Positionen - Theresia Heimerl
Der Fremde auf Österreichisch
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Anfang Jänner kam eine Neuverfilmung von Albert Camus’ Klassiker des Existenzialismus ins Kino: „Der Fremde“ (L’Étranger, 1942). Ein Wiedersehen mit der einstigen Schullektüre fördert interessante Perspektiven zutage: War der weiße französische Protagonist nicht ohnehin ein Fremder in einem fernen Land, ganz ohne philosophischen Überbau? Wie würde die Handlung „europäischer Mann tötet Araber“ heute in sozialen Medien reflektiert werden – oder würde Camus heute einen Araber den weißen Franzosen erschießen lassen? Geht es womöglich gar nicht um ethnische Identitäten, hinter denen man oft das existenzielle Gefühl des Fremdseins versteckt, ob in Algier oder „Hintertupfing“?
Was den Fremden bei Camus damals für uns SchülerInnen sympathisch machte, waren seine kurzen Antworten: „Ich weiß nicht“, oder „Das ist normal.“ Diese häufig gebrauchten Sätze sind nicht nur leicht zu übersetzen, sie entsprechen auch der österreichischen Grundhaltung: „Keine Ahnung“, „Das ist halt so.“ Die österreichische Quintessenz der Existenz und des Existenzialismus lautet: „Mir is’ des alles wurscht!“ Auch die Fremden – solange sie nicht auffallen.
Theresia Heimerl
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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