Wo Himmel und Holz sich berühren
Das außergewöhnlichste Gipfelkreuz
- Das außergewöhnlichste Gipfelkreuz
- Foto: Lucian Lacher/KNA
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Unglaublich, fantastisch, einzigartig – die Bergsteiger, die vom Gipfel der Schönfeldspitze herabkommen, schwärmen in höchsten Tönen. Einer erzählt, er sei nicht wegen der kolossalen Aussicht oben gewesen. Er wollte vielmehr aus nächster Nähe das Gipfelkreuz bestaunen, das da auf 2.653 Metern steht. Es ist ein Kunstwerk ohnegleichen. Eines mit Geschichte. Und die spielt nicht nur am Berg.
Das Erlebnis verlangt einen Preis: Vom Salzburger Wallfahrtsort Maria Alm aus sind fast 1.900 Höhenmeter zu Fuß zu bewältigen. Einige steile Passagen erfordern absolute Schwindelfreiheit und beherztes Zupacken. Das Gipfelkreuz wird erst auf den letzten Metern sichtbar: Maria bildet den Längsbalken und trägt auf den Armen ihren toten Sohn, waagrecht dahingestreckt, leichenstarr. Ein Bild unsäglicher Trauer und zugleich von erhabener Schönheit.
Im Sommer 2020 brach ein Sturm der Jesus-Figur auf der Schönfeldspitze die Beine. Nach 50 Jahren musste ein neues Kreuz her; der örtliche Bergsteigerverein wandte sich an den damals 20-jährigen Bildhauer und Zimmerer Raphael Gschwandtl aus Maria Alm. In wenigen Wochen stellte er das neue Kreuz fertig, sein Erstlingswerk erfüllt ihn mit Stolz. Er bekomme eigentlich nur positive Reaktionen dazu, erzählt er in der Werkstatt.
Eine Pietà in Kreuzesform – beispiellos in der Kunst – hatte schon sein Vorgänger Anton Thuswaldner geschaffen. Dieser starb mit 91 Jahren, nur ein halbes Jahr nach der Zerstörung seiner innovativen Gipfelfigur. Die Thuswaldners hingegen sind mit dem neuen Kreuz alles andere als zufrieden. „Wir distanzieren uns davon“, sagt Edith Defant-Thuswaldner, die das einstige Haus ihres Vaters in Kaprun als Museum eingerichtet hat. Die Nachschnitzung sei nicht im Einvernehmen mit ihrer Familie erfolgt. Was beide Künstler jedoch verbindet ist ein neuer Typ von Pietà-Darstellung: Ihre Madonna beweint ihren toten Sohn nicht im Sitzen. Im größten Schmerz, der eine Mutter treffen kann, steht sie aufrecht.
Christoph Renzikowski (KNA)
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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