Typhus-Tod im KZ Dachau
Gedenken an Pfarrer Frasl

Pfarrer Richard Frasl

Richard Frasl hat bis auf sein erstes Kaplansjahr sein gesamtes Leben als Priester in der Waldviertler Pfarre Groß-Siegharts verbracht, von 1923 an bis zu seiner Verhaftung im Jänner 1943. („Kirche bunt“ hat 2018 sein Leben ausführlich vorgestellt.) Frasl war eine herausragende Persönlichkeit, auch wenn er in der Pfarre manchmal polarisierte. Doch die Leute haben ihn gemocht, wie die Erinnerungen zeigen, die sich über ihn in Groß-Siegharts erhalten haben, und wovon die Gedenktafel zeugt, die man im Oktober 1954 für ihn in der Kirche angebracht hat und die sich bis heute dort befindet.

Frasls Mithäftling Pfarrer Anton Burger hat bei deren feierlicher Enthüllung die Predigt gehalten, die in der „Kirchenzeitung für die Diözese St. Pölten“ vom 14. November 1954 knapp zusammengefasst dokumentiert wurde. Burger beschreibt treffend Frasls Persönlichkeit und seinen Einsatz für die Mithäftlinge: „Auch in den schwers­ten Zeiten in Dachau hatte er seine Schicksalsgefährten mit seinem unverwüstlichen Humor stets aufzurichten versucht, hatte er seine Pakete mit anderen geteilt und sich für die anderen geopfert, indem er sich freiwillig meldete zur Desinfektion der Wäsche und Kleider der am Fleckfieber verstorbenen Mithäftlinge. So wurde er noch selber ein Opfer der Seuche. In einem Massengrab fand er seine letzte Ruhestätte, indessen seine Pfarrgemeinde vergeblich auf die Rückkehr ihres verehrten Seelsorgers hoffte.“

Dass sich eine Reihe von Priestern ab Ende des Jahres 1944 freiwillig zur Pflege typhuskranker Mithäftlinge im Lager gemeldet hat, war grundsätzlich bekannt. Obwohl die Gruppe der KZ-Priester von Da­chau als sehr gut erforscht gilt, wurde aber gerade dieser Aspekt kaum beachtet und vor allem nicht systematisch bearbeitet. Daher kannte man nur ganz vereinzelt Namen. Wo man Namen kannte, wurden sie manchmal wie im Fall Frasl von der Diözesangeschichte – aus welchen Gründen auch immer – einfach ignoriert. Auch die Sprachbarriere verhinderte eine Zusammenschau. Die Interessensgruppe „Selige im KZ Dachau“ hat nun einen ersten Schritt getan, diese Forschungslücke zu schließen und ein Bewusstsein für das außerordentliche Engagement dieser Priester zu schaffen.

Die Karmelitin Sr. Stefanie Hayward durch­fors­tete nicht nur die deutsche, sondern auch die polnische KZ-Literatur. Unterstützt wurde sie von Martin Turban. Die beiden sind unter den knapp 1300 Geistlichen, die in den letzten Monaten der NS-Herrschaft in Dachau interniert waren, auf insgesamt 35 Priester gestoßen, die typhuskranke Häftlinge auf unterschiedliche Weise betreut haben: 26 Priester und Seminaris­ten kommen aus Polen, drei aus Deutschland, je zwei sind Österreicher und Tschechen und je einer stammt aus Belgien und Frankreich. In einem auf der Website „Selige im KZ Dachau“ veröffentlichen Beitrag wurde erstmals diese Liste mit den 35 Namen und Lebensdaten präsentiert. Einer der beiden dort angeführten Österreicher ist Richard Frasl. Sein 75. Todestag am 16. April ist Anlass für ein ehrendes Gedenken.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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