Weltkirche
Wohlstand verpflichtet

Blick aus dem Hubschrauber auf ein reiches Land: Auf seiner zweiten Auslandsreise besuchte Papst Leo XIV. das Fürstentum Monaco, das zuletzt vor rund 500 Jahren von einem Papst (Paul III., 1538) besucht worden war. | Foto: Vatican Media/Siciliani/KNA
  • Blick aus dem Hubschrauber auf ein reiches Land: Auf seiner zweiten Auslandsreise besuchte Papst Leo XIV. das Fürstentum Monaco, das zuletzt vor rund 500 Jahren von einem Papst (Paul III., 1538) besucht worden war.
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Papst in Monaco. Im Staat mit der höchsten Dichte an Millionären predigte Leo XIV. Solidarität.

Luxusautos, Traumstrände und Spielcasinos: Das alles bietet Monaco Menschen mit viel Geld. An der französischen Riviera war – wenn auch nur für neun Stunden – nun auch der Papst. Nach seiner ersten Auslandsreise in die wirtschaftlich viel schwächeren Länder Türkei und Libanon Ende 2025 vermag der Papstbesuch vom 28. März im reichen Zwergstaat verwundern. Laut Vatikan gibt es dafür aber gute Gründe. Schon der erste Grund klingt einleuchtend: Seit 488 Jahren, genauer: seit der Zeit von Papst Paul III. im Jahr 1538, war kein Papst mehr in Monaco. Dabei reichen die Beziehungen zwischen dem kleinsten und zweitkleinsten Land der Welt zurück bis ins 13. Jahrhundert und seien „sehr gut“, weiß Stefan von Kempis, Korrespondent des Nachrichtenportals Vatican News.

Mit rund 38.000 EinwohnerInnen ist Monaco weitgehend katholisch und die Fürstenfamilie seit 1957 regelmäßig zu Gast im Vatikan. Auch auf internationalem Niveau sei Monaco ein wichtiger Partner des Heiligen Stuhls, betont der Leiter der deutschsprachigen Abteilung des vormaligen Radio Vatikan und erwähnt die Bedeutung Monacos auch im Hinblick auf die „Entwicklungsarbeit in Afrika und dem Nahen Osten“. So habe Vatikansprecher Matteo Bruni bei der Vorstellung der päpstlichen Reise am 25. März deutlich gemacht, „dass es politisch einige Schnittmengen in den Positionen von Monaco und dem Heiligen Stuhl gibt: beim Blick auf Europa, im Einsatz für die Umwelt, in Sachen Lebensschutz.“ Im Übrigen gebe es, und darauf habe der für Monaco zuständige Erzbischof in einem Interview mit Vatican News hingewiesen, auch in Monaco viel versteckte Armut: „Nicht das augenfällige, blanke Elend, aber viel Einsamkeit, innere Leere, ... ebenso wie Menschen, die dort für ein bescheidenes Gehalt arbeiten und unter teils prekären Bedingungen leben.“

Die Solidarität mit Notleidenden sprach Papst Leo am 28. März auch vom Fürstenbalkon aus an. Der katholische Glaube, den Monaco als eines der wenigen Länder der Welt als Staatsreligion habe, verpflichte dazu, „in der Welt ein Reich von Brüdern und Schwestern zu bilden; nicht zu unterdrücken, sondern aufzurichten; nicht zu trennen, sondern zu verbinden“.

Dass „Wohlstand zum Dienst an Recht und Gerechtigkeit“ verpflichtet, finden neben Papst Leo auch Aktivistinnen der Tierschutz-Organisation PETA. Lautstark „Bitte, Heiliger Vater!“ rufend, knieten sich zwei von ihnen vor das Papamobil und hielten Plakate mit der Aufschrift „Papst Leo: Hilf uns, dem Stierkampf ein Ende zu setzen“ hoch, bis Sicherheitskräfte sie wegbrachten. Ihre Forderung: ein klares Bekenntnis des Papstes gegen die grausame Tradition des Stierkampfes, die mancherorts sogar zu Ehren Heiliger gepflogen wird. Bisher hat sich Papst Leo XIV. nicht dazu geäußert.

Anna Maria Steiner

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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