Interview mit Bischof Josef Marketz
Glauben Sie an das Leben!

Ein Monat nach der Bischofsweihe kommt das Corona-Virus über das Land. Ein Gespräch über Ostern trotz Corona, was die Kirche lernen kann und was der Bischof den Kärntnerinnen und Kärntnern zu Ostern wünscht.

Diese Sonderausgabe des „Sonntag“ geht an jeden Haushalt. Sie gibt Impulse für ein Ostern in Zeiten des Corona-Virus. Wie kann, wie soll man jetzt Ostern feiern?
Bischof Marketz: Es ist mir ein persönliches Anliegen, dass dieses größte Fest der Christen alle Menschen mitfeiern können. Durch die derzeit geltenden Beschränkungen ist es leider nicht möglich, dass wir dies in den Kirchen in Gemeinschaft feiern. Ich möchte aber alle motivieren, über den Inhalt des Festes nachzudenken. Mit diesem „Sonntag“ geben wir auch eine Hilfestellung, diese Tage feiernd und betend zu begehen. Es sind Anregungen, die für jeden Menschen zugänglich sind. Ich wünsche allen Kärntnerinnen und Kärntnern, dass sie mit dieser Hilfe das Fest feiern können.

Wir befinden uns in einem einmaligen Ausnahmezustand. Was bedeuten Ostern und Auferstehung in dieser Situation?
Bischof Marketz: Die Ostertage beinhalten ja auch das Leiden und den Tod Jesu am Karfreitag. Das ist eine zutiefst menschliche Krise. Heuer nehmen wir das viel existenzieller wahr als in den vorherigen Jahren. Wir fragen uns alle, wie es weitergehen soll. Jesus hat aber in jedem Augenblick der Krise einen Lichtblick gefunden. Am Schluss hat sich dies mit der Auferstehung bewahrheitet, und nach der großen Finsternis gab es ein großes Licht. Es geht mir schon auch darum, dies zu vermitteln, darüber ins Gespräch zu kommen – auf welchen Wegen auch immer.

Es ist also kein globaler Karfreitag, sondern Sie sehen schon auch noch ein Licht am Ende?
Bischof Marketz: Ja, freilich. Das ist unser Glaube und unsere Hoffnung. Aber auch unsere Erfahrung, dass aus einer Dunkelheit immer wieder das Licht kommt. Es ist ja ganz wichtig, dass wir auch in die Zukunft blicken, dass sich trotz allem Perspektiven auftun. Das feiern wir im Grunde zu Ostern. Wir Menschen sind jetzt gefordert, diese existenzielle Dimension von Ostern zu entdecken. Das erleben wir eigentlich in jeder Messe – den Tod und die Auferstehung Jesu. Wir nehmen das am Sonntag mehr oder weniger zur Kenntnis. Aber dass das wirklich mit unserem Leben zu tun hat, erkennen wir erst in einer existenziell schwierigen Lage.

Welche Perspektiven eröffnet das für die Kirche der Zukunft?
Bischof Marketz: Wir fragen uns schon, welche Aufgaben in Zukunft Priestern und welche Laien zukommen. Wie wird das Zusammenspiel sein? Ich hoffe doch, dass uns die Erfahrungen aus dieser Krise helfen werden, eine zukunftsfähige Kirche zu entwickeln. Ich traue mich aber wirklich nicht, jetzt schon Lehren zu ziehen. Wir stecken noch mitten in der Krise und haben die Gegenwart gut zu verkraften. Da kann ich noch nicht sagen, wie eine neue Gestalt der Kirche ausschauen wird. Aber die Erfahrungen werden uns sehr helfen. Es kommen viele Fragen auf uns zu.

