2. Sonntag im Jahreskreis 2026, Pater Kettner SDB
Das Zeugnis des Täufers

Die Kirche Johannes der Täufer an der Taufstelle Qasr al-Yahud auf dem Gelände der Franziskaner am Jordan. | Foto: Andrea Krogmann/KNA
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  • Die Kirche Johannes der Täufer an der Taufstelle Qasr al-Yahud auf dem Gelände der Franziskaner am Jordan.
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Im Anfang war das Wort.“ (vgl. Joh 1,1a) Dieser markante Satz ist uns vertraut. So beginnt das Evangelium am Christtag. Es endet mit dem Zeugnis des Täufers Johannes, der über Jesus sagt: „Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.“ (vgl. Joh 1,15).

Das Evangelium vom Sonntag ist die Fortsetzung des oben angeführten Abschnitts. Wir finden es nur wenige Verse nach dem oben angeführten „Prolog“. Davor erklärt der Täufer auf die Fragen der zu ihm aus Jerusalem gesandten Priester und Leviten, wer er denn sei: „Ich bin nicht der Messias.“

Für uns ist es selbstverständlich, in Jesus den verheißenen Messias, zu wissen. Aber für die Zeitgenossen des Täufers war das nicht so.

Nicht nur ein Messias

Es gab damals so etwas wie einen Trend: etliche Juden traten vor das Volk und behaupteten, dass sie der erwartete Messias, der Gesalbte, wären. Nach Überzeugung von vielen wird er als politisch-militärischer Führer das Volk Israel von Fremdherrschaft befreien. Umstritten war, ob es ein Spross aus dem davidischen Königshaus sein wird oder, wie etwa in etlichen außerbiblischen Handschriften vom Toten Meer belegt, ein Hohepriester.
Beim Bekenntnis des Täufers Johannes „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“, ist keine Erwartung an einen politischen Akteur zu verspüren. Die Erwartung des Täufers geht weit darüber hinaus. Es gipfelt im Bekenntnis: „Dieser ist der Sohn Gottes!“

Der Geist Gottes ist es, der Jesus als den wirklichen Messias legitimiert.

Ein wenig stutzig macht seine Aussage „Auch ich kannte ihn nicht…“. Aus den anderen Evangelien wissen wir, dass Johannes und Jesus über ihre Mütter Elisabeth und Maria verwandt waren und sie sich sehr wohl gekannt haben.

Nun aber scheint Johannes an seinem Verwandten etwas Neues entdeckt zu haben. Er hört Gottes Stimme: „Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.“ Der Geist Gottes ist es, der Jesus als seinen Sohn bestätigt und der ihn als den wirklichen Messias legitimiert.

Ausgestattet mit dieser Geistkraft Gottes sammelt Jesus Jünger um sich, nimmt sich der Kranken, Armen und Sünder an und scheut nicht den Kontakt mit Zöllnern und Dirnen. Er wirkt Zeichen und Wunder und weist so hin auf das Kommen des Reiches Gottes.

Von falschen Messiassen

Heute bezeichnet sich kaum noch jemand als Messias. Aber das Handeln von nicht wenigen Machthabenden verrät deren innere Haltung und Überzeugung: Ich habe das Rezept, wie diese Welt zu funktionieren hat! Ich bin es, der eine neue Weltordnung bringt! Ich habe das Recht, über Tod und Leben anderer Menschen, ja ganzer Völker zu entscheiden!

Aber die Früchte solcher Haltungen sind nicht eine bessere Zukunft für alle, nicht Frieden und Gerechtigkeit, nicht die Sorge um die Hungernden und Verfolgten in dieser Welt. Es treibt sie die Gier nach Macht und Reichtum, nach Einfluss und Selbstbestätigung. Die Auswüchse solchen Handelns sehen wir: Krieg, Flucht und Vertreibung, wachsende Armut, Aushöhlung der Demokratie, das Völkerrecht wird mit Füßen getreten. Nur wenige profitieren wirtschaftlich und politisch. Das Wohl der Menschen insgesamt hat keine Bedeutung in ihrem Handeln.

Als Christen vertrauen wir trotz dieser besorgniserregenden Entwicklungen darauf, dass sich letztlich das Reich Gottes durchsetzen wird. Das Beispiel Jesu bleibt für uns gültig. Wie er sind auch wir seit der Taufe mit dem Geist Gottes beschenkt, sind Gottes Söhne und Töchter. Als einzelne und gemeinsam, als Kirche und mit allen Menschen guten Willens nehmen wir die Herausforderung an, aktiv an einer besseren Welt mitzuwirken.
Jeden Tag neu.

Autor: 
Pater Siegfried M. Kettner SDB, geb. 1963 in Waidhofen a. d. Ybbs, besuchte das Spätberufenenseminar Canisiusheim in Horn. 1985 trat er in den Orden der Salesianer Don Boscos ein. P. Siegi studierte Philosophie, Sozialpädagogik und Theologie in Benediktbeuern/Bayern, 1995 empfing er die Priesterweihe. Er wirkt in der Jugendbildungsarbeit, Jugend- und Berufungspastoral, war Pfarrer in Wien-Stadlau und ist seit 2020 Provinzial des Ordens. Weiters arbeitet er als Vorstandsmitglied in der Österreichischen Ordenskonferenz mit.

Die Kirche Johannes der Täufer an der Taufstelle Qasr al-Yahud auf dem Gelände der Franziskaner am Jordan. | Foto: Andrea Krogmann/KNA
P. Siegfried M. Kettner SDB | Foto: zVg
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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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