Kirche Steiermark
Inneres Leuchten
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Die Pfarrkirche Feldkirchen bei Graz erstrahlt nach einer intensiven Innenrenovierung in neuem Licht.
Mehr Licht!“, war der Wunsch von Pfarrer und Pfarrgemeinde vor der Renovierung des Innenraumes der gotischen Pfarrkirche mit ihrer qualitätvollen Barockausstattung. Zudem sollte das liturgische Zentrum mit einem sichtbarer integrierten Taufort neu geordnet und besser mit dem Raum der Gottesdienstgemeinde verknüpft werden.
Dass Gott in der Schönheit des Lichtes erahnbar wird, war schon die spirituelle Erfahrung des Mönches Pseudo-Dionysius Areopagita (um 500 n. Chr.), der mit seinen philosophischen Abhandlungen die sakrale Kunst auch noch viel späterer Zeiten inspirierte. Waren es in der Gotik die Buntglasfenster, die das Kircheninnere in einen strahlenden Lichtraum verwandelten, so veredelte die Barockzeit durch Vergoldung der Oberflächen von Statuen und Dekorelementen die skulpturalen Formen, um durch funkelnde Lichtreflexion eine sinnliche Erahnung von Transzendenz zu vermitteln.
Der Künstler Kurt Straznicky, ein gebürtiger Grazer mit engem Bezug zu Feldkirchen, verfolgt diese Spur mit einem Material unserer Zeit weiter. Schon seit vielen Jahren arbeitet er mit Bildplastiken aus Epoxidharz und darin eingegossenen Negativformen, die auf faszinierende Weise erst durch ihre Licht- und Schattenwirkung erkennbar werden.
In der dem heiligen Johannes dem Täufer geweihten Kirche transformiert der Künstler die Vorstellung von Quellen und Wasserströmen in ein assoziationsreich-lebensvolles Bild sich erweiternder und verjüngender, aus einer geöffneten Grundfläche aufsteigenden Hohlräume im Inneren der durchscheinenden, goldgelb strahlenden Skulpturen, die das Licht im Raum zu bündeln und aus ihrem Inneren zu leuchten scheinen. Der Täufer wird im Johannesevangelium als prophetische Lichtgestalt charakterisiert, der von sich weg auf den Gottessohn Jesus Christus als „das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet“ (Joh 1,9) verweist.
Die Zahl der dynamisch geschwungenen Freiräume im Inneren von Altar und Ambo folgt zwar primär formal-ästhetischen Überlegungen. Die fünf Öffnungen, die wie ein Nachklang des Schwunges der gotischen Gewölberippen den Stipes unter der Altarplatte durchdringen, lassen sich aber auch als Wundmale des Gekreuzigten interpretieren, während die Dreizahl am Ambo als Hinweis auf das Geheimnis der Trinität, das sich in der Verkündigung des Evangeliums ausspricht, gelesen werden kann.
Die erneuerte Mitte der Pfarrkirche verändert ihre Wirkung in den unterschiedlichen Lichtsituationen des Jahres- und Tageslaufes und bei jeder Veränderung der Blickrichtung in dynamisch-lebensvoller Kraft. Sie lädt zur Meditation des Mysteriums des Lebens ein, von dem jeder gebaute Kirchenraum kündet.
Alois Kölbl/Red.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.