3. Sonntag der Fastenzeit | 8. März 2026
Meditation
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Frauenzimmer
Was bitte ist ein „Frauenzimmer“?, habe ich mich irgendwann gefragt. Gehört hatte ich den Begriff schon oft, als Bezeichnung für Menschen weiblichen Geschlechts.
Im 16. Jh. war „Frauenzimmer“ einfach ein Zimmer, in dem sich Frauen höheren Standes aufhielten. Wo sonst sollten sie auch sein? Weite Teile der Öffentlichkeit waren ihnen verschlossen, aber zumindest hatten sie ihre eigenen Säle, wo es Frauendinge gab und sie Frauentätigkeiten nachgehen und nicht ohne weiteres auf die Idee kommen konnten, dass draußen eine Welt darauf wartete, entdeckt zu werden.
Frauenzimmer waren reichen Damen vorbehalten. Frauen niederen Standes, sogenannte „Weibspersonen“, die man auch gern mal „das Mensch“ schimpfte, hatten nur Last und Plage, wie das Vieh.
Und weil die Verbindung eng war zwischen Frau und Zimmer, zwischen Geschlecht und innerer Sphäre, nannte man bald die Frauen selbst, als Kollektiv verstanden, aber natürlich unter Ausschluss der Weibspersonen, „Frauenzimmer“. So, als trüge das ganze Geschlecht sein Haus immer bei sich, wie eine Schnecke. Erst, wenn sie stirbt, wird sie übersiedeln in ein neues, enges Haus. aus: dieschöngeistinnen.de
Heute sind Frauen nicht mehr Frauenzimmer. Zumindest in Ländern wie Österreich dürfen sie ihre Meinung kundtun, lernen und darüber hinaus die Welt entdecken. Die Theologin Dorothee Sölle (1929–2003) hat ihren drei Töchtern ein Gedicht geschenkt. Auch sie schreibt über „Frauenzimmer“ –
Wjedoch als Ort im Inneren. Sie mahnt: Sei aufgeräumt, damit die Seele ein Zuhause hat.
Anna Maria Steiner
Lasst eure Zimmer nicht verkommen
Bitte lasst eure Zimmer nicht verkommen!
Wenn eure Zimmer hässlich sind, werdet ihr euch selber nicht lieb und wert halten.
Wenn ihr euch selber nicht ehrt,
werden eure Gedanken ohne Spannkraft sein.
Wenn eure Gedanken nichts anziehen,
werden eure Bewegungen ungenau.
Wenn eure Bewegungen fahrig sind,
wird eure Haut nichts von den Blumen lernen.
Wenn eure Haut nichts von den Blumen lernt,
wird euer Herz wüst und leer sein.
Wenn euer Herz gleichgültig ist,
bleibt ihr unvertraut mit dem Schönen.
Wenn ihr ohne Vertrauen lebt,
könnt ihr die Hälfte des Himmels nicht tragen.
Wenn ihr die Hälfte des Himmels nicht tragt,
könnt ihr über eure alte Mutter nicht lachen.
Bitte lasst eure Zimmer nicht verkommen.
Dorothee Sölle
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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