Pfingsten: Bischof Alois Schwarz
Pfingsten - ein Fest der Sprachen
- Pfingsten: Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt ... Dieses Bildnis befindet sich im Pfarrhof Schönbach.
- Foto: Museum am Dom
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Als wir vor 50 Tagen Ostern gefeiert haben, da haben wir die unglaubliche Botschaft vom Tod und der Auferstehung Jesu vernommen. Das allein würde genügen, um Gottes Größe und Unbeschreiblichkeit zu demonstrieren. Eigentlich müsste dieses Ereignis in seiner Tiefe und Unbegreiflichkeit nicht mehr übertroffen werden. Tod und Auferstehung Jesu könnte ein Lebensprogramm der Meditation sein und wir würden nie fertig werden, dieses Geheimnis zu ergründen.
50 Tage nach Ostern feiern die Christinnen und Christen Pfingsten, das Fest der Initialzündung der Liebe, dass die Botschaft vom Tod und der Auferstehung Jesu hineingesprochen werden kann in unsere Welt.
Mehr denn je brauchen wir Menschen, die sich um diese Botschaft der Liebe und des Friedens in unserer und für unsere Welt bemühen. Es ist eine Botschaft, die gekennzeichnet ist von einer vielfältigen, facettenreichen, freundlichen, liebevollen, herzerwärmenden, fröhlichen und vor allem interessanten Sprache. Um in der Sprache des Herzens, in der Sprache Gottes reden zu können, schenkt Jesus den Jüngern den Heiligen Geist. In der ersten Lesung heißt es: „Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab“ (Apg 2,4).
„Wer diese Sprache beherrscht, ist bereit zur Versöhnung“
Es ist eine Sprache, die die nationalstaatlichen Sprachgrenzen dieser Welt sprengt. Sie kann in allen Ländern der Welt gesprochen werden und wird von Herz zu Herz trotz unterschiedlicher Ländersprachen verstanden. Unsere Welt braucht – mehr denn je – die Kraft des Heiligen Geistes, aus der heraus wir zugehen auf ein neues, liebevolles und versöhntes Miteinander. Wer diese Sprache beherrscht, ist bereit zu Versöhnung und bereit für den Frieden. Es sind jene Menschen, die einander beistehen, die einen gewaltfreien Umgang miteinander pflegen und erleben, dass eine Kraft in ihnen ist, die sie über sich selbst an liebevoller Zuwendung zu anderen hinauswachsen lässt. Die Christinnen und Christen nennen diese Kraft Gott. Denn Gott selbst ist es, der in uns wirkt, wenn wir bereit sind zu Frieden und Versöhnung. In der zweiten Lesung heißt es dazu: „Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen“ (1 Kor 12,6).
Die Wirkkraft des Heiligen Geistes ist die Steigerung und Krönung von Ostern. Durch den Tod und die Auferstehung Jesu wurden von Gott Kräfte freigesetzt, die uns Menschen unterstützen in der Trübsal des Alltags, im Leiden und Sterben dieser Welt nicht unterzugehen, sondern aus der Kraft Gottes heraus das Feuer der Liebe und des Friedens hineinzutragen in die Welt.
Unsere Welt braucht – mehr denn je – die Kraft des Heiligen Geistes, aus der heraus wir zugehen auf ein neues, liebevolles und versöhntes Miteinander.
Im Evangelium verkündet Jesus zweimal den Frieden. Immer dort, wo etwas Großes, etwas Besonderes beginnt, verkündet Gott durch seine Engel oder seinen Sohn Jesus den Frieden. Der Gruß des Friedens ist meist die Antwort auf die Angst der Menschen, die eine Begegnung mit Gott erfahren. Denken wir an Maria, als ihr der Engel die Botschaft der Geburt Jesu verkündete. Oder erinnern wir uns an die Hirten auf dem Feld, die erschraken, als der Himmel ganz hell erleuchtet war. Auch als Jesus den Jüngern nach seinem Tod erschien, war sein Gruß eine Botschaft des Friedens.
Zu Pfingsten hören wir nun im Evangelium:
„Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20,21).
Verbunden mit diesem Friedensgruß ist ein Auftrag, nämlich der Auftrag Jesu an die Jünger in die Welt hinauszuziehen und sein Leben und Wirken, seinen Tod und seine Auferstehung zu verkünden. Damit ergeht dieser Auftrag auch an uns alle. Wir sind heute gefragt, die Botschaft der Liebe und des Friedens in der Sprache Gottes hinauszutragen. Gestärkt werden wir an diesem Pfingstfest erneut mit der Kraft des Heiligen Geistes. Lassen wir uns anstecken von seiner Größe und Stärke. Beobachten wir uns selbst in der Wahl unserer Worte, in dem, was wir über andere sprechen, nehmen wir wachsam wahr, welche Botschaft der Liebe und des Friedens wir in unseren Alltag einbringen wollen, sodass die Menschen an uns die Sprache Gottes lernen.
Pfingsten ist ein Fest der liebevollen Worte in den unterschiedlichen Sprachen unserer Herzen. Schenken wir einander den Frieden und die Versöhnung durch die Bereitschaft zu verzeihen und einen Neubeginn zu starten. Gottes Geist schenkt uns die Kraft, noch nie Dagewesenes, das uns über unsere eigene Begrenztheit wachsen lässt, zu ermöglichen. Lassen wir zu, dass uns Gott durch seinen Heiligen Geist berührt, und erzählen wir einander von ihm.
Ein gesegnetes Pfingstfest!
Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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