Luft nach oben

Die Referentin Sabine Kroissenbrunner machte sich stark für einen christlich-islamischen Dialog über Zukunftsthemen.
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Über den Dialog zwischen Christen und Muslimen sprach die Botschafterin und Politikwissenschaftlerin Sabine Kroissenbrunner in Graz.

Nicht, dass es keine Probleme beim Dialog zwischen Christentum und Islam gäbe. Dennoch wolle sie vor allem auf das Positive verweisen, betonte Sabine Kroissenbrunner am Anfang ihres Vortrages. Auf Einladung von Welthaus war die Politikwissenschaftlerin zu Gast im Barocksaal des Grazer Priesterseminars.
Die stellvertretende österreichische Botschafterin in Belgrad verwies auf die historisch guten Beziehungen unseres Landes zum „Orient“ – von Bosnien über die Türkei bis zum Iran. An diese Tradition könne man anknüpfen, dabei gäbe es noch „viel Luft nach oben.“ Leider würden die positiven Ansätze zunehmend von Debatten wie jener über das Kopftuch überlagert, meinte Sabine Kroissenbrunner. Sie plädierte dafür, „die Vielfalt des Diskurses in unseren Dialog einzubauen“.

Die Rolle des säkularen Staates müsse eine konstruktive sein, etwa was Minderheitenrechte oder die Gleichberechtigung betreffe, forderte die Politikwissenschaftlerin: „Es muss uns ein Anliegen sein, die Asymmetrie der Institutionen zu verringern.“
Die katholische Kirche sei ein positives Beispiel dafür, wie man mit den vorhandenen Strukturen einen Rahmen schafft, in dem sich ein Dialog auftun kann. Hingegen seien auf staatlicher Ebene Initiativen, die ergebnisorientiert zum interreligiösen Dialog arbeiten sollten, wieder in der Versenkung verschwunden, kritisierte Kroissenbrunner.
Die Gründerin der „Task Force für den Dialog der Kulturen und Religionen“ im österreichischen Außenministerium plädierte dafür, sich auf zukunftsrelevante Themen zu fokussieren. „Wir sollten über den Zugang von Muslimen zu Bildung, Jobs und Einkommen sprechen, über die Einbindung in Freiwilligenarbeit, über Pflege, Umwelt und Klima oder den Kampf gegen Rassismus. Doch diese Fragen werden von zwei, drei Themen wie dem Kopftuchverbot verstellt, auf die man fokussiert.“ Das führe zur Etablierung eines bestimmten Islambildes im öffentlichen Diskurs. Diesen Rahmen aufzubrechen und zu erweitern sei Aufgabe aller, die sich hier konstruktiv engagieren möchten.
Der Vortrag am 27. Jänner im Grazer Barocksaal war eine gemeinsame Veranstaltung von: Welthaus, Pro Oriente, Katholisches Bildungswerk, Katholische Stadtkirche Graz, ComUnitySpirit/Afro-Asiatisches Institut und Islamisches Kulturzentrum Graz.

Christian Köpf

Sabine Kroissenbrunner
Sabine Kroissenbrunner ist Gesandte an der Österreichischen Botschaft in Belgrad. Die Politikwissenschaftlerin hat unter anderem am Bruno-Kreisky-Forum für internationalen Dialog und am Institut für Konfliktforschung in Wien mitgearbeitet. Sie war 2007 Gründerin und Leiterin der „Task Force für den Dialog der Kulturen und Religionen“ im österreichischen Außenministerium.
Von ihr stammen zahlreiche Projekte, Publikationen und Vorträge zum Thema Religion und Migration, Integration und zum Dialog zwischen Islam und Christentum.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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