Wort zum Sonntag von Adalbert Balling/KNA
Geschenk an die Bescheidenen

Von der Schöpfung Gottes können wir eine aufrichtige und bescheidene Lebenshaltung lernen: „Herr, von der Sonnenblume möchte ich lernen, wie ich dir mein Gesicht zuwende“ (Christine Busta)
  • Von der Schöpfung Gottes können wir eine aufrichtige und bescheidene Lebenshaltung lernen: „Herr, von der Sonnenblume möchte ich lernen, wie ich dir mein Gesicht zuwende“ (Christine Busta)
  • Foto: Leopold Schlager
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Ich darf sagen, ich kam nie leer zurück, wenn ich unter Druck und Not Gott gesucht habe.“ Ob Johann Wolfgang von Goethe bei seiner Beobachtung gerade an die Stelle des heutigen Evangeliums dachte, in der es heißt: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt; ich werde euch Ruhe verschaffen“? Wir wissen es nicht. Denkbar wäre es. In seinem autobiografischen Werk „Dichtung und Wahrheit“ bemerkt der Weimarer Dichterfürst jedenfalls: „Die Bibel ist so voller Gehalt, dass sie mehr als jedes andre Buch Stoff zum Nachdenken und Gelegenheit zu Betrachtungen über die menschlichen Dinge darbietet.“ Und an anderer Stelle sagt er, er sei „überzeugt, dass die Bibel immer schöner wird, je mehr man sie versteht“.

Vor Gott gelten andere Werte

Immer wieder ist im Neuen Testament davon die Rede, dass Gott gerade denen, die Sorgen haben und in Armut leben, Trost und Frieden verspricht. Vorbedingung ist allerdings die Bescheidenheit und die Einfachheit derer, die um Hilfe bitten. Denn was den Weisen und Klugen verborgen bleibt, offenbart Gott den Unmündigen. Dafür preist Jesus seinen Vater, den Herrn des Himmels und der Erde, dessen Herrschaft „von Meer zu Meer und vom Eufrat bis an die Enden der Erde“ reicht (Sach 9,9-10).

Wenn Jesus die Unmündigen seligpreist, wenn er den Kindern den Himmel verheißt sowie den Geplagten und Notleidenden Ruhe und Frieden in Aussicht stellt – dann ist dies eine eindeutige Mahnung, dass uns
etwas Wichtiges abgeht, wenn wir immer nur uns selber in den Mittelpunkt rücken; wenn wir uns etwas Besseres dünken; wenn wir auf andere herunterschauen; kurzum, wenn wir es an Bescheidenheit fehlen lassen. Letztlich sind Jesu Worte eine direkte Einladung zur Einfachheit, aber auch zum Vertrauen auf den, dessen Joch süßer ist als der Prunk und Reichtum der Klugen und Mächtigen.

Diese Gedanken wurden im Laufe der Weltgeschichte immer wieder aufgegriffen, aber leider oft nur von wenigen beherzigt. C. G. Jung schrieb 1932, das Einfache sei immer auch das Schwierigste. Denn in Wirklichkeit sei Einfachheit „höchste Kunst“ und das Sich-selbst-Annehmen „der Kern einer ganzen Weltanschauung“.

Franz von Assisi, Mutter Teresa, Mahatma Gandhi, Nelson Mandela und andere dachten ähnlich. Sie alle wurden von der Botschaft Jesu beeinflusst. In Mandelas Buch „Bekenntnisse“ heißt es: „Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Einfachheit, Bescheidenheit, echte Großzügigkeit, das Fehlen von Eitelkeit, die Bereitschaft, anderen zu dienen – diese Eigenschaften bilden die Grundlage unseres geistigen Lebens.“ In diese Reihe gehört auch der heilige Papst Johannes XXIII., der das Evangelium dieses Sonntags ebenfalls zu seiner Lebensphilosophie machte: „Die größten Geheimnisse offenbart der Herr den Kindern und hält sie den Klugen und den sogenannten Weisen unserer Zeit verborgen.“

Vielleicht sollten wir öfters Gott um diese Werte bitten und uns dabei eingestehen, dass wir gerade aus Gottes Schöpfung, die es zu bewahren gilt, vieles lernen könnten. Dann könnten wir mit der österreichischen Dichterin Christine Busta beten: „Herr, von der Sonnenblume möchte ich lernen, wie ich dir mein Gesicht zuwende.“

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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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