Welche Auswirkungen wird diese Pandemie auf die Gesellschaft haben?
Bischof Marketz: Wir werden jetzt angehalten, aufmerksam für andere Menschen zu sein. Das gilt etwa zwischen den Generationen, aber auch mit allen Mitmenschen. Wir merken jetzt auch, wie wichtig Menschen sind, die bisher wenig beachteten Berufen nachgehen. Ich denke da an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Lebensmittelgeschäften, über die man bisher kaum einmal als „Heldinnen und Helden“ gesprochen hat. Ganz zu schweigen von Pflegerinnen und Pflegern, deren Bedeutung jetzt so richtig klar wird. Da ist eine besondere Aufmerksamkeit gegeben, die sicher einiges verändern wird.

Was bereitet Ihnen Sorgen?
Bischof Marketz: Sorgen macht mir, dass wir viel Kondition brauchen werden, um die Armut zu bekämpfen, die sich auch nach Corona ausbreiten wird. Da brauchen wir Solidarität. Es wird darauf ankommen, dass wir uns alle auf das Wesentliche beschränken. Es führt zu einem veränderten Lebensstil. Wenn wir allerdings danach einfach wieder zur Tagesordnung übergehen, dann werden diese Menschen zurückbleiben. Dann geht die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auf. Das darf nicht sein.

Sie stehen für eine Kirche für Arme. In dieser Zeit eine besondere Herausforderung. Wie hilft die Kirche konkret?
Bischof Marketz: Die Kirche Österreichs wird der Caritas einen Fonds zur Verfügung stellen. Das ist ein Zeichen, dass die Kirche ihren Auftrag verstanden hat und gemeinsam mit vielen anderen auf die Armut hinschaut und etwas dagegen unternimmt. Das ist gerade vor Ostern ein wichtiges Zeichen. Es geht vor allem um die Hilfe für notleidende Menschen – jetzt, aber genauso in der Zeit danach. Das ist auch ein Signal an die Caritas als kirchliche Institution und deren gute Arbeit.

Gut ein Monat nach Ihrer Weihe stehen Sie vor ungeahnten Entscheidungen. Wie geht es Ihnen als Bischof?
Bischof Marketz: Ein bisschen Übung in Krisen habe ich ja schon. Als ich 2015 Caritasdirektor geworden bin, standen wir vor der Situation, plötzlich Tausende Geflüchtete betreuen zu müssen. Damals wie heute ist es so, dass man daraus auch viel lernt. Man lernt etwa Menschen in diesen Situationen neu kennen. Ich selbst habe derzeit sehr viel zu tun. Es stehen viele schwierige Entscheidungen an. Als Kirche müssen wir in dieser Situation viel Neues in kurzer Zeit lernen. Ich finde es etwa auch für die Zukunft wichtig, dass wir uns jetzt in den Sozialen Medien stärker bewegen. Wir konzentrieren uns aber schon auf das Wesentliche. Weil wir nicht viel machen können, bemühen wir uns um das, was jetzt wichtig ist. Das ist einmal spirituelle Hilfe und dann Nothilfe über die Caritas und die Pfarrcaritas.

Haben Sie noch ein tröstendes bzw. stärkendes Wort für die Menschen in Kärnten?
Bischof Marketz: Ich wünsche Ihnen, dass Sie all Ihren Glauben an die Liebe, an den liebenden Gott, nicht verlieren, sondern daraus Kraft schöpfen können. Dieser Glaube befähigt nämlich, auch anderen Licht zu sein und Licht zu bringen. Glauben Sie ans Leben! Ich wünsche Ihnen, dass Sie dort, wo Sie es brauchen, Solidarität erfahren. Dass Sie aber auch Trost und Nächstenliebe anderen spenden. Was ich dazu besonders wünsche: Glauben Sie an die Liebe! Sie ist die Basis dafür, dass es gut weitergeht.

Dieser „Sonntag“ geht an alle Kärntnerinnen und Kärntner. Haben Sie einen Ostergruß an die slowenische Volksgruppe?
Bischof Marketz: Vsem želim, da bi se pogumno soočili z realnostjo življenja in bi se med seboj o tem pogovarjali. Želim vam vero, da v bolečih in trpečih trenutkih najdete luč. Blagoslovljene velikonočne praznike!

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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