Gedenken an den Apostel Paulus
Offen für die Welt- San Paolo fuori le mura
- Eine ökumenische Vesper in der Basilika
- Foto: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA
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Der Tag, an dem man traditionell der Bekehrung des Apostels Paulus gedenkt, der 25. Jänner, bildet jedes Jahr den Abschluss der internationalen Gebetswoche für die Einheit der Christen. Der Papst feiert dann stets mit den Vertretern aller christlichen Kirchen in Rom eine ökumenische Vesper in der Basilika „San Paolo fuori le mura“ –„Sankt Paul vor den Mauern“.
Die Kirche, in der man von jeher das Grab des Völkerapostels verehrt, wird seit über 1300 Jahren von Benediktinern betreut. Wer sie besuchen möchte, fährt heutzutage von der römischen Innenstadt aus durch ein Meer von Wohnhäusern, Geschäften und Verwaltungsgebäuden. Kaum vorstellbar, dass hier vor 2000 Jahren nur Wiesen, Felder und Gräber waren. Im 4. Jahrhundert ließ Kaiser Konstantin über der Stelle, an der man das Grab des Völkerapostels Paulus vermutete, die erste Basilika errichten. Später wurde die Kirche erweitert, im 19. Jahrhundert aber durcheinen verheerenden Brand zerstört.
Sein Mut ist für Christen aus allen Kirchen ein Vorbild.
Heute strahlt die Fassade von San Paolo wieder, als sei ihr nie ein Leid geschehen. Als wir den weiten, halbdunklen Innenraum betreten, fällt unser Blick sofort auf das prachtvolle, goldene Mosaik in der Apsis. Es zeigt Christus als Weltherrscher. Etwas weiter vorne steht im Mittelschiff unter einem Baldachin der Hauptaltar. Unmittelbar davor können wir in einen offenen Raum, die sogenannte „offene Confessio“, hinabsteigen und durch ein Bronzegitter einen Blick auf den Bereich im Boden unterhalb des Altares werfen. Dort sehen wir einen antiken Sarkophag und eine Marmorplatte mit der Widmung: „Paolo Apostolo Martiri“ – „Dem Märtyrer Apostel Paulus“. Wissenschaftler haben das Innere des Sarkophags vor einigen Jahren im Auftrag des Vatikans mit einer
Sonde untersucht. Dabei kamen winzige Reste von Goldbrokat und Knochensplitter aus dem 1. Jahrhundert zum Vorschein. Journalisten haben die Ergebnisse der Untersuchungen bei einer Pressekonferenz interessiert zur Kenntnis genommen. Den meisten Pilgern, die hier des Apostels gedenken, dürfte es wichtiger sein, an dieser Stelle etwas von der Glaubenskraft und dem universellen Geist des Apostels zu spüren. Besonders deutlich wird das immer dann, wenn der Papst mit ökumenischen Gästen zu dem Grab hinabsteigt, um dort zu beten. (...)
Paulus in Rom unter Anklage
Über dem Sarkophag sehen wir in einer gläsernen Kassette Eisenketten: Der Überlieferung nach sind es Ketten, die Paulus trug, als er gefangen gehalten und hingerichtet wurde. Zum Fest Peter und Paul am 29. Juni werden sie stets in einer ökumenischen Prozession durch das Stadtviertel getragen. Der Mut des Apostels und seine Beharrlichkeit im Glauben sind heute für Christen aus allen Kirchen ein Vorbild. Etliche Details zum Leben und Sterben des Paulus sind nur aus Legendensammlungen bekannt. Alles in allem darf man aber annehmen, dass er in Rom zwar zeitweise unter Anklage und Bewachung stand, sich aber weithin frei bewegen und lehren konnte. Erst im Zuge der Christenverfolgung unter Kaiser Nero nach dem großen Brand in Rom im Jahr 64 wurde wohl auch gegen ihn ein Todesurteil ausgesprochen und vollstreckt. Unweit der Basilika San Paolo lag einst eine öffentliche Richtstätte. Dort soll Paulus nach ältesten Überlieferungen gestorben sein. Später entstand hier, eingerahmt von Zypressen, Oliven- und Eukalyptusbäumen, die Abtei „San Paolo alle Tre Fontane“ – „Sankt Paul an den Drei Quellen“.
Als wir den Klosterbezirk von der verkehrsreichen Via Laurentina aus betreten, kommen wir in eine Oase der Ruhe. Mittelpunkt der Anlage ist ein kleiner Platz mit einer Mariensäule vor der romanischen Klosterkirche –„Santi Vincenzo e Anastasio“. Zur Rechten sieht man, etwas erhöht, das Kirchlein „Santa Maria Scala Coeli“. Unter ihm sollen tief in der Erde die Gräber Tausender christlicher Soldaten liegen, die im 3. Jahrhundert bei einer Verfolgung hingerichtet wurden. In der Krypta sieht man eine kleine Zelle, die als Gefängnis des Paulus gilt. (...)
Im Lauf der Jahrhunderte haben in dem angrenzenden Kloster Benediktiner, Zisterzienser und armenische Mönche gewohnt. Seit dem 19. Jahrhundert sind hier Trappisten zu Hause (...). Dem Völkerapostel Paulus, der mit seinen Reisen einen Grundstein für die Ausbreitung des Christentums legte, würde all das gefallen.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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