3.Sonntag im JK 26: P. Siegfried Kettner
Aus Fischern werden Menschenfischer

Der heilige Don Bosco (1815-1888) hat Turin in Italien gelebt. Dort kümmerte er sich um arme Kinder und Jugendliche. Sein Gedenktag ist am 
31. Jänner.  | Foto: Illustration: Petra Lefin/Don Bosco Medien München
  • Der heilige Don Bosco (1815-1888) hat Turin in Italien gelebt. Dort kümmerte er sich um arme Kinder und Jugendliche. Sein Gedenktag ist am
    31. Jänner.
  • Foto: Illustration: Petra Lefin/Don Bosco Medien München
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Das Evangelium führt uns an den Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu nach Galiläa. Hier geschieht Unerwartetes: in den Alltag der Fischer am See Gennesaret tritt Gott ein. Nicht durch ein Wunder, sondern durch das Wort Jesu.

Als Jesus den Brüderpaaren Simon Petrus und Andreas und Jakobus und Johannes begegnet, nutzt er ein Bild, das ihre gesamte Existenzgrundlage widerspiegelt: „Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen (Mt 4,19).“
Das Motiv des Menschenfischens ist mehr als eine bloße Metapher. Im biblischen Kontext ist das Meer – und als solches wird der See Gennesaret mit seinen oft heimtückisch auftretenden Stürmen bezeichnet und erfahren – ein Symbol für Chaos, Gefahr und lebensfeindliche Mächte. Einen Fisch aus dem Wasser zu ziehen, bedeutet in der Natur seinen Tod. Doch im geistlichen Sinn Jesu bedeutet es das Gegenteil: Menschen aus den Fluten der Orientierungslosigkeit, der Sünde und der Verzweiflung zu retten und sie in den Lebensraum Gottes zu führen.

Das Evangelium erinnert uns daran, dass Gott nicht die „Qualifizierten“ beruft, sondern die „Berufenen qualifiziert“.

Die Jünger verlassen „sofort“ ihre Netze. Das Netz steht hier symbolisch für die Bindungen an die Vergangenheit und materielle Sicherheit. Das „Menschenfischen“ erlangt eine Neuausrichtung: Weg vom bloßen Broterwerb, hin zum Dienst am Reich Gottes.
Don Bosco: Ein Menschenfischer im 19. Jahrhundert
In den nächsten Tagen wird vielerorts der Jugendheilige Don Bosco geehrt. Der Tag, der seinem Gedenken gewidmet ist, ist der 31. Jänner. Blicken wir in das 19. Jahrhundert nach Turin, sehen wir in Johannes Bosco einen modernen Petrus. Die industrielle Revolution hatte unzählige arme und orientierungslose Jugendliche in die Stadt gespült. Sie waren wie Fische, die in den gefährlichen Strömungen von Ausbeutung, Kriminalität und Hunger unterzugehen drohten.

Don Bosco verstand das Motiv des Menschenfischers auf eine zutiefst pädagogische Weise. Sein „Netz“ war das Oratorium. Er fischte die Kinder und Jugendlichen nicht mit Zwang, sondern mit „Amorevolezza“ (Liebenswürdigkeit) aus der Gosse. Wie Jesus zu den Fischern sagte „Folgt mir nach“, so signalisierte Don Bosco den Jugendlichen: „Ich bin für euch da.“ Er rettete sie nicht nur für das Jenseits, sondern gab ihnen durch Bildung und Zuwendung eine Würde im Hier und Jetzt. Er war ein Menschenfischer, der erkannte, dass man die „Fische“ zuerst lieben muss, bevor man sie lehren kann. Wie Jesus Jünger um sich versammelte, die ihn unterstützten und seine Sendung weiterführten, so gewann auch Don Bosco Menschen, die ihn in seiner Sorge um die jungen Menschen unterstützten. Er gründete Ordensgemeinschaften und Vereinigungen, die durch ihren Einsatz noch heute sein Anliegen lebendig erhalten.

Die Christen von heute: Zwischen Netz und Nachfolge

Was bedeutet dieser Ruf für uns im 21. Jahrhundert? Die „Seen“, in denen wir heute fischen, sind digitaler, hektischer und oft einsamer geworden. Viele Menschen drohen heute in den Fluten von Leistungsdruck, digitaler Reizüberflutung oder Sinnlosigkeit zu versinken.

Auch wir sind gerufen, unsere „Netze“ – unsere Bequemlichkeit und festgefahrenen Sicherheiten – zu verlassen, wenn sie uns hindern, dem Ruf des Gewissens zu folgen.
Menschenfischer heute zu sein bedeutet, wie Don Bosco Orte der Beheimatung zu schaffen. Es geht darum, Menschen dort abzuholen, wo sie sind – in ihren Zweifeln und Nöten.
Das Evangelium erinnert uns daran, dass Gott nicht die „Qualifizierten“ beruft, sondern die „Berufenen qualifiziert“. Die Fischer waren einfache Leute; Don Bosco war ein armer Bauernsohn. Auch wir müssen nicht perfekt sein, um Zeugnis abzulegen.

Der Ruf Jesu am See von Galiläa hallt durch die Jahrhunderte. Er fand in Don Bosco einen leidenschaftlichen Antwortgeber und wartet heute auf unsere Antwort. Menschenfischer zu sein heißt letztlich, das Netz der Hoffnung auszuwerfen. Es ist die Einladung, anderen zu helfen, festen Boden unter den Füßen zu finden im Vertrauen darauf, dass das Reich Gottes bereits mitten unter uns angebrochen ist.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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