Welt-Autismus-Tag
Max zieht aus – ein ganz normaler Umzug?
- Ein bewegender Moment: Max zieht aus.
- Foto: privat
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Mit 18 Jahren zieht Birgit Kubiks autistischer Sohn Max in eine WG. Die Mitarbeiterin der Kirchenzeitung der Diözese Linz erzählt vom Von-Zuhause-Ausziehen ihres Sohnes und vom Loslassen.
Gedanken zum Welt-Autismus-Tag am 2. April.
Unser mehrfach beeinträchtigter und autistischer Sohn Max wird achtzehn Jahre alt. Unsere Psychologin, die uns seit elf Jahren begleitet, meint, es sei an der Zeit, dass wir uns um einen Wohnplatz für Max umsehen. Sie weiß um Wartelisten, weiß, dass wir mittlerweile kräftemäßig an unsere Grenzen stoßen, und kennt unsere Sorgen und Ängste diesbezüglich. Deshalb ergänzt sie: „Max wird erwachsen, es ist normal, dass Jugendliche in diesem Alter ausziehen, auch wenn sie beeinträchtigt sind.“ Weiters meint sie, dass viele unserer Verhaltensmuster schon sehr festgefahren sind und dass wir es nicht mehr schaffen werden, diese aufzubrechen, damit Max selbständiger werden kann. In der Tat müssen wir uns eingestehen, dass wir Max in seiner Selbständigkeit nicht unbedingt fördern. Wir nehmen ihm viel zu viel ab, jeder Handgriff sitzt und wird nicht hinterfragt.
Ich mache mich auf den Weg: Bedarfsmeldung aktualisieren, nachtelefonieren, lästig sein, das Übliche halt. Zehn Monate später dann der ersehnte Anruf: Max bekommt einen Wohnplatz! Eine junge Wohngruppe wird gegründet, die Wohnanlage ist im Entstehen … uns bleibt also viel Zeit, uns darauf einzustellen.
Sorgen und Ängste
WG im Fall von Max bedeutet „Vollbetreute Wohngemeinschaft“. Eine WG ist für Max positiv besetzt. Er kennt das „Kurzzeit-Wohnen“ und kennt Kinder und Arbeitskollegen, die nicht mehr bei den Eltern wohnen. Er freut sich, als die Zusage kommt und erzählt allen stolz, dass er in eine Wohngruppe zieht. Das ist schön zu beobachten. Ganz Max stellt er viele Fragen, um sich bestmöglich darauf vorzubereiten.
Mein Prozess dahingehend verläuft etwas anders: Sorgen und Ängste machen sich breit. Wie wird es Max gehen? Wie wird es den Betreuern mit Max gehen? Werden sie seine Eskapaden aushalten? Werden sie gut für ihn sorgen? Nicht ein Wochenende oder Feriencamp lang, sondern Tag für Tag? Wir haben zweihundert Kleidungsstücke und Dinge beschriftet, Codewort: „MK 2“: Max Kubik, Wohngruppe 2. Es wird eine massive Umstellung werden – für ihn, für uns.
Wie ist er doch gewachsen in diesem Jahr.
Ein Jahr später feiern wir ein Fest in der WG. Im Zeitraffer läuft das vergangene Jahr vor meinen Augen ab: Die Aufregung vor dem Umzug, die Leere danach, die Erschöpfung, die nun zuschlagen konnte, die Erleichterung, die sich erst langsam einstellte. „Abenteuerlich“ beschreibt die Einrichtungsleitung das erste Jahr. Abenteuerlich für alle Beteiligten – denn unter dem Motto „Mehr Neu geht nicht“ gestaltete sich der Anfang schwierig und forderte sowohl Betreuer als auch Bewohner und uns Eltern. Nun, ein Jahr später, haben wir den Eindruck, dass alle angekommen sind.
Wir Eltern wiederum mussten das Loslassen lernen, dass man nicht alles erfährt, nicht alles wissen und sich nicht mehr um alles kümmern muss. Dass gewohnte Dinge nun anders gestaltet werden, dass Max lernen muss, nicht immer aller Aufmerksamkeit zu bekommen. Wie ist er doch gewachsen in diesem Jahr.
April 2025
Max wohnt nun seit gut eineinhalb Jahren in seiner WG in Linz. Die Wochenenden, Feiertage, Urlaubstage hat er bei uns zuhause verbracht, denn Max ist nach wie vor gerne in Enns. Er dreht dann seine Runden und hofft, dass er viele Leute trifft. Aber Max ist auch gern in der WG. Dort setzt er sich für die Einhaltung der Hausregeln ein. Viele dieser Regeln stammen von Max, berichtet uns die Einrichtungsleiterin. Da Max sehr lösungsorientiert ist, versucht er auf diese Weise, etwas von der für ihn so wichtigen Struktur in den Wohnalltag zu bringen.
Wir sind dem Betreuer-Team dankbar, für das Sich-Einlassen auf die Bewohner, die unterschiedlicher nicht sein können. Und wir freuen uns, dass Max sonntagabends fordert: „Mama, Papa, beeilt euch. Ich muss wieder heim in die WG.“ Birgit Kubik
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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