Bischof Fulton Sheen
Der Teleevangelist
- Bischof Fulton Sheen bei einer Predigt.
- Foto: Archive/CNS photo/KNA
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Am 24. September wurde der US-Amerikaner Fulton Sheen seliggesprochen. Der Bischof war nicht nur eine beliebte Fernsehpersönlichkeit, sondern vor allem ein echter Missionar.
Wie viele Menschen hast du zum Glauben bekehrt?“, soll Papst Pius XII. einmal Fulton Sheen im Rahmen einer Privataudienz gefragt haben. „Ich habe nie gezählt“, war die Antwort des amerikanischen Bischofs, „weil ich mich nicht in Versuchung führen lassen wollte, diese Bekehrungen als meinen Verdienst anzusehen.“ Wie viele Menschen durch die Worte und Predigten Sheens bekehrt wurden, ist unmöglich zu sagen. In einer in den gesamten USA ausgestrahlten Fernsehsendung sprach Sheen von 1952 bis 1968 jede Woche über den Glauben, die Kirche, moralische Verantwortung, das Leben Christi – und erreichte damit Hunderttausende: Die Redaktion der Fernsehsendung erhielt rund 8.500 Briefe pro Woche.
Es ist eine bis heute einzigartige Geschichte: Ein Bischof, der ohne Skript, dafür mit Pathos, Leidenschaft und ohne jede Scham einer schon damals immer säkularer werdenden Gesellschaft den Glauben der Kirche predigte: ein Missionar des 20. Jahrhunderts. Dieser Mann, den im Amerika der 50er- und 60er-Jahre jedes Kind kannte, wurde am 24. September in einem Sportstadion in Amerika seliggesprochen.
Peter John Sheen, der sich schon früh nach dem Mädchennamen seiner Mutter „Fulton“ nannte, wurde 1895 in Illinois geboren. Er trat als junger Mann in das Priesterseminar seiner Heimatdiözese Peoria ein und wurde mit 24 Jahren zum Priester geweiht. Er studierte anschließend in Leuven sowie Rom Theologie und Philosophie und unterrichtete diese Fächer anschließend in England und den USA. 1930 startete seine Radiosendung „The Catholic Hour“. Das Time-Magazine nannte ihn schon damals „Monsignore Fulton Sheen mit der goldenen Stimme“. 1950 endete diese erfolgreiche Sendung. Ein Jahr später wurde Sheen zum Weihbischof der Erzdiözese New York geweiht, 1966 zum Bischof von Rochester ernannt.
Das Time-Magazine nannte ihn „Monsignore Fulton Sheen mit der goldenen Stimme“.
Es war zu dieser Zeit, dass eine neue Macht Einzug in fast jedes amerikanische Wohnzimmer hielt: das Fernsehen. Wochentags gab es da vor allem zwei Shows, die man sich anschauen konnte. Einerseits war da das „Texaco Star Centre“, eine Varietésendung, die so beliebt war, dass durch sie ihr Moderator Milton Berle den Spitznamen „Mr. Television“ erhielt. Andererseits war da die Frank Sinatra Show – wer Frank Sinatra ist, muss man nicht erklären. Wenn diese zwei Sendungen liefen, sah die amerikanische Nation entweder die eine oder die andere, daneben konnte nichts existieren. Bis 1952 ein Bischof in Soutane und Ferraiolo (knöchellanger Umhang für nicht-liturgische, feierliche Anlässe) auftrat und von Christus zu erzählen begann. Man sagte damals, dass das Ende von Frank Sinatras Show mit dem Erfolg von Sheens Sendung „Life is Worth Living“ zusammenhing: Nur zwei Monate nach dem Beginn von Fulton Sheens Sendung wurde die letzte Folge von Sinatras Show ausgestrahlt.
Medienpräsenz und Mission
Als man Fulton Sheen im selben Jahr einen „Emmy“ verlieh – den Oscar des Fernsehens sozusagen –, sagte er in seinen Dankesworten: „Ich danke vor allen den Textern meiner Show: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes“ und machte deutlich, auf welchem Fundament sein Wirken ruhte – und was er auch später Pius XII. sagte: Echte Mission kommt von Christus und verweist auf ihn, egal wo sie stattfindet – Kanzel, Straße oder Fernsehen. Denn das war die Show für Sheen vor allem anderen, echte Mission, die in die Wohnzimmer der Amerikaner hineinreichte und so im alltäglichen Leben unzähliger Menschen eine Rolle spielte.
Dabei war ihm wichtig, Grenzen zwischen Klassen, Nationen und sogar Konfessionen zu überwinden. Er zitierte in seinen Sendungen und Predigten oftmals protestantische Theologen und zelebrierte aus Verehrung der östlichen Liturgie auch im byzantinischen Ritus. Er sprach mehrmals und in Opposition zur Mehrheitsmeinung gegen den Vietnamkrieg. Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil, an dem er als Bischof teilnahm, machte er den Auftrag der Kirche deutlich, dem verwundeten Christus in den Verwundeten dieser Welt zu begegnen: den Armen, Kranken und Leidenden. Die Verdienste aus seiner Fernsehsendung – circa 10 Millionen Dollar – spendete Sheen.
Auf die Frage, warum er Priester geworden sei, sagte er einmal: „Weil ich jeden Tag die Geschichte Christi erzählen will und ich mich jeden Tag bemühen will, dass meine Erzählung besser und glaubhafter wird.“ Der von den Medien seiner Zeit als „TeleEvangelist“ bezeichnete Fulton Sheen tat genau das: von Jesus Christus erzählen. Und ganz Amerika hörte zu.
Autor:Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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