26. Sonntag 2025: Mag. Alexander Fischer
Wer vor Gott wirklich reich ist

Der Meister des „Goldenen Codex“ in Echternach stellt die Lazarus-Geschichte wie in einem Comic in drei aufeinanderfolgenden Szenen dar: Lazarus vor der Tür des Reichen – Lazarus stirbt, Engel tragen seine Seele in den Schoß Abrahams – der Tod des reichen Mannes und seine absolute Verdammnis. | Foto: The Yorck Project (2002) / gemeinfrei
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  • Der Meister des „Goldenen Codex“ in Echternach stellt die Lazarus-Geschichte wie in einem Comic in drei aufeinanderfolgenden Szenen dar: Lazarus vor der Tür des Reichen – Lazarus stirbt, Engel tragen seine Seele in den Schoß Abrahams – der Tod des reichen Mannes und seine absolute Verdammnis.
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Zweimal werden im Evangelium dieselben Personen geschildert: der reiche Prasser und der arme Lazarus. Ein lebendiges Bild entsteht wahrscheinlich vor unserem geistigen Auge, wenn wir die Schilderung hören oder lesen. Sehr detailreich wird von Jesus der Reichtum des Mannes geschildert; sein luxuriöser Lebensstil erscheint uns fast mit Händen greifbar. Noch ausdrucksstärker wird der arme Lazarus gezeichnet: Er liegt draußen vor dem Haus; und anstatt dass er vom Abfall der Speisen essen, sozusagen daran „lecken“ könnte, lecken die Hunde an seinen Geschwüren. Zwei Personen, zwei Leben, zwei Schicksale, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Ebenso ausdrucksstark ist dann die zweite Schilderung dieser Personen: Da ist der arme Lazarus, der in Abrahams Schoß aufgenommen wird bzw. der, anders übersetzt, an Abrahams Brust zu Tische liegt. Und da ist der Reiche, der höllische Feuerqualen erleiden muss. Die Sachlage hat sich radikal verändert. Nun ist der ehemals Reiche arm und „draußen“, während Lazarus reich und „drinnen“ ist. Im ersten Bild hat Lazarus sehnsuchtsvoll in das Haus des Reichen geschaut, jetzt blickt der Reiche sehnsuchtsvoll zu Lazarus.

Für Gott zählen andere Dinge

Die Erzählung Jesu will offenlegen, wer vor Gott wirklich reich und wer wirklich arm ist. Und hier stellt sich der Sachverhalt oft gerade umgekehrt dar. Für Gott zählen andere Dinge, bestimmen andere Faktoren den Reichtum einer Person, nicht der Kontostand oder Lebensstil. Bei Gott zählen andere Maßstäbe und wenn wir vor ihn hintreten, erkennen wir, wie es wirklich um unseren Reichtum steht. Der heilige Johannes Chrysostomus, ein großer östlicher Kirchenvater, gebraucht das Bild von Schauspielern, die Masken tragen: Wenn das Stück zu Ende ist, legen sie ihre Masken ab; und dann erkennt man, wie sie darunter wirklich aussehen – und das kann ganz konträr sein zu dem, was die Maske zeigt. Ja, hinter einer schönen Maske kann sich, so der Kirchenvater, auch ein unschönes Gesicht voller Geschwüre verbergen.

Der Reichtum kann die Gefahr beinhalten, ihn als Maske zu verwenden, um die unschönen Stellen in unserem Inneren zu kaschieren, sich nicht wirklich damit auseinanderzusetzen. Das heutige Evangelium ist eine Einladung an uns, unseren Reichtum nicht dafür einzusetzen. Wir müssen nicht alles, was wir besitzen, hergeben, aber wir sollen gut damit umgehen, sollen unseren Reichtum nicht dazu benutzen, Masken herzustellen und uns vor unserer Umwelt zu verschließen oder nach außen nur ein verzerrtes Bild von uns selbst zu zeigen.

Jesu Schicksal wie Lazarus

Die Erzählung Jesu hat schließlich einen zweiten Gipfelpunkt in der Forderung eines Zeichens. Hier ist Jesus ganz nüchtern: „Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören.“ Und: „Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.“ Jesus nimmt damit sein eigenes Geschick vorweg. Er selbst ist der, der Mose und die Propheten mit Vollmacht auslegt – und er stößt auf Ablehnung! Er selbst ist schließlich auch der, der wie Lazarus „vor dem Haus“ liegt, wenn er „vor den Toren der Stadt“ gekreuzigt wird; und er ist der, der nach drei Tagen tatsächlich aufersteht.
Die Entscheidung, wie wir unser Leben gestalten, liegt bei uns. Wir können uns wie der reiche Prasser im Evangelium in uns und unserem Reichtum einigeln, uns schöne Masken zulegen, prächtige Fassaden vor uns aufbauen und die Augen vor unserer Umwelt verschließen. Oder wir können die Güter, die uns geschenkt sind, auch für andere einsetzen und dadurch nicht nur nach außen hin schön maskiert, sondern auch in unserem Inneren reich sein – ganz unabhängig von der Höhe unseres Vermögens.

Der Meister des „Goldenen Codex“ in Echternach stellt die Lazarus-Geschichte wie in einem Comic in drei aufeinanderfolgenden Szenen dar: Lazarus vor der Tür des Reichen – Lazarus stirbt, Engel tragen seine Seele in den Schoß Abrahams – der Tod des reichen Mannes und seine absolute Verdammnis. | Foto: The Yorck Project (2002) / gemeinfrei
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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