäer, Chronik, Esra/Nehemia) teilweise vereint oder in mehrere aufgegliedert sind, zählt das Alte Testament einmal 24 Bücher (jüdisch), einmal 39 (evangelisch), 46 (Konzil von Trient) oder gar 54 (Septuaginta).

Tora, Nevi'im und Ketuvim

Die Hebräische Bibel gliedert sich in drei Teile, nach deren Anfangsbuchstaben sie auch Tanach genannt wird: Tora (Weisung), Nevi’im (Propheten) und Ketuvim (Schriften) – TaNaCH. Der erste Abschnitt, die Tora, umfasst die fünf Bücher Mose. Sie stehen mit gutem Grund am Anfang der ganzen Bibel, da Mose als Retter des Volkes, als Prophet und Gesetzesgeber der Maßstab für alles Folgende ist. Inhalt der fünf Bücher des Mose ist die Schöpfung der Welt und des Menschen, dessen Vertreibung aus dem Paradies nach dem Sündenfall, die Rettung Weniger durch die Sintflut sowie die erneute Hybris des Menschen beim Turmbau zu Babel. Es folgen die Erzählungen über die Stammväter Abraham, Isaak und Jakob, die einen Bund mit Gott schlossen, auf den sich Juden bis heute berufen, und davon ausgehend die Geburt des zukünftigen Retters Mose, der das versklavte Volk Israel aus der Hand des Pharaos befreit und durch die Wüste in das gelobte Land führt. Die Weisung (Tora), die Mose während dieser Wüstenwanderung von Gott am Berg Sinai erhält, wird in den folgenden Büchern ausgeführt und bildet den Kern jüdischen Glaubens und Lebens.

Jüdische Liturgie

Als Offenbarung Gottes spielt die Bibel eine wichtige Rolle im jüdischen Gottesdienst. Die Abfolge der biblischen Bücher und die Liturgie sind eng miteinander verflochten. Zent­rum und Ausgangspunkt jüdischer Liturgie ist die Verlesung der Tora, die in 54 Abschnitte (Paraschot) eingeteilt ist. Am letzten Tag jeder Woche, dem Sabbat, wird im Gottesdienst fortlaufend je ein Wochenabschnitt vorgelesen. Dabei sowie an den Feiertagen wird dazu ein Abschnitt aus den prophetischen Büchern gelesen. Mose und die Propheten sind ein wesentlicher Bestandteil des jüdischen Gottesdienstes. Diese Leseordnung klingt durch, wenn Jesus in der Synagoge beim Sabbatgottesdienst eine Stelle aus dem Jesa­jabuch aufschlägt (Lk 4,16-20).

In der Hebräischen Bibel folgen auf die Mosebücher die Propheten. Zu diesen gehören auch die Geschichtsbücher (Josua, Richter, Samuel, Könige), da in dieser Zeit in Israel Propheten als Künder des Gotteswortes auftraten. Darauf folgen Jesaja, Jeremia, Ezechiel und das Zwölfprophetenbuch (auch „kleine Propheten“).
Der dritte Teil, die „Schriften“, umfasst die Psalmen, Ijob und das Buch der Sprichwörter. Hierher gehören auch die fünf Festrollen, die zu bestimmten Festen des jüdischen Kalenders gelesen werden. Den Abschluss bilden Esra (mit Nehemia) und die Chronikbücher.

Autor:

Leopold Schlager aus Niederösterreich | Kirche bunt

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