Nachruf auf Prof. Ingomar Mattitsch
Er begeisterte Generationen für die alte Musik
- Foto: Elisabeth Mattitsch
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Ingomar Mattitsch, der Kärntner Musiker, Mathematiker, Fotograf und Instrumentenbauer, ist nicht mehr unter uns. Ein Nachruf.
von Alois Gaggl/Katja Schöffmann
Lange bevor mit Nikolaus Harnoncourt die Begeisterung für alte Musik und das Interesse für den Originalklang dieser in Österreich erwachte, gab es in Kärnten den Aufbruch zur „Alten Musik“.
Vor beinahe 50 Jahren hat sich eine Gruppe junger Musiker:innen und Musikliebhaber:innen, darunter Ingomar Mattitsch (*1942) und Gerfried Leute, unter dem Namen Musica Claudiforensis zusammengeschlossen. Ziel war es, Instrumentalmusik vom Mittelalter bis zum Frühbarock aufzuführen. Hervorgegangen ist die Gruppe mit über 50 Musiker:innen aus dem Ensemble Hortus Musicus unter der Leitung von Mattitsch‘ Bruder Günther Mattitsch.
Beliebter Professor in Völkermarkt
Ingomar Mattitsch hatte Mathematik, Physik, Chemie und auch das Instrument Horn in Wien studiert. Er war von 1972 bis 2003 beliebter Mathematik-, Physik und Infor-matik-Professor und gegen Ende auch Administrator am Gymnasium Völkermarkt. Damit hat er Generationen von Schüler:innen durch ihre Schulzeit begleitet.
Noten über Noten
Ingomar Mattitsch war mit Peter Widensky befreundet, der beim 1. Carinthischen Sommer in Ossiach gleich fünf Orgelkonzerte gespielt hat. Dieser versorgte Mattitsch immer wieder mit Noten. Ingomar Mattitsch hat für Widensky Cembali gebaut und diese auch bei Konzerten betreut.
Ingomar Mattitsch hat selbst viele Instrumente gespielt: Pommer, Dulcian, Krummhorn, Schalmei, Renais-sance-Posaune, Renaissance-Trompete, Zink, Drehleier, Barock-Fagott. Das Instrumentarium von Musica Claudiforensis umfasste über 100 Instrumente. Diese hat Mattitsch in den Schulen Kärntens vorgestellt und vorgespielt – Im vergangenen Jahr noch beim Barockfest in Ossiach.
Instrumentenbauer und Fotograf
Mattitsch hat sich als Instrumentenbauer betätigt: Virginal, verschiedene Cembali, Drehleier und eine Harfe entstanden. Als Fotograf hat er Schlösser und vor allem Kirchen in Kärnten besucht und die auf Römersteinen und Fresken dargestellten Instrumente fotografiert und beschrieben. So entstand der Bildband „Harfe, Fidel und Sackpfeife“ (siehe Spalte links).
Die neun Engelhierarchien mit den dazugehörigen Instrumenten hat der Fotograf in den Fresken des Meisters Artula in der Kirche von Thörl-Maglern bewundert und in seinem Bildband festgehalten. Das „Silikonvalley“ der Instrumentalmusik, die Ideenwerkstatt, das Musik-Laboratorium der alten Musik von Kärnten, das war die Wohnung von Ingomar Mattitsch in der Bahnhofstraße in Klagenfurt. Als Mathematiker hat Mattitsch von den ganzzahligen Verhältnissen der Töne in den Intervallen zueinander gewusst. Als Musiker war er in der Nähe der Schöpfung und des Schöpfers der Ordnung dieser Töne. Die vielen musizierenden Chöre der Engel mögen ihn jetzt in den Himmel begleiten!
Autor:Sonntag Redaktion aus Kärnten | Sonntag |
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