Pfarrer i. R. Herbert Schlosser
Hoffnung und Zuversicht vermitteln

Kuppel des Petersdoms in Rom: „TV ES PETRVS ET SVPER HANC PETRAM AEDIFICABO ECCLESIAM MEAM ET TIBI DABO CLAVES REGNI CAELORVM“ (Dt.: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und dir werde ich die Schlüssel des Himmelreichs geben“) Mt 16,18-19. | Foto: Julia Steinbrecht/KNA
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  • Kuppel des Petersdoms in Rom: „TV ES PETRVS ET SVPER HANC PETRAM AEDIFICABO ECCLESIAM MEAM ET TIBI DABO CLAVES REGNI CAELORVM“ (Dt.: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und dir werde ich die Schlüssel des Himmelreichs geben“) Mt 16,18-19.
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Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben.“ Diese beiden Sätze aus unserem Evangelium sind in riesigen Buchstaben auf Lateinisch in der Kuppel der Peterskirche in Rom zu lesen. Dadurch wird dieses Zitat immer wieder einzig und allein auf den Papst hin gedeutet. Und es ist im Lauf der Geschichte bis heute zu einem Stein des Anstoßes geworden. Andere christliche Kirchen haben nämlich nicht nur keinen Papst, sie lehnen ihn zum Teil auch ausdrücklich ab. Selbst innerhalb der katholischen Kirche gibt es namhafte Theologen, die das Papsttum sehr kritisch sehen.

So wollen wir uns fragen, welche Bedeutung der Petrus- und Papstdienst in unserer Kirche hat. Fest steht: Petrus hat von Jesus unter den Aposteln einen hervorragenden Platz bekommen. Jesus gibt ihm sogar einen neuen Namen. Aus dem Simon wird der Petrus, d. h. der „Fels“. Petrus war aber nicht deshalb ein Fels, weil er einen so felsenfesten Charakter gehabt hätte. Im Gegenteil: Petrus war eher labil, ja, er hat sogar öffentlich bei der Verhaftung von Jesus geleugnet, ihn überhaupt zu kennen.

Kirche braucht Papstdienst

Der Name Petrus, „Fels“, gilt also nicht seiner Person, sondern seinem Auftrag, den er vom auferstandenen Jesus bekommen hat: Er sollte die Kirche zusammenhalten: „Weide meine Lämmer. Weide meine Schafe“. Und genau diese Aufgabe ist auch heute von einer unschätzbaren Wichtigkeit. In diesem Sinn braucht die Kirche den Papst- und Petrusdienst!

Jesus hat auch den Auftrag an Petrus noch genauer festgelegt: „Stärke deine Schwestern und Brüder, wenn ihr Glaube zu wanken droht.“ Wesentlich ist, dass Pet-rus und der Papst den Glauben nicht nur verkünden, sondern ihn auch leben! Der Papst ist nicht Herr über unseren Glauben und er ist auch nicht Herr der Kirche. Das Bild von der Kirche als Pyramide, in der der Papst die Spitze ist, ist ein falsches und entspricht nicht dem Neuen Testament.

Die Kirche ist vielmehr eine Ebene, auf der keiner mehr ist als der andere. Jede und jeder haben dabei ihre von Gott gegebenen Talente und Aufgaben zum Helfen, Trösten, Ermahnen, Lehren und Leiten. Wir sind in diesem Sinn keine Papstkirche, wir sind die Kirche Jesu Christi!

„Weide meine Lämmer. Weide meine Schafe“.

Diese Aufgabe ist auch heute von einer unschätzbaren Wichtigkeit.
Und so haben jede und jeder in der Kirche auch ihre besondere Berufung. Der Papst etwa übt den Petrusdienst aus. Das schließt aber ein, dass sich auch er einer kritischen Beurteilung stellen muss – wie jede und jeder andere auch. Jesus selbst hat Petrus kritisiert und ihn, das wird uns im Evangelium des nächsten Sonntags vorgelesen werden, sogar Satan genannt, als er ihn, sicherlich gut gemeint, vom Weg des Kreuzes abbringen wollte. Auch von Paulus heißt es im Galaterbrief, dass er dem Petrus ins Angesicht widerstanden habe, als dieser nämlich aus Feigheit die Tischgemeinschaft mit den Christen, die aus dem Heidentum gekommen waren, ablehnte. Petrus hatte sich dabei an den jüdischen Speisevorschriften orientiert, die aber immer mehr durch die rasche Ausbreitung des christlichen Glaubens für überholt galten.

Im Mittelalter haben Heilige wie ein Bernhard von Clervaux und eine Katharina von Siena die Päpste wegen ihres Strebens nach Macht, Reichtum und Luxus heftig kritisiert. Ihre Kritik kam aus dem Glauben und ihrer Liebe zur Kirche heraus.

Was erwarten wir uns vom Papst? Viele wünschen sich vielleicht weniger zentralistische Gesetze und Verordnungen, die den Menschen ein oft nicht notwendiges Joch auflegen. Sie erwarten sich vielmehr Anregungen, wie man heute Christ sein kann in unserer weithin von anderen als den christlichen Werten beherrschten Welt.

Papst Leo XIV. möge uns helfen, immer mehr eine Kirche zu werden, wie sie Jesus gewollt hat. Er möge uns in diesem Sinn vorangehen in einer mutigen und liebevollen Weise. Nicht Angst und Resignation, sondern Hoffnung und Zuversicht soll er fördern. Ich denke, gerade dadurch wird er seinen Petrusdienst in einer der Kirche und der Welt zum Segen werdenden Weise ausüben!

Kuppel des Petersdoms in Rom: „TV ES PETRVS ET SVPER HANC PETRAM AEDIFICABO ECCLESIAM MEAM ET TIBI DABO CLAVES REGNI CAELORVM“ (Dt.: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und dir werde ich die Schlüssel des Himmelreichs geben“) Mt 16,18-19. | Foto: Julia Steinbrecht/KNA
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Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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