Papst Franziskus reist in den Irak
Ein guter Moment

Das Christentum ist im Irak eine Minderheit.

Irak. Über die vielfältigen Herausforderungen einer hoffnungsvollen Papstreise in den Nahen Osten.

Papst Franziskus zeigt sich weiterhin entschlossen, Anfang März den Irak zu besuchen. Dabei steht seine 33. Auslandsreise nach einer anderthalbjährigen coronabedingten Abstinenz unter außerordentlichen Herausforderungen – nicht nur mit Blick auf die sensible religiöse und politische Situation in dem Krisenstaat. Sicherheitsfragen und die Corona-Pandemie machen die Visite riskant und schwierig.

In einem Kathpress-Interview erklärt der Nahost-Experte Martin Ehrmann, dass es für einen Besuch im Irak nie den perfekten Zeitpunkt gäbe, aber es ist „ein Moment, in dem die ganze Welt Hoffnung braucht, um aus Krisen herauszukommen. Und der Irak befindet sich in mehreren Krisen gleichzeitig. Insofern könnte man sagen: Es ist ein guter Moment.“

Für den Papst selbst und sein Gefolge droht vom Virus keine Gefahr. Die gesamte Entourage der römischen Kurie und der päpstlichen Personenschützer reist geimpft an. Außer der Schlussmesse sind nur wenige Termine mit größeren Menschenansammlungen geplant. Schwieriger als die Pandemie sehen die Organisatoren offenbar die Sicherheitslage. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“, 2017 für besiegt erklärt, gewinnt wieder Schlagkraft; der Anschlag vom 21. Jänner 2021 im Zentrum Bagdads mit 32 Toten war nur der größte von vielen. Franziskus will die einstige IS-Hochburg Mossul ebenso besuchen wie die Stadt Karakosch, aus der die Islamisten zehntausende Christen vertrieben.

Von den rund 39 Millionen Einwohnern des Irak sind mindestens 98 Prozent Muslime. Rund zwei Drittel davon sind Schiiten, ein Drittel Sunniten. Vor dem Einmarsch der USA 2003 soll es im Land noch eine Million Christen gegeben haben. Diese Zahl ist seither – verursacht durch zahlreiche Gewaltwellen und die allgemeine schlechte Lage – dramatisch zurückgegangen. Dazu der Nahost-Experte Ehrmann: „Die Christen im Irak leiden unter extremen Schwunderscheinungen – und das nicht erst seit dem sogenannten ‚Islamischen Staat‘. Schon vorher gab es einen Exodus der christlichen Minderheit. Für sie ist der Papstbesuch ein ganz starkes Zeichen, und es kann gut sein, dass er ihren Glauben an sich selbst nachhaltig stärkt.“ Die Schätzungen, wie viele Christen es noch im Land gibt, bewegen sich zwischen 200.000 und 300.000.

Die bedeutendste Kirche im Land ist die chaldäisch-katholische (67 Prozent). Weitere einheimische Kirchen sind die Apostolische Kirche des Ostens (20 Prozent), die syrisch-orthodoxe und syrisch-katholische Kirche (zusammen 10 Prozent) sowie die armenisch-apostolische und armenisch-katholische Kirche. Dazu kommen noch einige wenige Gläubige anderer Kirchen, etwa der römisch-katholischen oder auch von Kirchen der reformierten Tradition.

Trotz dieses Minderheitenstatus betonen Vertreter anderer Glaubensrichtungen, dass Christen ein fundamentaler Teil der Gesellschaft sind, so Ehrmann. Auch der Papst habe kein schlechtes Image. Die irakische Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Andererseits ist genauso festgeschrieben, dass kein Gesetz dem Islam widersprechen darf. Das führt in der Praxis immer wieder zu Problemen und Diskriminierung der Minderheiten.

Obwohl die Lage heikel ist, äußert Ehrmann Hoffnung auf den Erfolg des Papstbesuches: „Mein persönlicher Eindruck ist, dass dieser Papst in der Lage ist, sich in so einem komplizierten Kontext zu bewegen und die richtigen Worte zu finden.“

Kathpress

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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