12. Sonntag im Jahreskreis | 21. Juni 2026
Meditation
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Schafhaft
Jesus und die Jünger sind mit dem Boot unterwegs, endlich einmal weg vom Trubel. Nach Tagen voller Begegnungen suchen sie die Ruhe an einem abgelegenen Ort am See Genezareth. Doch die Volksmenge folgt ihnen zu Fuß. Die Menschen scheuen keinen Weg, um in Jesu Nähe zu sein. Und als er das sieht, erbarmt er sich: „Denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.“ (vgl. Markus 6, 34b)
Es ist tatsächlich etwas „schafhaft“, jemandem so weit zu folgen, spät am Tag und ohne Essen – aber Gott sei Dank ist Jesus ein guter Hirte. Schafe sind nicht für ihre Selbstständigkeit bekannt: Sie können sich nicht gegen natürliche Feinde wehren und retten sich nicht, wenn sie in eine Schlucht fallen. Doch sie kennen die Stimme ihres Hirten. Und Jesus kennt die Menschen, die ihm gefolgt sind. Die Jünger raten ihm am Ende dieses langen Tages, die Leute wegzuschicken, damit sie in den Dörfern ringsumher noch etwas zum Essen kaufen können. Ich denke, die Jünger haben nicht mit der Antwort Jesu gerechnet. Und vielleicht hat der eine oder andere laut geseufzt, als Jesus sagt: „Gebt ihr ihnen zu essen!“
Probier mal, abends in eine Bäckerei zu gehen und für 5000 Männer – Frauen und Kinder nicht einmal mit eingerechnet – Abendessen zu kaufen. Ich gebe dir wenig Chance, geschweige denn in irgendeinem Dorf vor 2000 Jahren. Die Bestandsaufnahme in der Menschenmenge ist nicht sehr ergiebig: fünf Brote und zwei Fische.
Doch fordert Jesus die Menschen auf, sich ins grüne Gras zu setzen. Und er nahm, dankte, brach das Brot und ließ die Jünger austeilen. Ohne seinen Segen hätte das Essen nicht gereicht; ungebrochen wäre es nie genug gewesen.
Was für ein Tag. Die Jünger dachten, endlich Ruhe zu bekommen. Nun gehen sie mit einem Korb, in dem eigentlich nur ein Zwölftel Fisch und ungefähr ein halbes Brot war, durch die Reihen und speisen Tausende von Menschen. Ob sie noch müde waren? Ich denke nicht. Ich kann mir vorstellen, wie sie voller Adrenalin begeistert davon waren, wie Jesus ihre Bedürfnisse zu stillen vermag. Sie können bei ihm sein, ohne sich Sorgen machen zu müssen, woher sie ihr Essen bekommen. Denn der gute Hirte kennt seine Schafe.
Maria Wilbrink
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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