6. Sonntag der Osterzeit | 25. Mai 2025
Meditation
- Foto: Streibel
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Empor schwebend
Im Wiener Stephansdom feierte die Sportunion Österreich jüngst ihren 80. Geburtstag. Dompfarrer Toni Faber erinnerte daran, dass es damals, in den letzten Kriegstagen Anfang Mai 1945, undenkbar gewesen wäre, in der zerbombten Kirche einen Gottesdienst zu feiern. Dennoch wurde unter dem Eindruck der Katastrophe, in die eine menschenverachtende Ideologie zwangsläufig münden musste, die Idee geboren, einen christlichen Turn- und Sportverband zu gründen. Es galt, sich aus den Trümmern, die der Zweite Weltkrieg nicht nur materiell, sondern auch in den Seelen der Menschen und im sozialen Gefüge zurückgelassen hatte, zu erheben und eine neue Gesellschaft aufzubauen.
Atemberaubend wurde die Verbindung von Sport und Spiritualität während des Festgottesdienstes mit einer Aerial-Silk-Performance veranschaulicht. Zwei Athletinnen dieser ebenso spektakulären wie anmutigen Sportart schwangen sich an zwei 30 Meter langen Tüchern, die vom Gewölbe des Doms herabhingen, in schwindelerregende Höhen und ließen die Mitfeiernden staunend nach oben blicken.
Die akrobatische Darbietung in dem altehrwürdigen Gotteshaus vermittelte – trotz allen Kraftaufwandes und intensiven Trainings – Eleganz und Schwerelosigkeit, sie wurde zu einer wahrlich mystischen Erfahrung. In kühnen Drehungen wirbelten die beiden Tänzerinnen vorbei am düsteren Kreuz dem Licht und dem Gewölbe des Himmels entgegen. Es wurde – sehr passend in der Zeit zwischen Ostern, dem Fest der Auferstehung, und Christi Himmelfahrt – eindrucksvoll erlebbar, was österliches Sein ausmacht.
Ein Leben, das geprägt ist von Auferstehung und Himmelfahrt, bekommt etwas Leichtes, die Schwerkraft Überwindendes, Emporstrebendes und Tänzerisches. Wenn es wahr ist, dass Jesus aus dem Grab aufgestanden ist und sich in den Himmel, in das Leben in der vollen Gemeinschaft mit Gott, emporgeschwungen hat, was kann uns dann festhalten, niederdrücken und Angst machen? Es macht Mut, den Sprung in die Ungewissheit des Lebens zu wagen – selbst wenn es, wie vor 80 Jahren, in Trümmern liegt – in dem festen Vertrauen, gehalten zu sein und in die Höhe zu streben.
Alfred Jokesch
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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