Trauerfeier in Rom
Abschied von Papst Franziskus
- Sargträger legen am 23. April den offenen Sarg mit dem Leichnam von Papst Franziskus im Petersdom ab. Bei der Sargschließung wurde eine offizielle lateinische Pontifikats-Urkunde beigelegt. Sie enthält wichtige Stationen aus dem Leben und Wirken des Verstorbenen.
- Foto: Lola Gomez/Vatican Pool/KNA
- hochgeladen von Kirche bunt Redaktion
Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und mit einem gigantischen Aufgebot von 10.000 Sicherheitsbeamten fand im Vatikan die Trauerfeier für den verstorbenen Papst Franziskus im Beisein von 250.000 Menschen, darunter zahlreiche Staatsoberhäupter, statt.
Tagelang verabschiedete sich rund eine Viertelmillion Menschen persönlich von dem in einem schlichten Holzsarg
im Petersdom aufgebahrten Papst Franziskus. Am Tag des Begräbnisses, am 26. April, stellten sich über 250.000 Menschen auf dem Petersplatz ein, darunter Staats- und Regierungschefs aus aller Welt. Allen voran
US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj, die sich am Rande der Trauerfeierlichkeiten zu einem Vieraugen-Gespräch im Vatikan zusammensetzten.
Später bezeichnete Selenskyj dies als „ein gutes Treffen“, das „möglicherweise historisch werden könnte, wenn die vereinbarten Resultate erreicht werden“. Sollte dieses Gespräch tatsächlich den Weg für den Frieden in der Ukraine bereiten, dann wäre das ganz nach dem Geschmack des verstorbenen Papstes.
Kraftvolle Predigt
Auch die Predigt, die Kardinaldekan Giovanni Battista Re bei der Totenmesse hielt, hätte Franziskus wohl gefallen. Re zeigte sich als würdiger Vertreter der Anliegen des verstorbenen Papstes: „Angesichts der
vielen Kriege, die in diesen Jahren wüten, mit ihren unmenschlichen Gräueln, mit ihren unzähligen Toten und ihrer unermesslichen Zerstörung, hat Papst Franziskus unaufhörlich seine Stimme erhoben, um Frieden zu erbitten und zur Vernunft aufzurufen, zu ehrlichen Verhandlungen, um mögliche Lösungen zu finden“, erinnerte
Re in seiner außergewöhnlich kraftvollen Predigt. Vor US-Präsident Trump verwies Re auf Franziskus’ stete Forderung, Brücken zu bauen und keine Mauern.
Re würdigte den am Ostermontag gestorbenen Franziskus als einen spontanen Papst mit Temperament und einer ungezwungenen Art. Der Papst habe ein Charisma der Offenheit und des Zuhörens gehabt und seine Aufmerksamkeit besonders Menschen in Not gewidmet, sich unermüdlich vor allem für Benachteiligte eingesetzt. Er sei ein Papst gewesen, der mitten unter den Menschen war. Die Menschen folgten gebannt der Trauerfeier, die über die Großbildschirme auf den Petersplatz übertragen wurde. Bei der Predigt von Kardinal Re brandete immer wieder Beifall auf, ebenso, als der Sarg zunächst in den Petersdom getragen wurde und dann zu seiner letzten Fahrt durch die Stadt aufbrach.
Papst Franziskus war ein Papst, der mitten unter den Menschen war. Auch auf seiner letzten Reise.
Und auch auf seiner letzten Fahrt durch die römische Innenstadt war Franziskus nicht allein, 150.000 Menschen säumten die rund sechs Kilometer lange Strecke zur Basilika Santa Maria Maggiore, in der Franziskus beigesetzt werden wollte. Das weiße Papamobil mit dem einfachen Holzsarg nahm dabei keineswegs den kürzesten Weg.
Um kurz nach halb eins postierten sich die Ehrenformationen vor Santa Maria Maggiore: Sicherheitskräfte in Paradeuniformen und jene Gruppe von Armen, Migranten, Transpersonen, Opfer von Menschenhandel und Vertreter der Roma-Gemeinschaft , die dem Papst die letzte Ehre erweisen durften.
Dort kamen die Sargträger einen Moment ins Straucheln, bevor sie Franziskus in die Kirche trugen. Noch ein letztes Mal verweilte der Papst vor seiner Lieblingsikone „Salus Populi Romani“. Dann erst wurde er zu seiner letzten Ruhestätte getragen.
