Tag des Judentums
Mutig wie Königin Ester

Ökumenischer Gottesdienst in der Grazer Stadtpfarrkirche. Ganz links Predigerin Edith Petschnigg, am Altar Methodistenpastor Frank Moritz-Jauk und Stadtpfarrpropst Christian Leibnitz, rechts Kantorin Shira Karmon.
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  • Ökumenischer Gottesdienst in der Grazer Stadtpfarrkirche. Ganz links Predigerin Edith Petschnigg, am Altar Methodistenpastor Frank Moritz-Jauk und Stadtpfarrpropst Christian Leibnitz, rechts Kantorin Shira Karmon.
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Ökumenischer Gottesdienst in Graz.

„Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.“ Dieser Gesang eröffnet am Abend des 17. Jänner einen ökumenischen Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche in der Grazer Herrengasse. Es ist der Abend vom „Tag des Judentums“ und der Vorabend zum Beginn der Gebetswoche für die Einheit der Christen. An dieser Schwelle machen sich Christinnen und Christen ihre Verwurzelung im Judentum bewusst, aber auch ihre Verfehlungen dagegen. Shira Karmon bringt in die Feier jüdische Gesänge ein.

Edith Petschnigg vom Institut für alttestamentliche Bibelwissenschaft deutet in der Predigt das alttestamentliche Buch Ester. Es spielt am Hof des Perserkönigs Ahaschverosch (Xerxes I.), der die sich am Hof nicht als Jüdin zu erkennen gebende Ester anstelle der verstoßenen Waschti zur Königin gemacht hat. Als Esters Ziehvater, der Jude Mordechai, sich nicht vor Haman, dem zweiten Mann im Staate, huldigend niederwirft, erwirkt Haman die Vernichtung aller Juden zu einem bestimmten Termin. Nun geht es um Leben und Tod. In dieser Krise macht Mordechai nun Ester klar, dass es auf sie ankommt.

Ester will in einer ersten Schockphase das nicht wahrhaben und verleugnet die Realität. In einer zweiten Phase beginnt sie sich der Wirklichkeit zu stellen, erfährt vom Tötungsbeschluss gegenüber ihrem Volk und wird von Mordechai bestürmt, zum König zu gehen. Wenn sie aber unaufgefordert zum König geht, muss sie mit dem Tod rechnen, außer der König begnadigt sie. In Ester vollzieht sich ein innerer Wandel. Sie übernimmt Verantwortung für sich und ihr Volk. Sie riskiert ihr Leben, indem sie zum König geht. Sie nutzt nun ihre Position als Königin, erfährt Gnade beim König und erwirkt den Sturz des Antisemiten Haman. Die Juden feiern in Erinnerung daran das Purim-Fest.

Petschnigg deutet das Buch Ester nicht nur als Plädoyer für Zivilcourage, sondern als Aufforderung, auch an unsere Zeit, Antisemitismus und Sexismus entgegenzutreten. Das Buch halte christlichem Antijudaismus einen Spiegel vor. Es sei aber auch ein Modell persönlicher Krisenbewältigung: Ängste gehören zum Leben, haben aber nicht das letzte Wort.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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