Stichwort: Jägerstätter
Die Tochter eines Seligen

„Ein verborgenes Leben“ – Der US-amerikanische Kultregisseur Terrence Malick setzte Franz Jägerstätter ein filmisches Denkmal. Dessen Tochter Maria Dammer wirkte bei den Dreharbeiten im Jägerstätter-Haus (im Bild Valerie Pachner als Franziska Jägerstätter) beratend mit.  | Foto: Pandora Film
  • „Ein verborgenes Leben“ – Der US-amerikanische Kultregisseur Terrence Malick setzte Franz Jägerstätter ein filmisches Denkmal. Dessen Tochter Maria Dammer wirkte bei den Dreharbeiten im Jägerstätter-Haus (im Bild Valerie Pachner als Franziska Jägerstätter) beratend mit.
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Maria Dammer, die zweitälteste Tochter von Franziska und Franz Jägerstätter, ist im 87. Lebensjahr verstorben.

Bis vor wenigen Monaten hat Maria Dammer noch Besucher- und Pilgergruppen aus dem In- und Ausland im Jägerstätter-Haus im oberösterreichischen St. Radegund empfangen. Am 18. Juli ist sie im Krankenhaus Braunau gestorben. Sie habe „die Menschen hineingenommen in das Lebens- und Glaubenszeugnis ihrer Eltern“, schrieb Bischof Manfred Scheuer in einer ersten Reaktion.
Franz Jägerstätter (* 20. Mai 1907), Bauer und Mesner, war entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und weigerte sich aus Glaubensgründen, mit der Waffe für das NS-Regime in den Krieg zu ziehen. Daraufhin wurde er vom Reichskriegsgericht in Berlin wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tod verurteilt und am 9. August 1943 enthauptet. Am 26. Oktober 2007 wurde er im Linzer Mariendom seliggesprochen. Seine Frau Franziska hatte ihn stets in seiner Glaubensentscheidung bestärkt und bis zuletzt zu ihm gehalten. Sieben gemeinsame Jahre waren dem Ehepaar geschenkt. Franziska überlebte ihren Franz um 70 Jahre.

Bin ich schon hundert?
Maria Dammer wurde 1938 als zweite von drei Töchtern geboren. Aufgrund eines angeborenen Hüftleidens konnte sie keine schwere Arbeit verrichten. Während ihre beiden Schwestern Rosalia (*1937) und Aloisia (*1940) Bäuerinnen wurden, durfte sie die Handelsschule besuchen. Danach arbeitete sie in verschiedenen Betrieben im Büro, ab 1963 in der Gemeinde Hochburg-Ach am Standesamt und in der Buchhaltung. 1972 heiratete sie Hermann Dammer, die Ehe blieb kinderlos.
1977 zog Marias Mutter bei ihnen ein, das Ehepaar betreute sie liebevoll bis zu ihrem Tod. Noch wenige Tage davor, am 4. März 2013, hatte Franziska Jägerstätter mit großer Freude ihren 100. Geburtstag gefeiert. „Da waren noch der Landeshauptmann und der Bischof bei ihr“, erinnert sich Maria Dammer: „Sie fragte mich dauernd: ‚Bin ich schon hundert?‘, denn ihre Mutter schaffte auch hundert Jahre und vier Tage.“ Marias Ehemann starb zwei Jahre später.

Der Vater war immer ein Vorbild
Ihren Vater kannte Maria Dammer hauptsächlich aus den Erzählungen der Mutter. Als er hingerichtet wurde, war Maria knapp fünf Jahre alt. „Ich weiß noch, wie meine Mutter den Brief vorgelesen hat, dass das Todesurteil vollstreckt wurde. Da saßen wir in der Stube und ich kann mich erinnern, dass wir alle sehr geweint haben.“
Ihre Mutter habe die Entscheidung des Vaters „akzeptiert und mitgetragen“, auch als alle anderen auf ihn einredeten und versuchten, ihn umzustimmen. Eine Nachbarin, berichtet Maria Dammer, habe einmal erzählt, dass sie immer händchenhaltend in die Kirche gegangen seien, was damals nicht üblich war: „Meine Eltern waren ein ungewöhnliches Paar für die damalige Zeit. Sie konnten ihre Gefühle zeigen.“
Der Vater sei für Maria Dammer immer ein Vorbild gewesen, sagt auch Jägerstätter-Biografin Erna Putz, „ein Vorbild im Glauben, im Vertrauen auf Gott, in Gewissensentscheidungen.“ Die Seligsprechung war für Dammer ein großes Ereignis, wie sie 2018 erzählte: „Es war schon eine Ehre, einen seligen Vater zu haben. Aber für uns war er schon immer ein Heiliger, soweit wir das halt begriffen haben. – Wenn man es schafft, in seiner Situation noch allen zu verzeihen, muss man ja ein Heiliger sein“, meinte die Tochter des Seligen.
„Überwältigend, aber hart für uns“

2019 wurde beim Filmfestival in Cannes der Film „Ein verborgenes Leben“ von Starregisseur Terrence Malick präsentiert. Die drei Jägerstätter-Töchter hatten ihn bereits vor der Premiere sehen dürfen, Valerie Pachner, die im Film deren Mutter verkörpert, hatte dabei die Textpassagen gedolmetscht. „Das war ein sehr spezieller Moment für mich, den Film mit den Töchtern zu sehen – es war wahnsinnig bewegend“, erinnert sich die Schauspielerin. „Überwältigend, hart für uns, aber großartig gemacht“, schilderte Maria Dammer die emotionale Herausforderung dieser ersten Vorführung.

Sie erzählte von den Dreharbeiten im Jägerstätter-Haus: „Da haben sie gerade die Szene im Schlafzimmer gedreht. Und da hab ich Valerie frisiert und ihr einen Knoten gemacht, wie ihn die Mutter immer gehabt hat.“ Diese Begegnung entwickelte sich zu einer innigen Freundschaft.
„Auch das Franz und Franziska Jägerstätter Institut war von Beginn an sehr mit Maria Dammer verbunden“, erinnert sich dessen Leiter Andreas Schmoller. Er habe vor allem „ihre tiefe Bescheidenheit, ihre Aufrichtigkeit und den freundschaftlichen Umgang“ geschätzt.

Quelle: Kathpress

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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