Freude und Lachen in der Bibel
Freut euch!
- Humorvolle Gespräche in einer Klosterbibliothek. Gemälde von Fritz Wagner (1896-1939).
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Die Freude ist Teil der christlichen Botschaft – das Evangelium selbst ist „Frohe Botschaft“. Doch wie steht es um den Humor? Darf man als Christ lustig sein?
Als Nietzsche sagte, das Christentum wäre glaubhafter, wenn die Christen erlöster aussähen, hatte er wahrscheinlich jenes Bild von grießgrämigen und sauertöpfischen Kirchgängern im Sinn, das auch uns möglicherweise nicht gänzlich unbekannt sein mag.
Die Ernsthaftigkeit des Glaubens, seiner Botschaft und seinem Anspruch an die Welt und das Individuum verleitet nicht selten dazu, den Glauben als etwas zu betrachten, in dem Heiterkeit und Humor nichts zu suchen haben. Aber warum eigentlich? „Freut euch und jubelt“ (Mt 5,12) ruft uns Christus entgegen – sogar dann sollen wir uns freuen, wenn es wenig Grund zur Freude gibt, wenn wir verfolgt werden aufgrund unseres Glaubens, wenn wir verstoßen und von anderen verspottet werden. Gerade dann soll die Freude groß sein, denn der Lohn im Himmelreich wird groß sein.
Woher kommt dann eigentlich die Skepsis der Kirche und der Theologie gegen das Lachen? Der Kirchenvater Johannes Chrysostomos (349-407) schrieb in seiner sechsten Matthäushomilie: „Und weinend sehen kann man ihn (Jesus) oft, lachend niemals, nicht einmal stille lächelnd; wenigstens hat kein Evangelist etwas davon berichtet“. Dieses Zitat hatte eine folgenreiche Auswirkung auf die Theologiegeschichte. Das Lachen hatte seitdem immer den Nimbus des Unanständigen, auch weil das Lachen im Neuen Testament eine negative Konnotation erfährt. Wenn dort von Gelächter die Rede ist, dann meist von verspottendem Auslachen, im griechischen Originaltext ist sogar von „katagelao“ die Rede, vom Niederlachen. Beispielhaft dafür sind die Soldaten, die Jesus vor seinem Kreuzweg die Augen verbanden, ihn schlugen und fragten, wer ihn denn geschlagen hatte. Sie verspotteten ihn, sogar als er dann schon am Kreuz hing: „Ach, du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen? Rette dich selbst und steig herab vom Kreuz!“ (Mk 15,29-30).
„Gott ließ mich lachen!“
So ist es im Neuen Testament, im Alten Testament hingegen ist das Lachen weitaus positiver bewertet. Als Gott Abraham besuchte (Gen 18,1-16), um ihm und seiner Frau Sara reiche Nachkommenschaft zu verheißen, lachte sie in sich hinein – wie sollte sie als alte Frau mit einem alten Mann denn noch ein Kind bekommen? Die drei Männer, in deren Form Gott erschien, fragten sie, warum sie lache. Obgleich sie es in diesem Moment leugnete, gab sie es bei der Geburt ihres Sohnes Isaak zu: „Gott ließ mich lachen; jeder, der davon hört, wird mir zulachen“ (Gen 21,6). Der Name Isaak leitet sich im Hebräischen vom selben Wortstamm wie „lachen“ ab – Isaak heißt also „er lacht“.
Dieses viel positivere Bild vom Lachen, von der spontanen Freude, die sich im Gelächter Bahn bricht, fand seinen Widerhall in der Theologiegeschichte. Thomas von Aquin, der sich der Begrenztheit des Menschen durchaus bewusst war, wusste, dass der Mensch die Erholung von der Arbeit und der Mühe des Lebens und Alltags brauchte – körperlich und seelisch. Scherz, Witz, Humor seien diejenigen Dinge, „die nur dem Vergnügen dienen“ (Summa Theologica) und so der Rekreation der Seele dienen könnten. Dies gelte aber mit Einschränkungen: Nicht jeder Spaß ist erlaubt. Geht es gegen die Würde anderer Menschen, wird also ein Mensch im Witz „niedergelacht“, dann verfehlt der Witz seinen Sinn. Um zu unterscheiden, braucht es die Vernunft und das, was Aristoteles, der Pate mittelalterlicher Philosophie, als Eutrapelia bezeichnet, die Fähigkeit, Wörter und Dinge in Heiterkeit umzuwandeln. Bei Thomas ist die Fähigkeit sogar eine Tugend, die wie alle Tugenden gepflegt und kultiviert werden muss.
Die Freude Jesu
Aber der Eindruck Johannes Chrysostomos’ bleibt: Jesus lacht in den Evangelien nicht. Er weint, er klagt, er ist zornig. Er trägt sein Herz auf der Zunge. „Es gab ein einziges, das so groß war, als dass Gott es uns hätte zeigen können, als Er auf Erden unter uns wandelte; und manchmal dachte ich, daß es vielleicht Seine Heiterkeit war“, schreibt G. K. Chesterton. Die Frage, warum er das tat, bleibt unbeantwortet. Vielleicht bedrückte ihn das Leid der Sünde auf der Welt zu sehr, vielleicht erlaubte die Größe seines Wirkens keinen Moment der Heiterkeit. Vielleicht schrieben die Evangelisten auch einfach nicht darüber. Vielleicht war die Freude Jesu auf Erden auch einfach noch nicht komplett; vielleicht lächelt er uns erst dann an, wenn wir bei ihm sind. Vielleicht ist es dann so, wie es im Buch der Sprüche heißt: „Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit.“ (Spr 8,30). Autor: Matthias Wunder
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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