Barockkirchen in der Diözese St. Pölten
Gott zum Ruhm, dem Menschen zur Freude

Stift Melk
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Den Himmel in die Kirche holen – das war die Bauaufgabe des Barock, der sich Baumeister, Maler, Handwerker mit großer Kunstfertigkeit und Ideenreichtum hingaben. Im Barock zeigte die katholische Kirche, wozu sie wirtschaftlich und künstlerisch in der Lage war. Die barocke Pracht der neuen Kirchen sollte die Gläubigen beeindrucken und im Schoß der katholischen Kirche halten oder sie dorthin zurückführen. Die Sinne der Gläubigen sollten förmlich überwältigt werden.

„Der Barock war eine Epoche, in der Kirche als Gesamtkunstwerk verstanden wurde“, sagt Barbara Taubinger, Direktorin des Museums am Dom St. Pölten und Diözesankonservatorin. Vor allem bei den Kirchenneubauten mit ihrer prächtigen und ausdrucksvollen Ausstattung habe man versucht, einen Abglanz des Göttlichen zu schaffen, indem von der Deckengestaltung über die Einrichtung (Altäre, Kanzel, Gestühl…) bis hin zu den liturgischen Gefäßen (Kelche, Monstranzen…) und Textilien alle Teile in einer einheit­lichen stilistischen Formensprache gestaltet wurden.

„Die plakative und gefühlvolle Bildersprache, das Zusammenspiel zwischen Bauwerk, Ausstattung, Musik und vor allem Liturgie sollte die Gläubigen im christlichen Leben bestärken“, erläutert Taubinger. Durch die durchwegs hohe Qualität des barocken Kirchenbaus – man denke an große Künstler wie Baumeister Jakob Prandtauer, Maler Daniel Gran oder „Kremser Schmidt“, Martin Johann Schmidt, – sei dieses Gefühl bis heute spürbar, so die diözesane Kunstexpertin.

Der Barock entstand bereits vor 1600 in Italien. Der Stil blühte dort bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts und breitete sich über ganz Europa bis nach Übersee aus. In Mitteleuropa markiert historisch der Dreißig­jährige Krieg (1618–1648) den Beginn des Barock. Durch den Ausbruch der Französischen Revolution (1789) wird sein Ende gekennzeichnet.

Zwischen Glauben und Genuss

Die Reaktionen auf den Dreißigjährigen Krieg waren gegensätzlich. Einerseits konnte man eine intensive Hinwendung zum christlichen Glauben beobachten. Viele erhofften sich, Trost in der Religion, nachdem der Krieg so viel Leid und Zerstörung mit sich gebracht hatte. Andererseits wandte man sich den materiellen Genüssen des Lebens zu. Es entstand ein enormer Drang, sich prunkvoll darzustellen und zu präsentieren.

Eigenschaften des Barock

Vieles kennzeichnet den barocken Stil. Säulengruppen, Giebel, Kuppeln und Fensterbekrönungen wurden in die Architektur miteinbezogen. Alle architektonischen Merkmale wurden mit reichen Ornamenten verziert. Der Betrachter erhielt dadurch den Eindruck von Bewegung und Kraft und erlebte eine Steigerung aller Wirkungen. Weiters wurden Plastik, Malerei und Skulptur in die Architektur integriert. Für den Kirchenbau ist eine symbolische Lichtführung charakteristisch. Durch sie sollte die Herrlichkeit der Kirche sowie Gottes auch in Bauwerken dargestellt werden.

Zu weiteren Eigenschaften des Barocks zählen die Bevorzugung von dynamischen Bewegungsformen in der Architektur (bewegte Fassaden) anstelle sichtbarer Statik sowie die großen Ausmaße. Saalkirchen, Zentralbauten, elliptische Grundrissformen sowie die starke Betonung der Fassade als einziger Schauseite der Kirchen, häufig mit entsprechenden Plätzen davor, sind ebenfalls typisch barock. Nischenfiguren an der Fassade bzw. Figuren, die das Dach oder den Giebel bekrönen, lassen Barockkirchen leicht erkennen. Die Giebel über Portalen oder Fenstern sind aufgebrochen oder versetzt. Im Inneren sind monumentale Hochaltäre vorne in der Mitte typisch, auf denen alles zentriert ist. Gedrehte Wendelsäulen am Hochaltar zählen ebenso zum Barockstil. Dekorative Stuckelemente sind auch prägend. Ab dem Barock wurden übrigens auch für die Laien Sitzbänke aufgestellt, zumal die Messe länger dauerte.

Viele Barockkirchen in Diözese

Barocke Gebäude prägen das Landschaftsbild. Seit seiner Gründung im Jahr 1089 wird das barocke Stift Melk von Benediktinermönchen bewohnt und bewirtschaftet. Heute ist es weltweit als spiritueller Treffpunkt bekannt – mit viel Raum für Kunst, Kultur, Natur und Wissenschaft. Und das Bild des UNESCO-Weltkulturerbes ist quasi ein Fixstarter bei den Topsehenswürdigkeiten des Landes. Viele weitere Stifte sowie Kirchen könnten genannt werden: die Basilika Sonntagberg, die als Wahrzeichen des Mostviertels gilt, oder die Franziskanerkirche am St. Pöltner Rathausplatz. Dazu kommen noch viele Pfarrkirchen in allen Regionen der Diözese, etliche andere wurden barockisiert.

Vielfach war beim Bau der imponierenden Kirchen der fromme Gedanke „Gott zum Ruhm, dem Menschen zur Freude“ prägend.

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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