26. Sonntag im Jahreskreis | 28.September 2025
Meditation
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Federleicht
Man findet sie auf Waldwegen ebenso, wie auf den Gehsteigen der Stadt. Einfärbig, dezent gepunktet, gestreift oder in schrillen Farben warten sie darauf, bis eine Menschenhand sie aufhebt oder ein Vogel sie davonträgt, um sein Nest mit ihnen auszukleiden. Mal sind sie starr, mit festem Kiel, mal weich und flaumig und kaum von Gewicht.
Neben ihrer Aufgabe, vor Kälte und Verletzungen darunterliegende Haut zu schützen, sind Federn auch wichtig bei der PartnerInnenwahl. Federn sind bunt, sie glänzen und schillern und beeinflussen Ente oder Pfau beim Suchen und finden eines Gegenübers.
Auch im Leben von uns Menschen haben Federn, in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen, Gewicht: als Schreibgerät, in Polstermöbeln oder als Teil von Holzverbindungen.
Dass Federn auch im übertragenen Sinn wichtig sein können, zeigt sich an manchen Redewendungen. So sollte, wer sich mit fremden Federn schmückt, bedenken, dass diese schnell auch wieder gestutzt werden könnten. Federn lassen muss mitunter, wer einen Nachteil zu erleiden hat, und dort, wo ein Messer einmal tief ins Fleisch geschnitten hat, tut laut der deutschen Literatin Christa Wolf (1929–2011), selbst eine Feder weh.
Welche der aufgezählten Federn uns gerade auch umgeben mögen, und in welcher Form – sei es im Bettzeug, wärmend zuhause oder in einer Daunenjacke an einem kühlen Herbsttag, unterwegs: Ich wünsch mir, dass mit jeder noch so kleinen Feder, Freude und Leichtigkeit ins Leben kommt.
Ich strecke meine Hände
zu Gott aus,
daß er mich halte,
so wie die Feder,
frei von aller Schwere,
vom Winde getragen fliegt.
Hildegard von Bingen
(1098–1179)
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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