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Dringende Bitte
Zu „Das letzte Dorf“, Nr. 4
Liebe Bischöfe Österreichs! Ich wünschte, Sie alle hätten diesen Artikel gelesen, so könnte ich hoffen, dass Sie den dringenden Aufruf Ihres Mitbruders im Amt ernst nehmen! Bei uns herrscht ein unerträgliches Informationsdefizit und eine im wahrsten Sinne des Wortes tödliche Ignoranz.
Den Tag des Judentums feierlich zu begehen und Shoa-Erinnerungsarbeit zu leisten finde ich als Theologin richtig und wichtig. Gleichzeitig ist es überfällig, gegen die brutale Siedlungspolitik Israels und erst recht gegen den Genozid in Gaza mutig aufzutreten. Die Übergriffe auf palästinensische Autonomiegebiete durch die zerstörerische Landnahme seitens der israelischen Siedlungspolitik haben sich seit meiner Studienzeit in Jerusalem in einem erschreckenden Ausmaß vervielfacht. Die Methode: Zuerst wird der palästinensischen Bevölkerung der Zugang zu den eigenen Grundstücken durch das Errichten von Checkpoints erschwert. Das Zeitfenster für einen Übertritt beträgt laut den Schilderungen der Friedensaktivistin Sumaya Farhat-Naser, die im Herbst in Graz darüber informierte, 15 Minuten. Eine schikanös kurze Zeit, die ein gutes Bestellen der Olivenhaine, Orangen- und Zitronenplantagen so gut wie unmöglich macht. Außerdem wird den Bauern das Wasser „abgegraben“ bzw. israelische Siedler, teilweise sogar bewaffnet, zerstören die Tanks. Anschließend werden die Felder für „unbewirtschaftet“ erklärt und von Siedlern in Besitz genommen. Sumaya Farhat-Naser hat darum um couragierten Einsatz hierzulande gebeten.
Ein Solidaritätsbesuch mit Händedruck und freundlichem Lächeln mag zwar sympathisch sein – für engagierte Solidarität ist mutiges Auftreten gefragt. Ich hoffe sehr, dass Sie, liebe Bischöfe, sich durch die Aufforderung von Bischof zu Bischof durchringen und unsere Politiker über den unerträglichen Alltag unserer palästinensischen Geschwister im Glauben aufklären. Und dass sie klarlegen, dass zur israelischen Politik nicht länger geschwiegen werden darf und dass diese Kritik nichts mit Antisemitismus zu tun hat. Es geht lediglich darum, aus christlich-ethischer Verantwortung heraus dieses untragbare menschenrechtswidrige Verhalten rechtmäßig zu kritisieren. Mit der herzlichen Bitte um Mut und Courage!
Olga Maria Christina Schnutt, Graz
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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