Konzil von Nicäa
Um des Kaisers Bart?
- Das Evangelium nimmt bei einem Konzil den Platz in der Mitte ein, nicht der Papst und auch nicht der Kaiser. So wird sichtbar – wie es diese Ikone von Michael Damaskenos aus dem 16. Jahrhundert schön zeigt –, dass Jesus Christus im Zentrum aller kirchlichen Beratungen stehen soll.
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Wozu ein Konzil gut ist und womit es sich beschäftigt, wurde bei der Kirchenversammlung in Nicäa im Jahr 325 grundgelegt.
Religiöse Streitfragen erscheinen nicht wenigen ein Streit „um des Kaisers Bart“ zu sein. Nicht selten wird die Auffassung vertreten, dass man sich mit einer Vielfalt von Meinungen und religiösen Ansichten abfinden müsse. Die Wahrheit entziehe sich ja unserer Erkenntnis – gerade im Bereich der Religion und des Glaubens.
In dieser Auffassung zeigt sich nicht nur der Einfluss einer breiten Strömung des gegenwärtigen Denkens. Es scheint auch einer toleranten Haltung zu entsprechen, die ja nicht zuletzt von Christen gefordert sei. Und so müsste man dann auch die Frage offenlassen, ob Jesus – wie in der christlichen Lehre festgehalten – Gott oder eben nur ein besonderer Mensch sei.
Die Kirche ist einen anderen Weg gegangen. Sie will und kann eine so wichtige Frage nicht einfach offenlassen. Das zeigte sich in den ersten nachbiblischen Jahrhunderten in heftigen theologischen Auseinandersetzungen. Aber wie kommt die Glaubensgemeinschaft der Kirche zu einer verbindlichen Aussage, zu einer gemeinsamen Antwort auf die Frage, woran die Kirche eigentlich glaubt und wie sie ihren Glauben lebt?
Die Lösung des Problems war das Konzil bzw. die Synode. Das war und ist bis heute – bei allen Veränderungen, die es gegeben hat – eine Versammlung von Amtsträgern der Kirche, also vor allem, aber nicht nur der Bischöfe. Heute wird ein Konzil vom Papst einberufen. Was das Konzil von Nicäa betrifft, hat der römische Kaiser Konstantin Einfluss genommen. Er hatte naturgemäß Interesse an der Einheit seines Reiches, die durch die Einheit im Glauben gestützt werden sollte. So hat er durchaus in die Diskussionen des Konzils eingegriffen. Dafür, dass er das Konzil einberufen hat, gibt es jedoch keinen Beleg. Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass sich Konzilien nicht nur mit Glaubensfragen befassen, sondern auch mit praktischen Regelungen. In Nicäa ging es z. B. auch um einen einheitlichen Ostertermin.
Wenn ein Konzil eine für die ganze Kirche verpflichtende Lehraussage formuliert, dann spricht man heute von einem Dogma oder einem dogmatischen Text oder Dokument. Das Konzil von Nicäa hat den Begriff Dogma noch nicht gekannt, aber es hat ein Glaubensbekenntnis formuliert, das nicht nur für die ganze Kirche verbindlich ist, sondern zur Grundlage unseres heutigen „Großen Glaubensbekenntnisses“ geworden ist.
Wichtig ist auch, dass man in der offiziellen Sprache der Kirche nicht sagt, ein Konzil werde veranstaltet oder abgehalten, sondern es wird gefeiert, zelebriert – wie man es bei der Heiligen Messe sagt. Deshalb wird am Beginn eines Konzils das Evangelienbuch feierlich in die Kirche getragen und auf einem Ambo in der Mitte „inthronisiert“ – wie ein Herrscher auf seinem Thron soll Jesus Christus, das Wort Gottes, Mitte und Maßstab sein.
Bernhard Körner
Bernhard Körner ist emeritierter Univ.-Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät der Universität Graz und Mitglied der Päpstlichen Theologischen Akademie.
Konzil von Nicäa
Wo?
Die Stadt Nicäa (altgriech.:
Nikaia) lag etwa hundert Kilometer südöstlich von Byzanz (Istanbul) und unweit der kaiserlichen Residenzstadt Nikomedia (İzmit) in Kleinasien.
Wann?
Ab Ende Mai des Jahres 325 tagte diese erste gesamtkirchliche Versammlung. Ihren Abschluss fand sie nach knapp zwei Monaten am 25. Juli mit einem Bankett anlässlich des Jahrestages von Kaiser Konstantins Thronbesteigung.
Wer?
Kaiser Konstantin hatte alle 1800 Bischöfe seines Reiches zur Teilnahme aufgefordert. Zwischen 200 und 300 von ihnen sind der Einladung gefolgt. Deren Reisespesen übernahm der Kaiser. Jeder von ihnen durfte zwei Presbyter und drei Diakone mitbringen, die Gesamtteilnehmerzahl betrug etwa 2000 Personen.
Woher?
Die meisten Bischöfe waren aus den östlichen Provinzen des Reiches, von den weströmischen Kirchen kamen nur sieben. Der Bischof von Rom, Silvester I., schickte lediglich zwei Presbyter als Delegierte.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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