Pfarrer i. R. Herbert Schlosser
Den Sinn hinter dem Kreuz verstehen
- Jesus muss sein Kreuz auf sich nehmen: Er zeigt sich solidarisch mit allen Leidenden, indem er selbst leidet.
- Foto: unsplash/Wesley Tingey
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Am vergangenen Sonntag wurde Petrus gelobt für sein großartiges Zeugnis über Jesus als den Christus, den Retter. Und heute nennt ihn Jesus ein Ärgernis. Dabei hat es Petrus doch nur gut mit ihm gemeint. Er kann einfach dabei nicht zuschauen, wie Jesus gleichsam ins offene Messer läuft. Ist das nicht verständlich?
Schließlich hatte Petrus doch alles liegen und stehen gelassen, um Jesus nachzufolgen – aus Überzeugung und aus Liebe war er ihm nachgefolgt. Und jetzt soll das alles mit dem schrecklichen Kreuzestod aus sein? Jesus soll unschuldig als Verbrecher sterben? Das kann Petrus nicht so mir nichts dir nichts stehen lassen.
Solidarität Gottes
mit den Leidenden
Petrus denkt hier ganz menschlich, wie das wahrscheinlich auch wir tun. Und daran kann doch nichts verkehrt sein. Schließlich haben wir alle eine Verantwortung für unser eigenes Leben und das unserer Mitmenschen. Man kann sich doch nicht so einfach in die Hände derer ausliefern, die einen vernichten wollen. Man muss sich auch wehren, oder mindestens darf man sich nicht von vorn herein in eine so große Gefahr begeben.
Es gibt kein Kreuz in dieser Welt, wo nicht Gott ganz bei dem wäre, der dieses Kreuz
zu tragen hat.
Ja, ich denke, das ist nicht falsch und das ist auch im Sinne von Jesus. Und doch ist jetzt die Zeit gekommen, in der Jesus anders handelt, als es menschlich vernünftig und verständlich ist. Er muss uns nun etwas ganz Großes zeigen, nämlich, wie weit Gottes Liebe zu uns geht! So weit geht sie, dass Gott in Jesus alles Böse, Unrecht, Leid und sogar den Tod mit uns teilt. Weil immer Menschen gefoltert, terrorisiert und ermordet werden, macht es Gott in Jesus offenbar, mit wem er sich solidarisch erklärt, nämlich mit den Leidenden und Sterbenden.
Es gibt kein Kreuz in dieser Welt, wo nicht Gott ganz bei dem wäre, der dieses Kreuz zu tragen hat. Aber Gott zeigt sich nicht nur solidarisch mit den Leidenden, er zeigt uns in Jesus, dass da auch ein Weg durch das Kreuz hindurch führt – der im Neuen Testament Auferstehung genannt wird. Wer wie Jesus durch den Tod hindurchgegangen ist, hat mit ihm auch den Tod überwunden!
Vielleicht hat Petrus das gar nicht mehr so richtig gehört, dass Jesus von Tod und Auferstehung sprach. Petrus hat nur das Wort „Tod“ in seinen Ohren und dagegen wehrt er sich. Ganz verständlich!
Petrus hat seine Zeit bekommen, um zu begreifen, worum es wirklich beim Sterben von Jesus mit uns und für uns gegangen ist.
Wir alle brauchen unsere Zeit, um so manches zu verstehen – und wir haben diese Zeit, ein ganzes Leben lang. Nützen wir sie und seien wir hellhörig für das, was sich oft hinter scheinbar sinnlosen und schrecklichen Ereignissen in unserem Leben abspielt!
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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