Muttertag
Meine Kraftquellen als Mama
- Muss ich putzen oder wäre eine Kaffeepause sinnvoller?
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Sarah Zöchling, die einige Jahre lang die Jugendseite von "Kirche bunt" gestaltet hat, berichtet - nun verheiratet und junge Mutter - von ihrem Alltag mit einem Baby und ihren Kraftquellen, die sie darin stärken:
Was machst du eigentlich in deiner Me-Time?“, fragte mich meine Schwägerin acht Wochen nach der Geburt meines Sohnes. „Haare waschen“, antwortete ich. „Das ist keine Auszeit, sondern Körperpflege“, entgegnete sie mir – und hatte damit wohl recht.
Eine Auszeit für mich? Mit der Geburt meines Kindes erging es mir wie wohl vielen Neomüttern: Ich wurde in ein völlig neues Leben geworfen. Da mein Sohn während der ersten vier Lebenswochen jeden noch so kurzen Ablegeversuch mit lautem Schreien quittierte, musste ich mich erst einmal an die ständige körperliche Nähe zu einem anderen Menschen gewöhnen. Mit etwas Abstand erscheint mir dieses zunächst überfordernde dauernde Gefragt-Sein auch als Privileg: Als Mutter durfte ich für diesen wunderbaren Menschen die erste Bezugsperson sein, der er bedingungslos vertraute. Jetzt bin ich aber doch auch sehr dankbar, dass sich mein Sohn nun auch bei seinem Vater komplett entspannt und ihm das Liegen auf der Spieldecke Freude bereitet.
Ich habe mich eine Woche lang selbst beobachtet
Dass mein Kind nicht mehr ausschließlich mich (und meine Superkraft „Stillen“) verlangt, ermöglicht mir, kurz innezuhalten und zu fragen: Was gibt mir in diesem Mama-Alltag eigentlich Kraft und wie kann ich mir Oasen zum Auftanken schaffen? In der Vorbereitung für diesen Text habe ich mich eine Woche lang selbst beobachtet und dabei drei zentrale Aspekte erkannt, die mich stärken.
Erstens empfinde ich es als wichtig, weniger streng mit mir zu sein und Prioritäten zu setzen: Muss ich in der Zeit, in der sich mein Kind selbst beschäftigt, wirklich putzen oder wäre eine Kaffeepause sinnvoller? Manchmal ist es zudem eine Frage der Perspektive, ob die mit dem Kind verbrachte Zeit kräfteraubend oder Kraftquelle ist: Mein Sohn schläft am liebsten nahe bei oder auf mir. Anstatt dies als Einschränkung wahrzunehmen, versuche ich, es aus Sicht meines zukünftigen Ichs zu betrachten, das sich vielleicht nach dieser Nähe sehnen wird. So fällt es mir leichter, mich von Unerledigtem weniger stressen zu lassen. Gleichzeitig verbinde ich diese Zeiten mit kleinen positiven Routinen, etwa Spaziergängen oder dem Hören von Musik oder Podcasts über Kopfhörer. Während mein Sohn im Tragetuch schläft, tanke ich Bewegung, Licht, frische Luft oder habe Zeit, mich mit Themen zu befassen, die mich abseits des Mama-Seins interessieren.
Ich habe drei zentrale Aspekte erkannt, die mich stärken.
Zweitens ist mir die Pflege von Beziehungen wichtig: Mein Mann und ich erzählen uns täglich detailreich unseren Tag und bleiben so intensiv verbunden. Auch der Austausch mit Freundinnen und Familienmitgliedern tut gut. Hervorgehoben werden sollten an dieser Stelle die Omas meines Kindes, die uns jeweils wöchentlich einen (Nachmit-)Tag mit ihrem Besuch verschönern. Auch spirituelle Angebote wie die „Junge Messe“ in der St. Pöltner Pfarre St. Johannes Kapistran geben mir Halt und Gemeinschaft – Babys sind hier übrigens willkommen!
Drittens tut es mir auch gut, manchmal nur für mich zu sein und dabei ausschließlich das zu machen, was mir Freude macht – wie eben gerade jetzt: Ich genieße es, meinen Gedanken nachhängen und über Inhalte und Formulierungen nachdenken zu dürfen – wissend, dass unser Sohn gut bei seinem Vater aufgehoben ist.
Mein Fazit nach dieser Woche der Selbstbeobachtung: Auch wenn ich dabei auf nichts revolutionär Neues gestoßen bin, empfehle ich zum Muttertag, sich selbst die Zeit zur Reflexion zu schenken. Wo liegen meine Kraftquellen? Was zehrt an meinen Kräften? Welche Veränderung ist notwendig und wo reicht es schon, wenn ich meine Perspektive wechsle?
Sarah Zöchling
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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