Kirche Steiermark
Freude an Gott haben
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Am 1. Mai wird Johannes Freitag zum Weihbischof der Diözese Graz-Seckau geweiht. Im SONNTAGSBLATT-Interview erzählt er, was ihm hilft, an stressigen Tagen nicht die Nerven zu verlieren, und worauf er sich in den nächsten Monaten besonders freut.
Wie hast Du von Deiner Ernennung zum Weihbischof erfahren?
Weihbischof Johannes Freitag: An einem Sonntagabend habe ich zwei Nachrichten am Handy erhalten. Es war für mich so unvorstellbar, dass ich zunächst an einen Scherz von Freunden gedacht habe. Nach einer weiteren Nachricht, dass der Nuntius sich auf meinen Besuch freut, habe ich dann angerufen und gemerkt, dass es Ernst war. Ich war auf halbem Weg nach Salzburg. Also bin ich umgekehrt und nach Wien gefahren.
Was waren Deine ersten Gedanken?
Freitag: Ich war wirklich sprachlos, dass der Papst auf mich zukommt und die Kirche mich in diesem Dienst braucht. Dann geht einem natürlich viel durch den Kopf. Den Nuntius habe ich dabei sehr seelsorglich erlebt, er hat mich mit viel Erfahrung zu einer Herzensentscheidung begleitet. Als Bedenkzeit hat er mir eine Stunde in der Kapelle eingeräumt. Andere Menschen um Rat zu fragen hätte mich wahrscheinlich nur verunsichert und von mir selbst weggeführt.
Und Du hast wirklich nicht gewusst, dass Du auf einer Liste stehst?
Freitag: Nein. Dass es mich treffen könnte, war für mich überhaupt nicht denkbar. Das war völlig überraschend.
Wie ist das, so kurzfristig verfügbar sein zu müssen?
Freitag: Als Priester habe ich versprochen, in meinem Leben Gott immer an die erste Stelle zu setzen. Gehorsam kommt ja vom Hören. Das bedeutet, vor allem Gott gegenüber immer ein Hörender zu sein. In den letzten Jahren habe ich schon gespürt, dass die doppelte Beanspruchung als Leiter des Seelsorgeraumes An der Eisenstraße und in der Militärseelsorge eine Gratwanderung ist. Das stehst du auf Dauer nicht durch. Da habe ich gemerkt, dass die Zeit reif ist für eine Veränderung.
Aber die Beanspruchung wird ja als Bischof nicht weniger werden, oder?
Freitag: Mehr Arbeit wird nicht möglich sein. Ich glaube, dass ich mich mit meiner Lebenskraft wieder mehr auf einen Ort konzentrieren kann, von dem ausgehend ich meinen Dienst tun kann. Viele Aufgaben sind denen eines Pfarrers ähnlich, der Gestaltungsraum wird weiter, aber ich schätze schon, dass ich nun wieder mehr von einer Mitte ausgehen kann.
Wie waren die Weihe-Vorbereitungen?
Freitag: Ich habe erleben dürfen, was für ein professionelles Team in der Diözese da ist, das dafür arbeitet, dass ich mich gut in die Liturgie hineinfallen lassen kann. Es ist eine diözesane Veranstaltung mit 1000 Gästen. Es geht nicht um mich, sondern um einen Dienst, der in der Diözese durch den Weihbischof wieder getan werden kann.
Eines der größten Themen war sicher die Kapazität. Unser Dom ist begrenzt, deshalb freue ich mich sehr, dass ORF III die Weihe live überträgt (siehe Infobox), und wir werden auch ins Mausoleum übertragen, damit möglichst viele über die Medien mitfeiern können. Es ist schwer, dabei Menschen abzulehnen. Und es ist nicht nur eine Sicherheitsfrage, wir wollen auch eine gute Feierkultur bewahren.
