3.Fastensonntag 26: P. Leonhard Obex
Zum Wasser des ewigen Lebens gelangen

Herr, Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe. Bild: Jesus und die Samariterin am Jakobsbrunnen.   | Foto: Leopold Schlager
  • Herr, Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe. Bild: Jesus und die Samariterin am Jakobsbrunnen.
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Meine Großmutter hat mir oft erzählt, dass früher die Brunnen im Dorf der Treffpunkt schlechthin waren. Man hat die Tiere dorthin zur Tränke getrieben, das Trinkwasser geholt, wenn man keinen eigenen Brunnen hatte, und teilweise wurde dort sogar die Wäsche gewaschen. Wenn wir diese Tatsache in der Geschichte unserer Dörfer betrachten, können wir sehr gut nachvollziehen, wie wichtig damals ein Brunnen – das Wasser – besonders in den wasserarmen Regionen war.

Unser Brunnen im Evangelium hatte aber auch noch eine andere entscheidende Bedeutung, nämlich eine geschichtliche. Es war der Brunnen des Urvaters Jakob und somit ein gemeinsamer Hintergrund für die ansonsten zerstrittenen Juden und Samariter. Die Bewohner von Samarien wurden von den Juden als Heiden/Ungläubige betrachtet und deshalb wurde der Umgang mit ihnen gemieden. Und genau an diesem Brunnen versucht nun der Jude Jesus mit der samaritischen Frau ein Gespräch zu beginnen. Es geht um den Durst und Jesus weiß, dass diese Frau nicht nur Wasser braucht, um ihren physischen Durst zu stillen, sondern vor allem braucht sie das „Wasser des ewigen Lebens“. Und die Frau spürt in diesem Menschen, der eigentlich sie um etwas zum Trinken gebeten hat, dass sie von ihm – von Jesus – mehr bekommen kann, als sie ihm geben kann.

Quelle Jesus Christus

Und hier kommt für mich wieder das Bild des Brunnens zum Tragen. Um zum Wasser zu kommen, muss ich heraufschöpfen, ich muss mich darauf einlassen – mir fließt das Wasser nicht zu, sondern ich muss mir das holen, was ich brauche. Im übertragenen Sinne ist für die samaritische Frau Jesus ein Brunnen geworden, wenn er von sich selbst sagt: „Wer von diesem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben ...“ Oberflächlich betrachtet sicherlich ein Unfug, denn wir wissen alle, dass ein Mensch nicht mehr als zwei, drei Tage ohne Wasser überleben kann, das betrifft aber unseren Körper. Aber wie schaut es jetzt mit unserer Seele aus? Viele Menschen behaupten heute, sehr gut ohne Gott auszukommen und die Realität und Praxis gibt ihnen auch Recht. Doch was passiert, wenn wir an eine Grenze stoßen, wo wir uns nicht mehr alles zurechtlegen oder kaufen können? Dann fängt nämlich unsere Seele anständig zu dursten an und genau in solchen Momenten ist es dann wichtig, gerüstet zu sein, eine Quelle zu haben, wo man diesen Durst stillen kann, und diese Quelle ist für uns Jesus Christus.

Was passiert, wenn wir an eine Grenze stoßen? Dann fängt unsere Seele zu dursten an und in solchen Momenten ist es wichtig, eine Quelle zu haben.

Aber wir müssen eben auch – um auf das Beispiel mit dem Brunnen zurückzukommen – in die Tiefe gehen. Wir müssen etwas dafür tun, um zum Wasser des ewigen Lebens zu gelangen. Denn hier kommt auch wieder unser freier Wille zum Tragen. Christus bietet uns unheimlich viele Reichtümer an, aber er zwingt sie uns nicht auf. Wir müssen uns um unseren Lebensbrunnen selber kümmern. Jeder, der einen eigenen Brunnen am Hof hat, weiß, dass dieser auch einer ständigen Pflege bedarf: Man muss den Wasserstand prüfen, schauen, dass keine Verunreinigungen auftreten usw.

Chance Fastenzeit

Und genauso ist es mit unserem Lebensbrunnen. Wir müssen schauen, ob genügend Wasser vorhanden ist und wenn nicht, dann muss ich eben dafür sorgen, wie ich meinen Wasservorrat wieder aufbessern kann. Die Fastenzeit ist sicherlich eine gute Gelegenheit, um meinen persönlichen Wasserstand zu prüfen und eben – falls nötig – zu regulieren. Dieses Verbessern kann jetzt darin bestehen, dass ich mir mehr Zeit nehme für meine Beziehung zu Gott, dass ich versuche, ohne großes Aufsehen anderen Menschen zu helfen, dass ich mich mehr in die Heilige Schrift vertiefe oder einfach, dass ich mir selbst etwas Gutes tue. Und das wünsche ich uns allen, dass bis zum Auferstehungsfest unseres Herrn alle unsere Lebensbrunnen soweit überprüft sind, dass wir mit genügend Wasser unseren Lebensweg weitergehen können.

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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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