5. Sonntag im Kirchenjahr | 09. Februar 2025
Meditation
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Von dünnen Fäden
Ich kann am Widerstand wachsen. Er lässt mich noch klarer und entschiedener entdecken, was nun wirklich zu mir gehört. … Wir müssen den Widerstand nicht suchen, doch wir dürfen vertrauen, daran reifen zu können. Unsere Kreativität kann dadurch angespornt werden, wie folgendes Märchen zeigt:
„Ein Mann war eingesperrt in einem hohen Turm. Seine Frau ließ eine Spinne die hohe Mauer hinaufkrabbeln, um einen feinen, unsichtbaren Faden entlang der hohen Mauer zu spinnen. An diesem Spinnenfaden befestigte sie einen feinen Seidenfaden. Ganz behutsam zog ihn ihr Mann hoch. Am Seidenfaden befestigte sie einen Garnfaden und daran verschiedene Fäden, die jedes Mal ein bisschen fester und schwerer waren. Der Mann zog einen Faden nach dem anderen hoch, schließlich einen Wollfaden, die dünne Schnur, eine stärkere Schnur, bis die Frau schließlich ein leichtes Seil anbinden konnte, das schlussendlich ein starkes Seil aushielt, das dem Mann die Flucht ermöglichte. Er war frei.“
Diese Geschichte erinnert mich an meinen Hoffnungsfaden. Manchmal ist er kaum sichtbar, doch er ist da. Ein spiritueller Weg beginnt im wohlwollenden Entdecken des „roten Fadens“ in meinem Leben, des göttlichen Wegs in mir. Mag er mir noch so klein und unscheinbar erscheinen, daraus kann ein Seil werden, eine klare, feste Überzeugung.
Madeleine Delbrêl, Mystikerin des 20. Jahrhunderts, die sich als Sozialarbeiterin in einem Vorort von Paris mit einigen Gefährtinnen für Barmherzigkeit und Gerechtigkeit engagiert hat, spricht von dieser Kraft der Widerstände:
„Gott serviert uns die Umstände nicht wie fertig Gekochtes, Abgeschlossenes. Er reicht sie uns so, dass wir sie vollenden, dass wir daraus seinen Willen machen können. Der Glaube lenkt uns. Ohne ihn arbeiten wir wenig oder arbeiten schlecht, können jedenfalls nur Handlangerarbeit verrichten. Er aber gestattet uns, Künstler zu sein. Andererseits setzt die Arbeit des Künstlers die Kenntnis des Handwerks voraus.“
Pierre Stutz in: Ein Stück
Himmel im Alltag, 2008, Herder.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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