Dreifaltigkeitssonntag | 15. Juni 2025
Meditation
- Foto: Wilbrink
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Gottesatem
Der Turm der rotbacksteinernen Herz-Jesu-Kirche ragt weit über die Dächer des Grazer St.-Leonhard-Viertels hinaus. Kinder spielen im Wasser vor der Kirche an diesem warmen Freitagnachmittag, und ich flüchte mich in die kühle Stille des Innenraums, wo ich die Pfingstinstallation von Franziska Pirstinger besuche.Beim ersten Anblick wirkt es, als hätte der Himmel selbst Konfetti geschickt – oder als würde Gottes Atem sichtbar durch den Kirchenraum wehen.
Die Künstlerin hat in monatelanger Arbeit die Worte der Pfingstsequenz meditativ auf große Papierrollen übertragen. Sieben lange, bunte Bänder schweben vom Gewölbe, aus dem „Heiligen-Geist-Loch“ herab und hängen wie ein leichter Schleier über den BesucherInnen – fast so, als würde sich der Geist auch heute noch über uns senken, wie einst an Pfingsten. Die sieben Streifen stehen für die Gaben des Geistes: Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht.
„rûaḥ elohim“ – so heißt die Installation: „Geist Gottes“ auf Hebräisch. Rûaḥ bedeutet auch Wind, Hauch oder Atem. Wenn ich es ausspreche, erinnert mich dieses rauschende „ch“ am Ende an ein Ausatmen.
Schon im ersten Kapitel der Bibel taucht dieses Wort auf, als Gottes Geist über dem Wasser schwebte, bevor er Leben aus dem Chaos schuf und Himmel und Erde formte. Pfingsten erzählt, wie dieser schöpferische Geist nach Christi Himmelfahrt auf die Jünger und alle, die im Haus versammelt waren, ausgegossen wurde. Nach Petrus’ Predigt, in der er Jesus als den Erlöser verkündete, fragen die erschütterten Zuhörer: „Was sollen wir tun?“
Petrus antwortet sinngemäß: Kehrt um, lasst euch taufen im Namen Jesu Christi – dann werden euch eure Sünden vergeben, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.
Gottes Geist will nicht nur besucht, sondern empfangen werden. Er will in uns wohnen und durch uns wirken – durch Worte, Taten und Entscheidungen. Vielleicht lädt diese Installation dazu ein, den Atem Gottes neu wahrzunehmen – und aufzunehmen. Noch bis zum 22. Juni 2025 belebt sie den Kirchenraum der Herz-Jesu-Kirche.
Maria Wilbrink
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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