Weltkirche
Kein Stillstand
- Anders als bei vergangenen Treffen wurden beim Konsistorium am 7. und 8. Jänner die Kardinäle nicht nach Sprachen in Arbeitsgruppen eingeteilt. Die „Jüngeren“ saßen an neun Tischen. Die über 80-jährigen Kardinäle, im Ruhestand und ohne Papstwahlrecht, waren zusammen mit den Kurienkardinälen auf elf Tische aufgeteilt. Das nächste Treffen über kirchliche Reformfragen ist im Juni geplant.
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Erstes Konsistorium unter Leo XIV. Mit dem Papst berieten 245 Kardinäle über Zukunftsfragen in der Kirche.
Es sei „eine wunderbare Zeit“ gewesen, in der die Kardinäle sich gegenseitig und die Persönlichkeit des Papstes kennenlernen konnten. Mit diesen Worten über das am 8. Jänner zu Ende gegangene Konsistorium wird Kardinal Jean-Paul Vesco zitiert. Der algerische Erzbischof hat an der außerordentlichen Kardinalsversammlung teilgenommen.
245 Kardinäle aus der ganzen Welt hatte der Papst eingeladen, um in drei Sitzungen über kirchliche Zukunftsfragen zu beraten, 170 waren schlussendlich zur großen Versammlung des weltweiten Kardinalskollegiums gekommen. Das erste außerordentliche Konsistorium von Papst Leo XIV. lief am 7. und 8. Januar weitgehend unbemerkt von den Medien ab. Das lag auch an der geschickten Regie bei dem Treffen. So hatte der Vatikan gleich zu Beginn dafür gesorgt, dass eines der strittigsten Themen – die Debatte um eine Wiederzulassung der alten lateinischen Messe – gar nicht erst auf die Tagesordnung gesetzt wurde.
Die beiden Themen, die auf Beschluss der Kardinäle am Ende tatsächlich beraten wurden, waren kaum schlagzeilenträchtig. Zunächst ging es darum, das Schreiben „Evangelii gaudium“ aus dem ersten Jahr des Franziskus-Pontifikats neu zu lesen. Der schwungvolle Text, der mit Bildern wie der „Kirche als Feldlazarett“ und einer „Seelsorge, die an die Ränder geht“, das kirchliche Reden lange prägte, sollte aus heutiger Sicht neu bewertet werden. Als überraschend breiter Konsens stellte sich heraus, dass „Evangelii gaudium“ längst nicht mehr nur ein Franziskus-Text ist, sondern mittlerweile in weiten Teilen der Kirche als Grundlage akzeptiert wird. Es soll künftig auch in der Priesterausbildung eine Rolle spielen.
Augenkontakt. Etwas komplexer gestaltete sich das zweite Beratungsthema, das unter dem Stichwort „Synode und Synodalität“ auf die Tagesordnung kam. Die Hinführung von Synoden-Generalsekretär Mario Grech aus Malta machte klar, wie sehr die Idee und die Methoden der synodalen Beratung die katholische Kirche jetzt schon prägen. Sichtbar wurde aber auch, dass viele Diözesen in der Umsetzung des neuen Beratungsstils erst noch aktiv werden müssen.
Im Eröffnungsgottesdienst bat Papst Leo XIV. die Kardinäle, einander in die Augen zu schauen und zuzuhören. Bei den Sitzungen machte er Notizen. Künftig wolle er jedes Jahr einige Tage mit Kardinälen aus aller Welt beraten. Jenen, für die die Romreise zu teuer wäre, stellte er Kostenteilung in Aussicht: Kardinalskollegen aus reicheren Ländern sollten hier solidarisch mitfinanzieren. Am Ende seines ersten Konsistoriums betonte der Papst, dass die Kirche keinen Stillstand kenne: „Gott offenbart sich, und nichts kann unbeweglich bleiben.“
Quelle: Kathpress
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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