Aber ich werde in den nächsten Monaten in allen Regionen der Diözese präsent sein, und darauf freue ich mich sehr! Ich spüre, dass die Freude der Menschen groß ist.
Dein Wahlspruch lautet: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ Was sind für Dich Quellen der Freude?
Freitag: Eine Quelle der Freude ist für mich das Leben inmitten der Kirche als eine Gemeinschaft von Menschen, die im Geist des Evangeliums versuchen, ihrem Glauben Gestalt zu geben. Ich habe schon als Kind eine tiefe Freude und große Zuversicht gehabt. Die hat mir nie jemand nehmen können, auch in herausfordernden Stunden. Dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar, die mir den Glauben vermittelt haben. Das war mitten in einem Industriegebiet, wo ich aufgewachsen bin, nicht selbstverständlich.
Das zweite war mein Heimatpfarrer, der mir – auch als Religionslehrer – eine Freude vermittelt hat, die nichts mit Spaß oder Wirtshausplauderei zu tun gehabt hat. Das hat mir gezeigt: Wenn jemand so lange diesen Beruf ausübt und noch immer eine solche Freude ausstrahlt, dann muss da etwas dran sein. Auch wenn es kirchenpolitisch schwierige Zeiten gab, hat für mich immer ein persönliches Bild von Gott durch die Kirche geleuchtet. Ich habe immer gespürt, dass es eine Kraftquelle sondergleichen ist, wenn man Freude an Gott hat.
Die Worte meines Wahlspruchs (Neh 8,10) hat der Priester Esra an das Volk Israel gerichtet, als es zum zerstörten Tempel heimkehrte und wieder einen Ort der Verkündigung aufbaute. Auch heute ist vieles in der Menschheitsfamilie zerstört durch Krieg, Egoismen, kapitalistisches Denken. Da sollen wir Orte errichten, wo spürbar wird: Die Freude an Gott ist unsere Kraft. Das möchte ich durch mein Menschsein, mein Priestersein und künftig durch mein Bischofsein vermitteln und erfahrbar machen.
Du hattest bisher vielfältige seelsorgliche Aufgaben: Jungscharseelsorger, Pastoralamtsleiter, Pfarrer, Militärseelsorger. Welche Erfahrungen daraus können Dir in Deinem neuen Amt besonders hilfreich sein?
Freitag: Ich nehme die Erfahrung mit, dass ich die Menschen gerne mag. Auch mit solchen, die nicht mein Lebensmodell teilen, liebe ich respektvolle Begegnungen, um mich auszutauschen, ohne das eigene Profil aufzugeben. Im Gespräch zu sein, verändert Perspektiven. Aus dem Seelsorgeraum nehme ich die Erfahrung mit, dass ich zwar nicht flächendeckend überall da sein kann, aber dass ich dort, wo ich bin, mit ganzem Herzen bin. Dass ich offen bin in der Begegnung und versuche, das, was mir wertvoll ist, verständlich zu vermitteln.
Dabei hilft mir zum einen, dass mir von Gott ein heiteres Gemüt geschenkt ist. Zum anderen habe ich mir angewöhnt, in der Früh eine halbe oder ganze Stunde Stille zu halten, eine unverzweckte Zeit, um bei Gott zu sein und empfänglich für das, was er mir sagen will. Wenn ich aus einer inneren Ruhe und meiner Mitte heraus in den Tag hineinstarte – auch wenn er noch so von Pluralität oder Lebenstempo geprägt ist –, fällt es mir leichter, Menschen zu begegnen.
Formell wirst Du zum Titularbischof der nicht mehr existierenden Diözese Guzabeta in Algerien ernannt. Was bedeutet das und was weißt Du über diese Diözese?