Von Milliarden Menschen in allen Teilen der Welt wurden die Trauerfeierlichkeiten in Rom im Fernsehen oder über die Sozialen Medien mitverfolgt. Besonders berührend gestaltete sich der Abschied von Papst Franziskus in seiner Heimatstadt Buenos Aires.
Als die TV-Übertragung der Trauerfeier vorbei war, machten sich tausende Menschen in Buenos Aires auf den Weg. An verschiedenen Sammelpunkten in der Stadt trafen sich Sozialvereine, Gewerkschaften und politische
Bewegungen. Die Menschen umarmten sich, es gab Tränen. „Wir werden ihn immer im Herzen behalten“, sagte eine Frau, die mit einem Porträtbild des Papstes gekommen war. Nach einem Requiem in der Kathedrale wanderten die Armenpriester in einer Karawane durch Buenos Aires auf Bergoglios Spuren.
Am Grab von Franziskus
Zehntausende besuchen in diesen Tagen das Grab von Papst Franziskus in der Papstbasilika Santa Maria Maggiore. Über dem Grab ist eine 410 Jahre alte Inschrift zu sehen, die aber mit dem jüngst verstorbenen
Kirchenoberhaupt nichts zu tun hat – oder nur indirekt. Sie wurde laut Schlusszeile von Papst Paul V. (1605-1621) am 8. Jänner 1615 in Auftrag gegeben und beginnt mit den Worten: „Papst Paul V. hat für das verehrungswürdige Bild der Muttergottes, welches nach alter und glaubwürdiger Überlieferung der
Evangelist Lukas gemalt hat, angegliedert an die Kapelle der Borghese, einen wunderbar ausgeschmückten Sitz errichtet und geweiht.“ Damit bezieht sich die Inschrift auf die Marien-Ikone „Salus Populi Romani“
(Heil des römischen Volkes) in der benachbarten Seitenkapelle. Vor dieser Ikone hatte Papst Franziskus während seiner zwölfjährigen Amtszeit über 100 Mal gebetet, vor allem vor und nach seinen Auslandsreisen, aber
auch nach seiner jüngsten Entlassung aus der Gemelli-Klinik Ende März.
Kardinäle sollen den finden, „von dem wir glauben, dass Gott ihn bereits kennt“.
In Rom begannen nach den Trauerfeiern die Beratungen der Kardinäle im sogenannten Vorkonklave. Dabei soll ausgelotet werden, „bis wohin Franziskus die Kirche geführt hat, welche Themen und Dossiers nun auf dem Tisch liegen und wie die Kirche in der heutigen Welt eine Botschaft der Hoffnung verkünden kann“, erklärte
Michael Max, Rektor des Päpstlichen Instituts Santa Maria dell‘Anima in Rom in der ORF-Sendung „Orientierung“. Erst nach diesen Gesprächen werde sich herausstellen, welche Anforderungen an den neuen Papst gestellt werden – Herkunft, Alter oder bisheriger Einsatz seien dabei „eher in zweiter Linie wichtig“. Entscheidend sei vielmehr die Fähigkeit, auf die aktuellen Herausforderungen der Kirche zu antworten. Die wichtigste Aufgabe der Kardinäle sei es, „die Stimme Gottes herauszuhören“ und den zu finden, „von dem wir glauben, dass Gott ihn bereits kennt“.
Wie zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe bestätigt wurde, wird das Konklave, bei dem die Kardinäle einen neuen Papst wählen sollen, am 7. Mai beginnen (siehe dazu unseren Bericht auf Seite 10 dieser Ausgabe).
Nach derzeitigem Stand sind 135 Kardinäle wahlberechtigt. Sie sind jünger als 80 Jahre
alt. Österreich wird beim bevorstehenden Konklave erstmals seit 1958 nicht durch einen eigenen Kardinal vertreten sein. Zwar ist Kardinal Schönborn in Rom beim Vorkonklave präsent, er hat jedoch aufgrund seines
Alters (80) kein Stimmrecht mehr. Nach altem Brauch begann mit der Beisetzung des verstorbenen Papstes die
„Novendiale“, während dem bis 4. Mai täglich Gedenkmessen abgehalten werden. KAP/Red.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.