7. Sonntag der Osterzeit | 1. Juni 2025
Mediation
- Foto: ELIJAH Soziale Werke
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Herausgezogen
Es ist Freitagabend, die Mitarbeiter sind schon nach Hause gegangen. Im Jugendclub ist noch Licht. Ich gehe hinüber, um es auszuschalten. Doch da ist ja noch jemand! Florin packt gerade das Saxophon in den Koffer. Er habe noch einmal üben wollen, bevor er nach Hause gehe und streicht mit der Hand über das Instrument. Dann verabschiedet er sich, froh, dass er am Montag wieder kommen darf.
Wie glücklich waren wir, als es gelang, Florin für den Jugendclub zu gewinnen! Mit seinen vielen Geschwistern haust er bei seinen Eltern. Bei den paar Schritten von der Straße in ihr Haus versinkt man im Schlamm. Nur nicht ausrutschen! In dem kleinen Raum türmen sich haufenweise Decken und Kleidungsstücke. Auf einem Hocker steht ein Topf mit Schweineschwarten, die im Fett brutzeln. Wie sie dort – zu neunt – mitten in den Bergen von Unrat sitzen oder schlafen, kann ich mir nicht vorstellen. Die Kinder gehen selten zur Schule, und auch die Großen haben kaum etwas gelernt. Ein Wunder, dass Florin beim Jugendclub mitmachen durfte und wollte. Er kommt immer und das pünktlich.
Er sah unsere Töpferwerkstatt und fragte, ob er einmal mitmachen dürfe. Geduldig übte er das Formen der Tonerde und bald schon schuf er seine ersten Kunstwerke. Eines Tages fragte ich ihn, ob er nicht bei uns mitarbeiten wolle. Er könne viel lernen und dann auch seine Familie unterstützen. Er freute sich – und stand am nächsten Morgen vor der Türe. Vielleicht ist es das Saxophon, das ihn aus dem Schlamm herauszieht.
Das verwahrloste Kind übertrifft alle unsere Erwartungen. Wenn er nur auf dem guten Weg bleibt! Darum beten wir wie Abraham für seinen schwierigen Sohn, als ihm die große Verheißung geschenkt wurde. „Wenn nur Ismael vor dir am Leben bleibt!“
Bei allen Sorgen, allem Zittern, bei allen Misserfolgen – unser Leben mit den Roma-Kindern wird von Überraschungen überstrahlt. Vieles läuft anders als wir uns das vorstellen. Auf jedes einzelne Kind, dem es gut geht, will ich schauen und das Wunder nicht für selbstverständlich nehmen. Das lässt mich den Weg mit allen weitergehen und Tag für Tag hoffen.
Ruth Zenkert, Leiterin des Sozialprojektes ELIJAH in Rumänien
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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