Freitag: Der Bischofssitz dort ist heute versandet. Es hat einen einzigen Bischof gegeben im 4. Jahrhundert. Für mich ist die weltkirchliche Dimension interessant, dass man stellvertretend etwas lebendig hält, das es nicht mehr gibt. Heute ist im muslimisch geprägten Norden Afrikas das Leben für ChristInnen herausfordernd und mit Verfolgung und Benachteiligung verbunden. Auch wenn Äußerlichkeiten verschwinden und versanden, ist das Zeugnis christlichen Glaubens und Lebens nicht umzubringen.
Du wirst Bischofsvikar für Synodalität …
Freitag: Ich habe mir gewünscht, dass es „Bischofsvikariat für eine synodale Kirche“ heißt. Wir als Kirche sind eine Weggemeinschaft. Militärisch gesprochen gibt es die Vorhut, Kundschafter, die vorausmarschieren. Aber es ist auch wichtig, dass es eine Nachhut gibt, die darauf achtet, dass niemand am Weg zurückbleibt. Und solange uns die Mitte, die Christus selbst ist, nicht verloren geht, sehe ich uns auf einem guten Weg. Es ist wichtig, dass wir Respekt voreinander haben und wissen: Durch jede und jeden von uns kann Gott sprechen.
Wie würdest Du das Wort „synodal“ – zum Beispiel den jungen Menschen, mit denen Du beim Militär zu tun hattest – erklären?
Freitag: Synodal, das ist Kameradschaft auf gleicher Augenhöhe, wo wir uns gegenseitig voranbringen. Denn keiner von uns kann alles und keiner kann nix. So entsteht Teamgeist und wir erfahren den Heiligen Geist, der uns verbindet. Wenn dieser „gute Geist“ spürbar wird, werden wir einander als Menschen gerecht, hören aufeinander, nutzen den Reichtum der Charismen.
Was hast Du Dir von der Diözesankonferenz mitgenommen?
Freitag: Wie reich und lebendig die steirische Kirche ist. Wie wichtig spirituelle Vertiefung ist. Das hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir aus einer Verankerung und Tiefe die Weite hatten, aufeinander und auf unsere verschiedenen Perspektiven gut zugehen zu können. Und auch das Ringen um gemeinsame Themen nehme ich mit.
Hast Du schon konkrete Ideen, wo Du ansetzen möchtest, um den synodalen Gedanken in der Diözese weiterzuentwickeln?
Freitag: Wir sollten auf der Leitungsebene der Diözese das vorleben, was wir von den Seelsorgeräumen erwarten. Da müssen wir uns besser horizontal vernetzen. Andererseits sind die Seelsorgeräume auch wichtige Impulsgeber. Wir brauchen einander. Ich möchte viel hören und nachfragen, wo gute synodale Ansätze bereits vorhanden sind, wo eine Region etwas Einzigartiges hat, das auch für andere bereichernd sein kann. Ich sehe meine Aufgabe hier im Kommunizieren, Koordinieren, Wertschätzen und im Dranbleiben an den Inhalten.
Wie war Dein Abschied im Seelsorgeraum?
Freitag: Die Fastenzeit war für mich tief geprägt von den Fragen: Was lasse ich los, was nehme ich mit? Und das auch ganz konkret, denn ich bin vor Ostern umgezogen. Eine Wohnung im Domherrenhaus war für mich vorbereitet. Das hat es mir erleichtert, denn jeder Mensch braucht ein Daheim. Im Seelsorgeraum noch Ostern miteinander zu feiern, war ein ganz besonderer Abschluss mit meinen Pfarren. Nach Ostern bin ich dann auf Weihe-Exerzitien, um mich auch geistlich gut auf den Tag vorbereiten zu können.
Und ich freue mich jetzt schon auf gute Begegnungen mit vielen lebendigen Bausteinen unserer Kirche.
Interview: Alfred Jokesch & Katharina Grager
TV-Übertragung der Weihe
1. Mai, 10 Uhr, ORF III, Gottesdienst zur Weihe von Johannes Freitag zum Weihbischof von Graz-Seckau aus dem Grazer Dom.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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