2.Fastensonntag 26: P. Leonhard Obex
Wann haben wir Tabor-Stunden erlebt?...
- Verklärungskirche am Berg Tabor in Israel.
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Wer hatte sie nicht schon einmal – eine Tabor-Stunde. Ein Erlebnis, ein Tag, eine Begegnung, bei der man sich innerlich wünschte, dass die Zeit stehenbleiben soll und dass dieses Glücksgefühl niemals vorbei geht. Genau eine solche Situation begegnet uns im heutigen Evangelium. Petrus, Jakobus und Johannes sind derart ergriffen und innerlich bewegt von den übernatürlichen Vorgängen am Berg, dass sie diese festhalten wollen, sogar Hütten wollen sie errichten, um dieses Glück zu bewahren.
Doch blicken wir in unser eigenes Leben. Wann haben wir solche Tabor-Stunden erlebt? Und wie haben wir versucht sie festzuhalten? Das geht natürlich nur gedanklich bzw. in unserem Herzen. Dass wir quasi für die schlechten Zeiten unseres Lebens positive Reserven ansparen. Ich persönlich kann meine Priesterweihe und Primiz als absolute Tabor-Stunde bezeichnen und gerade, wenn es bei meinen Aufgaben als Seelsorger schwierig wird oder ich mit unvorhersehbaren Dingen zu tun habe, ist es hilfreich, an diesen Beginn meiner priesterlichen Tätigkeit zurückzublicken. An jenen Tag, an dem mich Gott quasi, wie damals die Apostel, in ein besonderes Licht gehüllt und mir die Kraft geschenkt hat, meinen Weg zu gehen – hoffentlich in Treue bis zum Schluss.
Eines ist sicher: Wir sind in Gottes Hand geborgen und das dürfen wir nie vergessen.
Dieses Vertrauen und diese Dankbarkeit wollte ich auch durch meinen Primizspruch zum Ausdruck bringen aus dem 1. Korintherbrief: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin …“ Denn von alleine können wir uns diese Tabor-Stunden nicht schenken und durch nichts heraufbeschwören – es ist eine Gnade / ein Geschenk von oben, von Gott.
Doch eine solche Gnade hat jeder und jede von uns geschenkt bekommen im Sakrament der Taufe, bei der wir Kinder Gottes geworden sind. Etwas Größeres als diese Würde kann kein Mensch erlangen. Und deshalb gibt es auch einen wunderbaren Bogen vom Evangelium des Festes der Taufe des Herrn zur Stelle des 2. Sonntages der Fastenzeit. In beiden Abschnitten wird uns berichtet, wie eine Stimme aus der Wolke am Himmel sprach: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ Auf diesen Satz weise ich sehr gerne bei Tauffeiern hin, dass Gott auch zu uns diese Worte spricht: Du bist mein geliebter Sohn/meine geliebte Tochter, an dir habe ich mein Gefallen gefunden. Und wenn wir uns dieser Tatsache bewusst werden, dann können wir auch daran glauben, was Jesus zu seinen Aposteln gesagt hat: „Steht auf, habt keine Angst.“
Wir brauchen keine Angst haben
Wir dürfen und brauchen keine Angst zu haben, vor nichts, was in dieser Welt auch gerade vor sich geht. Seien es die angsteinflößenden Drohungen der großen Machthaber – der Diktatoren dieser Welt –, seien es wirtschaftliche Sorgen oder unvorhersehbare klimatische Veränderungen. Eines ist sicher: Wir sind in Gottes Hand geborgen und das dürfen wir nie vergessen. Das könnten wir uns für diese Fastenzeit vornehmen: Dass wir uns jene Situationen aufschreiben bzw. ins Gedächtnis rufen, bei denen Gott uns schon geholfen hat und wo wir auf eine besondere Art und Weise gestärkt wurden – Tabor-Stunden erlebten.
Erzählt es jedem ...
Und wenn Jesus seinen Jüngern gebot: „Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist“, so könnten wir uns besonders für die nächsten Tage und Wochen vornehmen: Erzählt JEDEM, dass wir durch die Taufe in das Licht der Gnade und Liebe Gottes getaucht wurden und so an der Auferstehung teilhaben werden. Amen.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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